Untersuchungsintervalle und Untersuchungsumfang

Die Intervalle und der Umfang der Eignungs- und Folgeuntersuchungen, der Untersuchungen bei Lärmeinwirkung und der sonstigen besonderen Untersuchungen sind in Anlage 1 und Anlage 2 der Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz (VGÜ) geregelt.

Allgemeine Bestimmungen zur Durchführung der Untersuchungen

In den Allgemeinen Bestimmungen zur Durchführung der Untersuchungen ist ausgeführt, wie die Untersuchungen zu gestalten sind. Ein wesentliches Augenmerk wird dabei auf die Arbeitsanamnese gelegt, die unverzichtbar für die arbeitsmedizinische Beurteilung und gezielte Beratung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hinsichtlich Belastung, Arbeitsgestaltung und Schutzmaßnahmen ist. Bei jeder Untersuchung ist eine Anamnese und die Arbeitsanamnese zu erheben und eine ärztliche Untersuchung durchzuführen. Bei vorzeitigen Folgeuntersuchungen ist nur jener Untersuchungsbefund (z.B. Blut, Harn, Lungenfunktion) zu erheben, der die vorzeitige Folgeuntersuchung begründet hat.

Spirometrien sind nach wissenschaftlich anerkannten Verfahren (wie z.B. die Leitlinien Lungenfunktionsprüfung der deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin) durchzuführen, wobei als Sollwerte die Werte nach Forche und Neuberger heranzuziehen sind.

Ergometrien sind nach den Praxisleitlinien Ergometrie der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft durchzuführen.

Eignungs- und Folgeuntersuchungen (§§ 2, 3, 3a, 3b VGÜ)

Mit Tätigkeiten, bei denen die Gefahr einer Berufskrankheit besteht, und bei denen einer arbeitsmedizinischen Untersuchung im Hinblick auf die spezifische mit dieser Tätigkeit verbundene Gesundheitsgefährdung prophylaktische Bedeutung zukommt, dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur beschäftigt werden, wenn vor Aufnahme der Tätigkeit eine solche Untersuchung durchgeführt wurde (Eignungsuntersuchung) und bei Fortdauer der Tätigkeit solche Untersuchungen in regelmäßigen Zeitabständen durchgeführt werden (Folgeuntersuchungen) (§ 49 ASchG). 

herabgesetzte Sauerstoffkonzentration

Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Auswirkungen von sauerstoffreduzierter Atemluft auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurde eine neue Vorgehensweise bei der Durchführung von Eignungs-und Folgeuntersuchungen bei Tätigkeiten in Räumen, in denen die Sauerstoffkonzentration zum Zweck der Brandvermeidung herabgesetzt ist, ausgearbeitet.

Risikoklasse A: herabgesetzte Sauerstoffkonzentration unter 17, mind. 15 Vol.-%
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind vor dem erstmaligen Betreten von bzw. Arbeiten in Räumen mit herabgesetzter Sauerstoffkonzentration der Risikoklasse A und bei Fortdauer der Tätigkeit in solchen Räumen so wie bisher Eignungs-und Folgeuntersuchungen gemäß § 3 b VGÜ 2017 und der im Anhang II angeführten Untersuchungsrichtlinie zu unterziehen.

Risikoklasse B: herabgesetzte Sauerstoffkonzentration unter 15, mind. 13 Vol.-%
Da § 3 b VGÜ 2017 nur bis zu einer Sauerstoffreduktion bis 15 Vol.-% - nicht aber bei weiterer Unterschreitung - gilt, ist für das Betreten von Räumen mit herabgesetzter Sauerstoffkonzentration der Risikoklasse B und bei Fortdauer der Tätigkeit in solchen Räumen vom örtlich zuständigen Arbeitsinspektionsärztlichen Dienst eine Untersuchung gemäß § 49 Abs. 3 ASchG per Bescheid vorzuschreiben. Der Untersuchungsinhalt ist der Anlage 2 VGÜ 2017 zu entnehmen. Abweichend davon beträgt der Zeitabstand der Untersuchung 1 Jahr.

Risikoklasse C: herabgesetzte Sauerstoffkonzentration unter 13 Vol.-%
In Räumen der Risikoklasse C sind Eignungs- und Folgeuntersuchungen gem. § 3 b VGÜ 2017 nicht erforderlich, weil jedenfalls ein Atemschutzgerät zu verwenden ist. Es können aber Untersuchungen gem. § 3 Abs. 1 Z 1 VGÜ 2017 notwendig sein (abhängig von Gewicht und Tragedauer).

Eignungs- und Folgeuntersuchungen bei Tätigkeiten in Räumen mit herabgesetzter Sauerstoffkonzentration zum Zweck der Brandvermeidung sind – bis zur Änderung der VGÜ 2017 – entsprechend dieser Neuregelung durchzuführen.

Weiterführende Informationen entnehmen Sie bitte dem Erlass „ Arbeiten in künstlich sauerstoffreduzierten Atmosphären (PDF, 0,2 MB) ".

Untersuchungen bei Lärmeinwirkung (§ 4 VGÜ)

Mit Tätigkeiten, die mit gesundheitsgefährdender Lärmeinwirkung verbunden sind, dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur beschäftigt werden, wenn vor Aufnahme der Tätigkeit eine arbeitsmedizinische Untersuchung der Hörfähigkeit durchgeführt wurde (§ 50 ASchG).

Eine gesundheitsgefährdende Lärmeinwirkung liegt vor, wenn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer folgende Expositionsgrenzwerte überschritten werden, wobei die dämmende Wirkung von persönlicher Schutzausrüstung nicht zu berücksichtigen ist.

  1. LA,EX,8h = 85 dB, sofern nicht die Lärmexposition von einem Arbeitstag zum anderen erheblich schwankt und die wöchentliche Lärmexposition LA,EX,40h von 85 dB nicht überschritten wird oder
  2. ppeak = 140 Pa (entspricht: LC,peak = 137 dB)

Sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einer solchen Tätigkeit ausgesetzt, müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dafür sorgen, dass sie sich in regelmäßigen Abständen einer arbeitsmedizinischen Untersuchung der Hörfähigkeit unterziehen (wiederkehrende Untersuchung der Hörfähigkeit).

Wenn die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren oder die Bewertungen und Messungen der Lärmexposition oder Gesundheitsbeschwerden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf ein Gesundheitsrisiko hindeuten und die Exposition der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die nachstehenden Auslösewerte für Lärm überschreitet, müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich auf eigenen Wunsch vor Aufnahme dieser Tätigkeit sowie bei Fortdauer der Tätigkeit in regelmäßigen Zeitabständen einer besonderen Untersuchung im Sinne des § 51 ASchG unterziehen können. Diese Untersuchungen dürfen nur von Ärztinnen und Ärzten vorgenommen werden, die den Anforderungen für Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner gemäß § 79 Abs. 2 ASchG entsprechen.

Die Auslösewerte betragen:

  1. LA,EX,8h = 80 dB, sofern nicht die Lärmexposition von einem Arbeitstag zum anderen erheblich schwankt und die wöchentliche Lärmexposition LA,EX,40h von 80 dB nicht überschritten wird oder
  2. ppeak = 112 Pa (entspricht: LC,peak = 135 dB)

Sonstige besondere Untersuchungen (§ 5 VGÜ)

Wenn im Hinblick auf die spezifische mit einer Tätigkeit verbundene Gesundheitsgefährdung nach arbeitsmedizinischen Erkenntnissen oder nach dem jeweiligen Stand der Technik besondere ärztliche Untersuchungen geboten erscheinen, müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dafür sorgen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eine solche Tätigkeit ausüben oder ausüben sollen, sich auf eigenen Wunsch vor Aufnahme dieser Tätigkeit sowie bei Fortdauer der Tätigkeit in regelmäßigen Zeitabständen einer solchen besonderen Untersuchung unterziehen können (§ 51 ASchG).

Bei Einwirkung von

  • eindeutig krebserzeugenden Arbeitsstoffen,
  • biologischen Arbeitsstoffen der Gruppen 2, 3 oder 4,
  • Vibrationen, die einen Auslösewert - Ganzkörper-Vibrationen: 0,5 m/s², Hand-Arm-Vibrationen: 2,5 m/s² - überschreiten,
  • künstlicher optischer Strahlung,
  • elektromagnetischen Feldern

und bei

  • Nachtarbeit

können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf eigenen Wunsch besonderen Untersuchungen unterziehen. Diese Untersuchungen dürfen nur von Ärztinnen und Ärzten vorgenommen werden, die den Anforderungen für Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner gemäß § 79 Abs. 2 ASchG entsprechen.

Untersuchungsformulare

Zur Vereinheitlichung der Anamnese, des Untersuchungsganges und der Befundermittlung sowie zur Dokumentation sind einheitliche Untersuchungsformulare zu verwenden (§ 6 VGÜ). Dies gilt nur für Eignungs- und Folgeuntersuchungen, nicht aber für sonstige besondere Untersuchungen wie z.B. Nachtarbeit - diesbezüglich gibt es keine vorgegebenen Formulare.

Für die Eignungs- und Folgeuntersuchungen steht nun eine webbasierte Applikation zur Verfügung. Informationen zum Ausfüllen dieser Applikation entnehmen Sie dem Handbuch (PDF, 0,3 MB) .

Es können auch weiterhin die bisher zur Verfügung gestellten Untersuchungsformulare (bzw. auch solche die diesen inhaltlich entsprechen und gut lesbar sind) verwendet werden.

zu verwenden bei: Blei, Quecksilber, Arsen, Mangan, Cadmium, Chrom, Cobalt, Nickel, Aluminium, Fluor, Benzol, Toluol, Xylole, Tri-, Perchlorethylen etc., Kohlenstoffdisulfid, Dimethylformamid, Nitroglykol, aromatische Nitro- und Aminoverbindungen, Phosphorsäureester und Isocyanate.

zu verwenden bei: Quarz, Asbest, Hartmetall, Schweißrauch und Baumwolle

Hinweis:
Diese PDF-Formulare sollten Sie vor der Verwendung herunterladen und lokal abspeichern. Die Formulare können vollständig elektronisch ausgefüllt und lokal abgespeichert werden. Zum Ausfüllen benötigen Sie den Acrobat Reader Version 7.0 oder höher.

Referenzwerte für Erwachsene

Biologische Arbeitsstoff-Referenzwerte (BAR) beschreiben die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Referenzpopulation aus nicht beruflich gegenüber dem Arbeitsstoff exponierten Personen im erwerbsfähigen Alter bestehende Hintergrundbelastung mit diesem Arbeitsstoff. Sie orientieren sich am 95. Perzentil, ohne Bezug zu nehmen auf gesundheitliche Effekte. Zu berücksichtigen ist, dass der Referenzwert der Hintergrundbelastung u.a. von Alter, Geschlecht, Sozialstatus, Wohnumfeld, Lebensstilfaktoren und der geografischen Region beeinflusst sein kann. (Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft. Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe: MAK- und BAT-Werte-Liste 2017. Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte. Mitteilung 52. Weinheim: Wiley-VCH 2016, 257;).

Der Referenzwert für einen Arbeitsstoff oder dessen Metaboliten im biologischen Material wird mit Hilfe der Messwerte einer Stichprobe aus einer definierten Bevölkerungsgruppe abgeleitet.

Krebserzeugende Stoffe mit BAR Werten, die gemäß den Bestimmungen der VGÜ für die Beurteilung der Notwendigkeit ärztlicher Untersuchungen relevant sein können, sind in der nachstehenden Tabelle angeführt: 

Krebserzeugender Arbeitsstoff 

Parameter

BAR-Wert

Arsen und anorganische Arsenverbindungen

anorganisches Arsen und methylierte Metaboliten (durch direkte Hydrierung
bestimmte flüchtige Arsenverbindungen)

15 µg/l Harn

Benzol

trans, trans-Muconsäure

150 µg/g Kreatinin bzw.
200 µg/l Harn

Cadmium und seine anorganischen Verbindungen

Cadmium

0,6 µg/g Kreatinin bzw. 0,8 µg/l Harn

Chrom(VI)-Verbindungen

Gesamt-Chrom

0,6 µg/l Harn

Cobalt und Cobaltverbindungen

Cobalt

1,5 µg/l Harn

Nickel und seine Verbindungen

Nickel

3 µg/l Harn

Weitergehende Informationen zu BAR-Werten, die von der BAuA regelmäßig veröffentlicht werden, finden Sie im Biomonitoring-Auskunftssystem.

Letzte Änderung am: 11.02.2020