Interview mit Leiterinnen und Leitern von Arbeitsinspektoraten 

Nach einer Pensionswelle in den letzten Jahren gibt es in einigen Arbeitsinspektoraten neue Leitungen. Welche Schwerpunkte setzen sie im Arbeitsschutz? Was treibt sie an?

Mit Tony Griebler (Wien West–Ost), Konstantina Vozikis-Petalas (Bauarbeiten Wien & Umgebung), Sandra Hirmann (Vorarlberg) und Johannes Bachmair (Oberösterreich Ost)

 

  1. Welche Themen im Arbeitsschutz sind dir besonders wichtig und wo besteht in den nächsten Jahren am meisten Handlungsbedarf?

    Griebler (Wien West-Ost): Die Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes in den Betrieben ist mir ein besonderes Anliegen. Den meisten Handlungsbedarf sehe ich darin, die Akzeptanz des Arbeitsschutzes bei den Beschäftigten und den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zu erhöhen, insbesondere unter Klein- und Mittelbetrieben.

    Vozikis-Petalas (Bauarbeiten Wien): Auf Baustellen ist im Arbeitsschutz noch viel zu tun – manche Bauarbeiter fühlen sich nach wie vor wie unverwundbare Superhelden. Baustellen sind kein Abenteuerpark: es braucht Arbeitsvorbereitung, Koordination und auch Kontrolle. Die Bewusstseinsbildung ist hier zentral.

    Hirmann (Vorarlberg): Für mich sind die rapide fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung zentrale Herausforderungen. Durch den zunehmenden Einsatz von KI, Robotik und digitalen Plattformen wird sich die Arbeitswelt massiv verändern. Das wird auch die psychische Gesundheit beeinflussen. Ständige Erreichbarkeit, zunehmende Komplexität und Veränderungsdruck werden uns noch länger im Arbeitsschutz beschäftigen.

    Bachmair (Oberösterreich Ost): Dem kann ich mich anschließen. Mir ist ein moderner, präventiver Arbeitsschutz wichtig, der körperliche und psychische Belastungen berücksichtigt. Die digitale Transformation und neue Arbeitsformen erfordern zeitgemäße Schutzmaßnahmen. Außerdem schafft die demografische Entwicklung in einigen Bereichen zusätzlichen Handlungsbedarf, z.B. im Gesundheits- und Pflegebereich.



  2.  Wo siehst du die größten Chancen in der Zusammenarbeit, um im Arbeitsschutz Verbesserungen zu bewirken?

    Vozikis-Petalas (Bauarbeiten Wien): Es braucht Zusammenarbeit auf allen Ebenen und Mut, alte, verstaubte Denkweisen abzulegen. Es braucht Apps zum Arbeitsschutz, die so modern und benutzerfreundlich sind, dass sowohl Jung als auch Alt sie verstehen und benutzen. Oder andere Tools, um Risiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Sicherheitskulturen aufzubauen. Hier müssen Ressourcen und Kräfte gebündelt werden, nicht zuletzt damit schon von klein auf verstanden wird, dass z.B. Schutzbrillen keine Modefrage sind.

    Hirmann (Vorarlberg): Die größten Chancen für Verbesserungen im Arbeitsschutz sehe ich in der Vernetzung, in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Stakeholdern sowie in einer konsequenten und gezielten Medienarbeit. Der Nutzen des Arbeitsschutzes muss besser kommuniziert werden, damit er fest in der Unternehmenskultur verankert werden kann.

    Bachmair (Oberösterreich Ost): Auch ich sehe die größten Chancen in möglichst frühzeitiger Vernetzung und in der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen. Gemeinsame, abgestimmte Präventionsprogramme und regelmäßiger Austausch sind für mich zentral.

    Griebler (Wien West-Ost): Ganz genau. Nur wenn alle Akteure im Arbeitsschutz an einem Strang ziehen, ist es möglich, die Akzeptanz für Arbeitsschutz in der Bevölkerung zu erhöhen und dem Ziel, dass Beschäftigte jeden Tag gesund nach Hause kommen, näherzukommen.


  3. Was treibt dich in deiner täglichen Arbeit an? Was möchtest du bewirken?

    Vozikis-Petalas (Bauarbeiten Wien):
     Natürlich lebt man für den Moment, in dem alle Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. Klar ist aber auch: Vorschriften sind kein Selbstzweck. Nur wenn sie verstanden und akzeptiert werden, können sie Wirkung entfalten.  Daher ist mein größtes Anliegen, den Arbeitsschutz für alle attraktiver zu machen. Wenn wir so weit sind, dass es jüngere Generationen absolut cool finden, Arbeitsschutz als Fotomotiv zu posten, dann - denke ich - haben wir es geschafft. 

    Bachmair (Oberösterreich Ost):
     Mich treibt der Gedanke an, dass unsere Arbeit das Leben von Menschen verbessert. Ich setze mich dafür ein, dass Arbeit sicher, gesund und fair bleibt und gemeinsam mit Betrieben Risiken reduziert werden. Mein Ziel ist ein moderner, kooperativer Arbeitsschutz, der Beschäftigte schützt und Unternehmen stärkt

    Hirmann (Vorarlberg):
     Sehe ich auch so. Mir ist neben einem erfolgreichen Amtsmanagement außerdem wichtig, das Image der Arbeitsinspektion nachhaltig zu verbessern. Mein Ziel ist es, unsere Leistungen und den Mehrwert unserer Institution sichtbar zu machen und das Vertrauen in unsere Arbeit zu fördern! 

    Griebler (Wien West-Ost):
     Damit all das gelingt, braucht es zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gute Arbeitsbedingungen und eine moderne, gut organisierte Arbeitsinspektion. 

    Vielen Dank für das Gespräch!


Sie wollen einen Einblick in die Arbeitsinspektorate? Hier finden sie Vorstellungsvideos der Arbeitsinspektorate Niederösterreich Wald- und Mostviertel, Oberösterreich West und Salzburg.


Letzte Änderung am: 19.02.2026