Was nutzt der Arbeitsschutz? Wirksamer Arbeitsschutz schützt Beschäftigte vor Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen. Gleichzeitig wird dadurch die Arbeitsfähigkeit erhalten und die Produktivität gesteigert. So trägt wirksamer Arbeitsschutz zum wirtschaftlichen Erfolg von Betrieben und der Gesellschaft bei.
Humanitärer Nutzen
Beschäftigte sind vor Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen zu schützen, um menschliches Leid zu verhindern und Lebensqualität zu gewährleisten. Für eine demokratische Gesellschaft hat dieser Nutzen oberste Priorität und ist in zahlreichen Gesetzestexten und Übereinkommen verankert.
- Entwicklung tödlicher und nicht-tödlicher Arbeitsunfälle in Österreich: Die Anzahl der Arbeitsunfälle hat sich in den letzten 30 Jahren in etwa halbiert. Auch die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle hat sich sehr positiv entwickelt. 1995 starben noch 189 Erwerbstätige an den Folgen eines Arbeitsunfalls (ohne Wegunfälle), im Jahr 2025 waren es 65 und das obwohl sich die Anzahl der versicherten Erwerbstätigen stark erhöht hat (AUVA). Trotz der positiven Entwicklung gilt: Jeder tödliche Arbeitsunfall ist einer zu viel.
- Entwicklung arbeitsbedingter Erkrankungen: 13% aller (jemals) Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 74 Jahren haben zumindest ein arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem (meistens Rückenprobleme) und 83% von ihnen sind dadurch im Alltagsleben beeinträchtigt. Die Land- und Forstwirtschaft, Gesundheitsberufe sowie Baubranche sind besonders betroffen (2020). Die Entwicklung ist aber aufgrund fehlender konsistenter Daten schwer zu fassen.
Gesellschaftlicher Nutzen
Hohe Sicherheitsstandards auf Arbeitsplätzen bieten langfristig Wettbewerbsvorteile und tragen dazu bei, dass Folgekosten von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen gesenkt werden. So können auch Steuerkosten im Gesundheitswesen reduziert werden.
Kosten von arbeitsbedingten Unfällen und Erkrankungen (Bottom-Up-Modell):
- Österreich: ca. 9,9 Mrd. EUR, sprich ca. 2,9% des BIP bzw. 2.400 EUR pro erwerbstätiger Person (2015). Arbeitsbedingte Erkrankungen sind für mehr als vier Fünftel aller Folgekosten verantwortlich.
- Die Kosten setzen sich zusammen aus direkten Kosten (z.B. Behandlungskosten), indirekten Kosten (z.B. entgangene Wertschöpfung, Anpassungskosten, Einkommensverluste) und intangiblen Kosten (z.B. Verluste an Lebenszeit und Lebensqualität)
- Verteilung der Gesamtkosten in Österreich: Arbeitnehmer:innen (59%), Arbeitgeber:innen (17%), Gemeinschaft (24%)
Betrieblicher Nutzen
Arbeitgeber:innen haben in der Regel ein großes Interesse daran, dass ihre Beschäftigten gesund bleiben. Arbeitsschutzmaßnahmen haben aber auch einen belegten, ökonomischen Nutzen für Betriebe aufgrund geringerer Krankenstandstage, höherer Produktivität und gestiegener Zufriedenheit.
- Jeder in betriebliche Prävention investierte Euro kommt in der Regel mehr als doppelt zurück. Laut einer Studie liegt der Return on Prevention bei Investitionen in den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz bei 2,2 €. Grund dafür sind z. B. gestiegene Motivation bzw. Zufriedenheit der Beschäftigten, besseres lmage und Kosteneinsparungen durch vermiedene Betriebsstörungen (DGUV 2013). Die Einbindung von Beschäftigten erhöht in der Regel die Wirksamkeit.
- Ein meldepflichtiger Arbeitsunfall kostet einen Betrieb im Schnitt zwischen 8.000 und 9.000 €. Beschäftigte fallen nach einem solchen Arbeitsunfall im Schnitt fast einen Monat aus. Ein Ausfallstag kostet den Betrieb demnach um die € 330. Das höchste Arbeitsunfallrisiko besteht bei Tätigkeiten, die z. B. im Gehen, Laufen, Hinaufsteigen oder Hinabsteigen passieren, sprich Sturzunfälle mit Aufprall. Zirka jeder vierte meldepflichtige Arbeitsunfall fällt in diese Kategorie und kostet den Betrieb im Schnitt 10.000 EUR. Mithilfe der Berechnung dieser Unfallfolgekosten gibt es - neben den obenstehenden Gründen - auch ein wirtschaftliches Argument für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen.
Gesetzlicher Nutzen
Unternehmen sind verpflichtet, Arbeitsschutzgesetze einzuhalten. Diese Gesetze zielen darauf ab, ein einheitliches Regelwerk für alle zu schaffen. Die Arbeitsinspektion kontrolliert die Einhaltung dieser Gesetze, um sicherzustellen, dass Bedingungen für Betriebe fair, gerecht und planbar sind.
In einer umfassenden europäischen Umfrage werden regelmäßig die Gründe erhoben, warum sich österreichische Betriebe mit Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes befassen (ESENER 2024):
- Erfüllung des gesetzlichen Auftrages: für 92% ein „wichtiger Grund“ (EU-Schnitt: 89%)
- Erfüllung der Erwartungen der Beschäftigten und deren Vertreter: für 82% ein „wichtiger Grund“ (EU-Schnitt: 81%)
- Wahrung des Rufes des Unternehmens: für 74% ein „wichtiger Grund“ (EU-Schnitt: 75%)
- Aufrechterhaltung oder Steigerung der Produktivität: für 71% ein „wichtiger Grund“ (EU-Schnitt: 65%)
- Vermeidung von Strafzahlungen durch die Arbeitsinspektion: für 69% ein „wichtiger Grund“ (EU-Schnitt: 80%)