Fehlzeitenreport 2026
Muskel-Skelett-Erkrankungen sind für einen großen Anteil der Krankenstandstage in Österreich verantwortlich. Ergonomische Arbeitsgestaltung ist zentral, um diese zu verhindern.
Fehlzeitenreport 2026: Ein Überblick
Der Fehlzeitenreport wird jedes Jahr vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger, der Wirtschaftskammer Österreich und der Bundesarbeitskammer erstellt.
2025 verbrachten unselbständig Beschäftigte durchschnittlich 14,7 Kalendertage im Krankenstand. Das sind 2,7 % weniger als im Jahr 2024. Diese Fehlzeiten bedeuten nicht nur menschliches Leid für die Betroffenen, sondern auch wirtschaftliche Verluste. Einerseits entstehen direkte Kosten, bestehend aus der Entgeltfortzahlung der Betriebe (4,8 Mrd. Ꞓ) und Krankengeld der Krankenversicherung (1,2 Mrd. Ꞓ) und andererseits verursachen Krankenstände auch Wertschöpfungsverluste, die bis zu 8,8 Mrd. € bzw. 1,9 Prozent des BIP erreichen können (Berechnungen für das Jahr 2024).
Beschäftigte unter 20 Jahren sowie ab 50 Jahren sind besonders häufig im Krankenstand. Die höchsten Krankenstandsquoten weisen Beschäftigte im Alter von 60 bis 64 Jahren auf. Während Verletzungen und Vergiftungen im Zeitverlauf an Bedeutung als Ursache für Krankenstände verloren haben, gewinnen psychisch bedingte Krankenstände langfristig zunehmend an Bedeutung. Sie machen zwar nur 2,9 % aller Krankenstandsfälle aus, verursachen jedoch 11,8 % aller Krankenstandstage.
Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Fehlzeitenreports liegt auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (MSB). MSB-Betroffene werden im Schnitt nicht nur deutlich länger krank (33,4 Krankenstandstage gegenüber 19,3 Tagen in der Vergleichsgruppe) sondern auch häufiger (3,2 gegenüber 2,2 Fällen). Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule sind ganz besonders häufig. Sie treten branchenübergreifend auf.
Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) im Arbeitsschutz
Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) entstehen aufgrund verschiedener Ursachen und Einflüssen. Privater Lebensstil aber auch Belastungen am Arbeitsplatz können das Risiko stark erhöhen. Klar ist: MSE zählen zu den häufigsten arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen und benötigen daher mehr Aufmerksamkeit. Obwohl die technischen und ergonomischen Arbeitsbedingungen sich stetig verbessert haben, ist die Zahl der Krankenstandstage aufgrund von MSE weiterhin auf sehr hohem Niveau.
Zu den Risikofaktoren zählen sowohl physische Belastungen wie die manuelle Handhabung von Lasten, repetitive Bewegungen, ungünstige Körperhaltungen oder Erschütterungen als auch organisatorische und psychosoziale Faktoren wie hohe Arbeitsanforderungen, fehlende Möglichkeiten zum Wechsel der Arbeitshaltung, hohes Arbeitstempo oder lange Arbeitszeiten.
Wirksame Prävention setzt deshalb an mehreren Stellen gleichzeitig an und kombiniert Maßnahmen. Die Einbeziehung von Arbeitnehmer:innen in die Maßnahmensetzung erhöht in der Regel die Wirkung. Mögliche Maßnahmen:
Technische Maßnahmen
- Technische ergonomische Maßnahmen wie z.B. ergonomische Handwerkzeuge
- Reduktion der Lasten, Reduktion der Häufigkeit der Lastenhandhabung, Hilfsmittel zum Ergreifen, Heben und Bewegen von Lasten
- Re-Design von Arbeitsplätzen um Zwangshaltungen zu vermeiden (z.B. Werkstück anheben, um nicht kniend oder hockend arbeiten zu müssen)
Organisatorische und administrative Maßnahmen
- Zusätzliche Pausen bei belastenden Arbeitshaltungen (z.B. kniende Tätigkeiten, Arbeiten über Kopf, Haltearbeiten)
- Reduktion überlanger Zeiten der entsprechenden Tätigkeit
Fehlzeiten durch MSE verursachen menschliches Leid für Betroffene und auch Kosten für Betriebe. Eine Kombination aus Arbeitsschutzmaßnahmen, Wiedereingliederungsplänen nach einem Ausfall sowie ein unterstützendes Arbeitsklima sind hier zielführend. Im Beitrag "praktische Lösungen" in diesem Newsletter finden sich auch vorbildliche Umsetzungen von Schutzmaßnahmen in Betrieben.
Mehr über arbeitsbedingte MSE: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/Gesundheit_im_Betrieb/arbeitsbedingte_Erkrankungen/Manuelle_Lasthandhabung.html
Link zum Fehlzeitenreport:https://www.wifo.ac.at/news/fehlzeitenreport-2026/Letzte Änderung am: 28.07.2026