Entwicklungen im Arbeitsschutz
Wie haben sich Arbeitsschutz und Arbeitsinspektion in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Die wichtigsten Zahlen gibt es hier im Überblick.
Arbeitsunfälle
Ein großer Erfolg ist, dass die Arbeitsunfallrate (Arbeitsunfälle auf je 10.000 Beschäftigte) in den letzten 45 Jahren in Österreich um ca. die Hälfte reduziert werden konnte.
Im Bauwesen gab es 1980 die höchste Unfallrate: Pro Jahr erlitten ca. 150 von 1.000 versicherten Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern damals einen Arbeitsunfall. Seitdem konnte die Arbeitsunfallrate im Bausektor um ca. zwei Drittel reduziert werden.
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung gab es im Jahr 2024 immer noch über alle Branchen hinweg 60 tödliche Arbeitsunfälle (ohne Wegunfälle). Es gilt weiterhin: Jeder Arbeitsunfall ist einer zu viel.
Arbeitsbedingte Erkrankungen und Berufskrankheiten
Arbeitsbedingte Erkrankungen sind Erkrankungen, die durch die Arbeit verursacht oder verschlimmert werden. Gesetzlich anerkannte Berufskrankheiten sind ein Teil der arbeitsbedingten Erkrankungen, haben jedoch eine andere versicherungsrechtliche Stellung.
Die langfristige Entwicklung der Berufskrankheitsfälle ist schwieriger zu bestimmen als bei Arbeitsunfällen. Nach einem massiven Anstieg im Jahr 2021 aufgrund von COVID-19, ist die Zahl seitdem wieder stark rückläufig. Im langjährigen Vergleich lässt sich feststellen, dass sich die Zahl der anerkannten Berufskrankheitsfälle 1.589 (2009) auf 1.369 (2024) reduziert hat. Durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit ist die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit. An zweiter Stelle stehen Infektionskrankheiten – davon betroffen sind zum Großteil weibliche Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen. Berufskrankheiten durch Asbest – wie Asbestose oder bösartige Neubildungen des Rippenfells, der Lunge oder des Kehlkopfes – stehen an dritter Stelle. Betroffen sind vor allem männliche Beschäftigte.
Neben anerkannten Berufskrankheiten gibt es auch andere arbeitsbedingten Erkrankungen, wie z.B. Muskel- und Skeletterkrankungen oder psychische Erkrankungen. 13 Prozent aller (jemals) Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 74 Jahren haben zumindest ein arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem (meistens Rückenprobleme) und 83 Prozent von ihnen sind dadurch im Alltagsleben beeinträchtigt. Die Land- und Forstwirtschaft, Gesundheitsberufe und die Baubranche sind besonders betroffen (Statistik Austria 2020).
Die Entwicklung von arbeitsbedingten Erkrankungen ist aufgrund fehlender konsistenter Daten deutlich schwerer zu beschreiben als die Entwicklung von Arbeitsunfällen.
Arbeitsinspektion
Im Jahr 2025 führten rund 300 Arbeitsinspektorinnen und Arbeitsinspektoren etwa 60.000 Kontrollen sowie rund 50.000 Beratungen durch. Bei rund 28.500 Kontrollen wurden arbeitsschutzrechtliche Übertretungen festgestellt. In etwa 1.300 Fällen – rund zwei Prozent aller Kontrollen – waren Strafanzeigen erforderlich.
Im langfristigen Vergleich sind vor allem zwei Entwicklungen auffällig: die Anzahl der Beratungen konnte in den letzten 15 Jahren stark ausgebaut und die Anzahl der Kontrollen – abgesehen von einer kurzen COVID-19-bedingten Unterbrechung – relativ konstant gehalten werden. Im Jahr 2010 wurden beispielsweise 58.907 Kontrollen und 21.235 Beratungen durchgeführt.
Das zeigt, dass die Arbeitsinspektion ihren Leitsatz „Gute Beratung, faire Kontrolle“ ernst nimmt und weiterhin eine zentrale Akteurin ist, um Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Arbeitsplätzen zu gewährleisten.Letzte Änderung am: 19.02.2026