Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Erfolgsgeschichten der Arbeitsinspektion

Was machen die ArbeitsinspektorInnen eigentlich wirklich – und was bewirken sie mit ihrer Arbeit? In dieser Rubrik wollen wir Ihnen Geschichten aus dem Alltag der Arbeitsinspektorate erzählen. Im Mittelpunkt sollen nicht Zahlen und Fakten oder Vorschriften stehen, sondern was in konkreten Situationen für die ArbeitnehmerInnen erreicht werden konnte – und das bei oft nur geringem Aufwand für die ArbeitgeberInnen.

November 2018 - Kostenlose Beratung bei der Errichtung von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen

Die Arbeitsinspektorate unterstützen und beraten Arbeitgeber/innen und Planer/innen bei der Planung und Vorbereitung von Neubauten und Umbauten von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen. Die häufigsten Themen sind Raumhöhen, Fluchtwege, Lüftungen, Belichtungsflächen (z.B. Fenster), Sozialbereiche aber auch Arbeitszeit, Pausenregelungen, etc.

Kostenlose Beratungen vor Ort, bei Behörden (Bausprechtage) oder im Arbeitsinspektorat werden dokumentiert und beschleunigen Genehmigungsverfahren. 

Praktisch in jeder Projektvorbesprechung können rechtzeitig Projektänderungen erreicht werden, die eine gesetzeskonforme Einreichung gewährleisten und damit die Verhandlung beschleunigen bzw. die Rate positiver Stellungnahmen erhöhen.
Die häufigsten Themen sind fehlender Vorraum bei Toiletten, Raumhöhe bei Küchen unter 3m bzw. Unklarheit welche Maßnahmen bei Raumhöhen unter 3m zu treffen sind (mech. Lüftung, Berechnung nach aktueller NORM) und Türen, die nicht in Fluchtrichtung öffnen.

Im Zuge der beratenden Funktion der Arbeitsinspektion ist positiv zu erwähnen, dass Projektvorbesprechungen mit den Betreibern bzw. Projektanten vor Ort gut ankommen. Der Vorteil für alle ist gegenüber einer Plandarstellung ein weitgehend realistischer Überblick des Vorhabens und der tatsächlichen Situation. Offene Fragen von Seiten des Antragstellers bzw. des Projektanten oder auch von der Seite der Arbeitssicherheit können vor Ort besser und schneller beantwortet werden. Das trifft auch bei einer gemeinsamen Lösungsfindung zu.

Oktober 2018 - Belichtung und Lüftung eines Arbeitsraumes

Bei der Besichtigung eines Elektrofachbetriebes wurden Mängel bei der Belichtung, der Sichtverbindung ins Freie sowie der Lüftung eines Arbeitsraumes, zum Prüfen von Bauteilen, festgestellt. Die Qualität von Licht und Lüftung trägt maßgeblich zum Wohlbefinden der Beschäftigten bei der Erledigung ihrer Arbeit bei, Mindestmaße sind gesetzlich geregelt.

Bei einem Beratungsgespräch wurde vereinbart die ständigen Arbeitsplätze unmittelbar bei den Fensterflächen anzuordnen. Prüfplätze die nicht der Sonneinstrahlung ausgesetzt werden sollen oder keine ständige Anwesenheit erfordern, wurden in den rückwärtigen Teil des Arbeitsraumes verlegt.

September 2018 - Sonntagsschichten

In einem gummiverarbeitenden Betrieb ergab sich das Problem, dass aufgrund von Wartungsarbeiten ein Rückstand bei Gummimischungen zu erwarten war. Dies sollte durch einen externen Lieferanten abgefangen werden, der aber kurzfristig mitteilte, die geforderte Menge nicht liefern zu können. Der Betrieb, der in ein weltweites Unternehmen eingebettet ist, versorgt neben anderen Unternehmen auch Betriebe der eigenen Gruppe mit seinen speziellen Gummimischungen. Auf Vorrat kann nicht produziert werden, da das Produkt nur sehr bedingt lagerfähig ist. Wunsch der Firma war nun den Schichtbetrieb über Sonn- und Feiertage auszudehnen.

Bei einer Besprechung mit der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat wurde unter Heranziehung einer zutreffenden Ausnahmebestimmung der Arbeitsruhegesetz-Verordnung die Lösung zur Durchführung von Sonn- und Feiertagsschichten gefunden. Dadurch sollte die Versorgung des Standortes und der angewiesenen Betriebe in Europa sichergestellt sein.

August 2018 - Neue Arbeitsräume angemietet...

Im Dezember 2017 erreichte uns eine Information, welche eine Arbeitsstätte in Oberösterreich beschreibt.

Es wurde der Arbeitsinspektion mitgeteilt, dass:

  • keine elektrische Absicherung vorhanden ist
  • teilweise Maschinen abbrennen, weil sie nicht gewartet werden
  • Stecker der elektrischen Anlage aus der Wand hängen
  • das Garagentor viele Mängel aufweist und demnächst herabfallen könnte
  • es keine sanitären Anlagen (Toiletten; Waschbereiche; Aufenthaltsbereiche; etc.) gibt
  • keine Feuerlöscher vorhanden sind
  • kein Erste Hilfematerial zur vorhanden ist
  • täglich, ausgenommen am Sonntag, in der Zeit von 00 Uhr bis 04 Uhr morgens gearbeitet wird
  • es keine Heizung gibt
  • ca. 10 Menschen regelmäßig beschäftigt werden.

Arbeitsinspektoren besuchten unmittelbar diese Arbeitsstätte. Die angeführten Mängel wurden bei der Besichtigung vorgefunden. In einer ehemaligen landwirtschaftlichen Lagerhalle wurden Sortierarbeiten durchgeführt und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt. Während des Tages ist die Lagerhalle verschlossen.

Durch die Besichtigung und Beratung wurden binnen 3 Wochen neue, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende, Arbeitsräume angemietet.

Juli 2018 - Toiletten im Bürotrakt eines Einkaufszentrums

Anlässlich einer Überprüfung eines Bürotraktes in einem Einkaufszentrum wurde festgestellt, dass Toiletten nicht nur für die im Bürotrakt beschäftigten ArbeitnehmerInnen, sondern auch von sehr vielen betriebsfremden Personen benützt sind. Räume einer Ebene dieses Bürotrakts wurden dabei offenbar seit längerem auch für Fortbildungskurse genutzt. Dadurch standen die ursprünglich ausschließlich von den ArbeitnehmerInnen benutzten Toiletten nunmehr auch den KursteilnehmerInnen zur Verfügung. Dadurch waren diese offensichtlich häufig besetzt und wurden in einem stark verschmutzten bzw. verunreinigten Zustand vorgefunden. 

Alle betroffenen ArbeitgeberInnen und insbesondere der technische Leiter des Einkaufszentrums wurden daraufhin hingewiesen und beraten, die Toilettenanlagen zu trennen. Für die in der Arbeitsstätte beschäftigten Frauen und Männer wurde jeweils eine von außen versperrbare Türe eingebaut. Den auf dieser Ebene des Bürotrakts beschäftigten ArbeitnehmerInnen stehen nun wieder eigene Toiletten in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Für die KursteilnehmerInnen stehen nun eigene nach Geschlecht getrennte Toiletten zur Verfügung.

Juni 2018 - Prüfpflichten der Arbeitsmitttel

Bei Kontrollen von Betrieben durch die Arbeitsinspektion werden auch Aufzeichnungen über durchgeführte Prüfungen von Arbeitsmitteln kontrolliert. So auch bei einer Überprüfung einer KFZ-Werkstätte mit vielen Fahrzeughebebühnen und mehreren elektrisch betriebenen Toren.

Beim abschließenden Gespräch brachte der Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitsinspektor zum Ausdruck, dass durch diese Prüfungen dem Betrieb hohen Kosten entstehen, da diese von einer externen Prüfstelle oder einem Serviceunternehmen durchgeführt werden müssen. Oftmals sind dafür Terminvereinbarungen schwierig und es wurden schon Daten der Prüfung vergessen bzw. nicht im Prüfbefund festgehalten.

Der Arbeitgeber wurde darüber beraten, dass auch ein fachkundiger Betriebsangehöriger (auch der fachkundige Unternehmer selbst) die Prüfung durchführen kann.

Lediglich jedes vierte Jahr müssen dann für diese Prüfungen externe Prüforgane herangezogen werden. Dabei kann sich auch der fachkundige Betriebsangehörige (Unternehmer) über allfällige Neuerungen auf dem Gebiet der Prüfinhalte oder Methoden für die Durchführung dieser Prüfung informieren. Weiters wurde der Arbeitgeber über den Inhalt des Prüfbefundes sowie die Ergebnisse der Prüfung, welche im Prüfbefund festgehalten werden müssen, beraten.

Mai 2018 - Baustellen

Große Baustellen haben eine lange Planungs- und Vorbereitungsphase. Monate vor Baubeginn hat ein Koordinationsgespräch mit Bauherrn, Baustellenkoordinatorin, ausführenden Unternehmen und einem Vertreter des Arbeitsinspektorates stattgefunden. Für ein ca. 8 km langes Straßenstück mit mehreren Brücken und Unterführungen konnten konkrete technische Maßnahmen aber auch organisatorische Abläufe diskutiert werden. Ziel der Arbeitsinspektion war, dem Bauherrn die zutreffenden ArbeitnehmerInnenschutzbestimmungen zu erklären und ihn zu beraten wie diese zeit- und kostensparend umgesetzt werden können. 

Gemeinsam mit den Beteiligten konnten, bereits vor Baubeginn, sicherheitstechnische Themen (z.B. Gefahren mit selbstfahrenden Arbeitsmitteln, Arbeiten an Absturzstellen, Arbeiten in Künetten) und organisatorische Maßnahmen (z.B. Erste Hilfe auf der Großbaustelle, Unterweisungen der ArbeitnehmerInnen, Arbeitszeiten) festgehalten werden, um die ArbeitnehmerInnen während der Bauarbeiten besser schützen zu können.

April 2018 - Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung

Bei einer Überprüfung einer Tiefkühlgemüseproduktion wurde festgestellt, dass für den Versand der Produkte Palletten mit Kartons (je Karton 5 Säcke mit Tiefkühlgemüse á 1 kg) händisch geschlichtet wurden.

Die Kartons wurden auf die am Boden stehende Palette bis auf ca. 1,5 m Höhe vom Förderband weg geschlichtet. Diese Arbeit ist für den gesamten Körper insbesondere aber für den Stützapparat sehr belastend.

Seitens des Arbeitsinspektorates wurde der Betrieb ausführlich über verschiedene Möglichkeiten der ergonomischen Gestaltung dieses Arbeitsplatzes beraten. Es wurde empfohlen, die Paletten mittels Hubwagen auf die Höhe des Förderbandes zu heben um ein dauerndes Bücken mit den Kartons zu vermeiden. Der Arbeitsplatz wurde schließlich so ausgerüstet, dass die Kartons mittels Vakuumheber auf die angehobene Palette geschlichtet werden können, was zu einer deutlichen Entlastung der Arbeitnehmer führte.

März 2018 - Sanierung eines Wiener Marktes unter Beachtung des ArbeitnehmerInnenschutzes

In den letzten zehn Jahren ergaben sich bei einem großen Wiener Markt bedeutende Veränderungen. Es wurden Stände zusammengelegt, das Marktgeschehen wurde vermehrt auf Gastronomie und Tourismus ausgerichtet. Dadurch hat sich der ursprüngliche Charakter der Nahversorgung durch eine Vielzahl kleiner Stände verschoben. Nunmehr bestimmen große Betriebe im Gastronomiebereich und auf die Bedürfnisse von Touristen ausgerichtete Verkaufsstände das Marktbild. In den Jahren 2010 bis 2015 erfolgte eine komplette Sanierung des Marktes.

Diese Änderungen geschahen nicht nach einem durchgehenden Konzept für den ganzen Markt, sondern punktuell in den einzelnen Betrieben. Jedenfalls genug Anlass für das Arbeitsinspektorat, sich dem ArbeitnehmerInnenschutz gesamt, d.h. in allen Betrieben zu widmen. Im Vorfeld der Beratungs- und Kontrollkampagne wurde der Kontakt zum Marktamt, zur AUVA und der Wirtschaftskammer hergestellt um ein abgestimmtes Vorgehen zu ermöglichen. Der Schwerpunkt des Arbeitsinspektorats umfasste die Arbeitsumstände von ca. 500 ArbeitnehmerInnen. Es konnte festgestellt werden, dass sich durch Neubau und Sanierung von vielen Marktständen der Zustand der Betriebsstätten verbessert hatte, aber trotzdem noch Probleme – trotz der erfolgten Sanierung - bestanden. Die Bandbreite der Probleme reicht vom Zugang zu sanitären Anlagen über Maßnahmen des Brandschutzes bis zu fehlender persönlicher Schutzausrüstung.

Zur Unterstützung der ArbeitgeberInnen wurden für diese Aktion von der AUVA Musterevaluierungen für die verschiedene Arten von Marktständen auf eval.at zur Verfügung gestellt.

Februar 2018 - Ohne Schweiß und Rauch geht's auch

Bei der routinemäßigen Kontrolle einer Großbaustelle wurden mit Schweißarbeiten beschäftigte Arbeitnehmer in einem geschlossenen Raum angetroffen, der nur durch die Tür gelüftet werden konnte. Es waren bis zu sechs Schweißer in diesem Raum beschäftigt. Das Raumklima war untragbar und extrem mit Schweißrauch belastet. Der Schweißrauch war so dicht, dass die Sicht stark eingeschränkt war. Bei näherer Kontrolle musste festgestellt werden, dass keine Absaugungen für den Schweißrauch vorhanden waren. Wegen der Dringlichkeit wurde sofort ein beratendes Gespräch mit dem Arbeitgeber geführt, in dem er auf die notwendigen Maßnahmen hingewiesen wurde.

Bei einer Nachkontrolle wenige Tage später wurde ein zuträgliches Raumklima  vorgefunden. Der Arbeitgeber hatte mobile Zu- und Abluftgebläse mit Schläuchen montieren lassen, wodurch frische Außenluft dem Raum geregelt zugeführt und die belastete Luft sofort abgesaugt werden konnte. Damit wurde einerseits die Qualität des Arbeitsplatzes für die Arbeitnehmer unmittelbar verbessert, aber andererseits werden durch die Verwendung von Schweißrauchabsaugungen auch langfristig Belastungen des Atemsystems, insbesondere der Lunge und damit auch Berufskrankheiten vermieden.

Jänner 2018 - Offenhalten von automatischen Schiebetüren

Während der langen Kälteperiode gab es mehrere Anrufe von Arbeitnehmer/innen bzw. Kunden in Handelsgeschäften, die sich über die niedrige Raumtemperatur beschwerten, da die großflächigen automatischen Schiebetüren ständig offenstanden. Ein Arbeitsinspektionsorgan stellte bei der Erhebung vor Ort fest, dass nicht die Türen schadhaft waren, sondern es von den Arbeitgebern bzw. von der Konzernpolitik her, die Eingangstüren ständig offen zu sein haben, um mehr Kunden in das Geschäft zu bringen. Ob dies bei niedrigen Außentemperaturen Wirkung zeigt, mag erstens bezweifelt werden und zweitens werden damit die Mindesttemperaturgrenzen unterschritten. In einem Geschäft wurde von dem Kollegen mit einem Temperaturmessgerät 12 Grad Celsius gemessen. Bei all diesen Fällen wurde sofort der Verantwortliche angewiesen, die Türen zu schließen.

Dezember 2017 - Einhaltung der Arbeitszeiten leicht gemacht

Bei einer Überprüfung eines großen Viersternehotels mit zahlreichen Beschäftigten in einer Tourismusregion wurde festgestellt, dass es bei jugendlichen Lehrlingen (unter 18 Jahre) Überschreitungen der zulässigen Tages- und Wochenarbeitszeiten gab, außerdem hatten die Jugendlichen nicht jeden zweiten Sonntag frei. (Den Erfordernissen der Praxis entsprechend dürfen Jugendliche im Gastgewerbe auch am Sonntag beschäftigt werden, müssen aber grundsätzlich zumindest jeden zweiten Sonntag frei haben, wobei der Kollektivvertrag noch andere Lösungsmöglichkeiten bietet.) Ein Überprüfungsbefund wurde erstellt und dem Arbeitgeber übermittelt.

Der Betrieb war bemüht, die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit und Sonntagsruhe bei Lehrlingen einzuhalten. Allerdings wurden die Arbeitszeitaufzeichnungen händisch geführt, was es den Vorgesetzten erschwerte, auf eine korrekte Gestaltung der Arbeitszeiten zu achten.

Als Lösung wurde vom Betrieb ein elektronisches Zeiterfassungssystem eingeführt, das Vorgesetzte automatisch bei Problemen mit den Arbeitszeiten informiert.

So konnte zur Zufriedenheit aller Beteiligten erreicht werden, dass künftig die zulässigen Arbeitszeiten sicher und leicht eingehalten werden können und die Verantwortlichen das ohne großen Aufwand überprüfen können.

Bei einer Nachüberprüfung durch das Arbeitsinspektorat wurden daher auch keine neuen Übertretungen mehr festgestellt.

November 2017 - Raumtemperatur

Fall 1

Bei der Überprüfung einer Fahrradreparaturwerkstätte im Februar 2017 wurde festgestellt, dass die Raumtemperatur in den Arbeitsräumen zwischen 10°C und 17°C betrug. Die zehn ArbeitnehmerInnen haben mit Winterbekleidung gearbeitet. Der Arbeitgeber hat unmittelbar nach der Begehung elektrische Elektroradiatoren gekauft um eine ausreichende Raumtemperatur sicher zu stellen.

Fall 2

In einer LKW-Werkstätte gab es keine Heizung. Eine ehemals bestehende Heizung wurde abgebaut, warum weiß kein Mensch. Laut Wandthermometer war die Raumtemperatur bei 0°C. Laut Angaben der AN kam es vor, dass in der Werkstätte Glatteis herrschte. Die Mitarbeiter sahen aus wie dick verpackte Eisbären. Nach dem Besuch wurden vom Betrieb sofort Heizgeräte der örtlichen Feuerwehr ausgeborgt; (die Raumtemperatur im Gesamtraum stieg – vom Arbeitsinspektor gemessen – auf 15°C)  und mit der Genehmigungsbehörde Kontakt aufgenommen um zu klären welche Art der Heizung auch genehmigungsfähig ist. Das Verfahren ist im Laufen.

 

Oktober 2017 - Einkaufszentrum

Fall 1

In einem großen Wiener Einkaufszentrum werden in vielen Shops, in den Verkaufsräumen, die Fenster und Lichtkuppeln ins Freie zur Präsentation der Verkaufswaren verbaut, verklebt oder verstellt. Insbesondere internationale Konzerne wollen ihr Shopkonzept weltweit beibehalten. Ein Schwerpunkt der Arbeitsinspektion ist die Fenster und Lichtkuppeln als solche zu erhalten, damit die ArbeitnehmerInnen den Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren.

Auch laute Hintergrundmusik wird in einigen Betrieben als „Verkaufskonzept“ argumentiert. Die Arbeitsinspektion fordert die Betriebe auf, die vorhandenen Grenzwerte einzuhalten. Den ArbeitgeberInnen aber auch der Leitung des Einkaufszentrums ist es wichtig, dass alle ArbeitgeberInnen die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben.

Fall 2

In einem Shoppingzentrum gab es mehrere Beschweren wegen Zugluft bzw. zu niedrigen Temperaturen in Geschäftslokalen. Bei der Erhebung vor Ort wurde festgestellt, dass scheinbar die Heizlüftung nicht eingeschaltet war. Nach Gesprächen mit den Arbeitnehmern vor Ort wurde angegeben, dass die Heizlüftung seit Eröffnung des Geschäftslokales noch nie funktionierte, dies aber in den letzten milderen Wintern nicht weiter problematisch war. Bei weiterer Recherche in der Betriebsstätte stellte sich heraus, dass die Heizlüftung nicht angeschlossen war. Der Arbeitsinspektor suchte daraufhin die verantwortliche Haustechnik auf, um sie mit dem scheinbar offensichtlichen Mangel zu konfrontieren. Dort erfuhr er, dass dies kein „Mangel“ sei, sondern es möglich war die Geschäftslokale mit Lüftung und mit oder ohne extra Heizlüftung zu mieten  und einige Betreiber die Zusatzkosten sparen wollten. 

Mittels Aufforderungsschreiben wurden die Arbeitgeber aufgefordert die Heizlüftung in kürzester Zeit aktivieren zu lassen.

 

September 2017 - Ein Schutznetz für den Notfall

Für den Arbeitsinspektor bzw. die Arbeitsinspektorin ist es oft nicht einfach, zu belegen, dass die durch sein Wirken getroffenen Maßnahmen Leben und Gesundheit wirksam schützen. Nur sehr selten erhält man eine Rückmeldung, aus der eindeutig hervorgeht, eine Wirkung erzielt, bzw. einem Menschen das Leben gerettet zu haben. Einer dieser Fälle soll hier geschildert werden. Die Baustelle liegt zwar bereits wenige Jahre zurück, die dort vorhandene Situation hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Es handelte sich dabei um einen Neubau eines großen Bürokomplexes, bestehend aus zwei mehrgeschossigen Einzelgebäuden mit einem dazwischenliegenden Innenhof. Dieser sollte mit einer Stahl- Glaskonstruktion überdacht werden. Die Höhe dieses Atriumdaches hatte geschätzte 10 m oder mehr. Vor Beginn der Montagearbeiten wurde der für die Baustelle zuständige Arbeitsinspektor zu einer Sicherheitsbesprechung eingeladen, bei der es um die Festlegung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für die Errichtung dieser Dachkonstruktion ging. Es nahmen daran die Bauherrenvertreter, die örtliche Bauaufsicht, Vertreter des Bauunternehmens und die ausführenden Professionisten, das waren Stahlbau- und Glasmontageunternehmen teil. Beginnend von der Montage der Stahlkonstruktion wurden die vorgesehenen Schutzmaßnahmen erläutert. Schließlich stand das Thema der Montage der Glaselemente auf der Stahlkonstruktion an. Die üblichen Hilfsmittel, wie Hubarbeitsbühnen, waren wegen der Konstruktion des Stahltragwerkes als räumliches Fachwerk nicht möglich. Eine Einrüstung wäre unverhältnismäßig aufwändig gewesen. Das Glasmontageunternehmen vertrat überhaupt den Standpunkt, dass bei der Verlegung der Glaselemente eine schöne und sichere Standfläche vorhanden sei und daher eine weitere technische Schutzmaßnahme gegen Absturz nicht erforderlich sei. Der Arbeitsinspektor setzte aber durch, dass für diese Arbeit ein Personenschutznetz unter der Stahltragkonstruktion errichtet wird. Dies wurde schlussendlich von allen Beteiligten akzeptiert und umgesetzt.

Wenige Wochen später ging eine AUVA-Unfallmeldung im Amt ein. Es handelte sich dabei um diese Baustelle, Arbeitgeber des Verletzten war das besagte Glaserunternehmen. Im Unfallhergang war beschrieben “Beim Glasen danebengestiegen und während des Fallens ins Schutznetz noch auf einer Eisenstange aufgeschlagen“. Lediglich der Umstand, dass er beim Fallen auf die Stahltragkonstruktion des Glasdaches angestoßen war und auf Grund der dabei erlittenen Verletzung eine Unfallmeldung erstattet worden war, hat dazu geführt, dass der Arbeitsinspektor Kenntnis bekommen hat, dass die von ihm geforderte Schutzmaßnahme ein Menschenleben gerettet hat.

August 2017 - Brandschutz

Beim Bau eines Pflegeheims mit ca. 150 Betten wurden leider in den sehr großen Brandschutzschiebetoren die Gehtüren vergessen. Bei Brandalarm werden durch Brandschutzschiebetore verschiedene Trakte des Pflegeheims abgeschlossen. Andere ordnungsgemäße Fluchtwege aus den abgeschlossenen Trakten waren nicht vorhanden. Auf Grund dieses gefahrenträchtigen Zustandes mussten auch Strafanzeigen erstattet werden. Nach vielen Verhandlungen wurden letztlich alle acht Brandschutzschiebetore getauscht. Bei einem späteren Betriebsbesuch bedankte sich ein Arbeitnehmer ausdrücklich bei der Arbeitsinspektorin, da beim Ausbau der alten Tore auch Mängel an der die Tore umgebenden Mauer entdeckt wurden, die im Zuge des Umbaus saniert werden konnten. Wahrscheinlich hätten die umgebenden Mauern auf Grund dieser Mängel einem Brand gar nicht standgehalten und die Tore hätten nichts genutzt sondern wären einfach umgefallen.

Juli 2017 - psychische Belastungen

Nach der Beratung der Arbeitsinspektion, sowie der AUVA, überlegte der Betrieb die weitere Vorgangsweise in einer Steuergruppe. Ein abteilungsweises Vorgehen entsprechend den „Hot Spots“ der MitarbeiterInnenbefragung war beschlossen, dort wo sich in der MA-Befragung schon schlechtere Werte zeigten, wurde begonnen herauszufinden, ob es dort auch  Arbeitsbedingungen gibt, die gefährlich für die Gesundheit der Beschäftigten sind. Die MitarbeiterInnen wurden informiert, um was es bei der Evaluierung (auch im Gegensatz zur letzten MitarbeiterInnenbefragung) geht. Erwähnenswert ist auch, dass die Produktion sogar unterbrochen wurde, damit für jede Schicht ein Einführungsvortrag gehalten werden konnte.

Belastungen wurden konkret ermittelt und Vorschläge der MitarbeiterInnen zur Verbesserung in ABS-Gruppen (Messverfahren der AUVA) moderiert von der Arbeitsmedizinerin erarbeitet. Aufbauend auf den konkreten Benennungen, was die Arbeit so stört, unterbricht, nervt, dass es auf lange Sicht gesundheitsschädlich ist und den Vorschlägen der MitarbeiterInnen zur Verbesserung wurden Maßnahmen gemeinsam mit den Führungskräften festgelegt.

In Summe wurden so relativ einfach umzusetzende Maßnahmen erarbeitet, die in Summe ein gesünderes Arbeiten mit weniger Stress ermöglichen, z.B.:

  • Pieps Geräusche bei den Messmaschinen wurden deaktiviert (immer wenn es piepste mussten MitarbeiterInnen aufstehen und nachsehen ob es eine Störung ist, oder nur ein Pieps, der keinen Einfluss auf die Produktion hat). Nun piepst es nur noch, wenn die Maschine eine Störung hat, und somit wird die eigentliche Arbeit der MitarbeiterInnen nicht mehr ständig unterbrochen und die akustische Störung durch das häufige Piepsen fiel ebenso weg.
  • Durch eine Umgestaltung des Messraums wurden die Wege zu den Maschinen verkürzt.
  • Die Ordnungssysteme im Werkzeugbau wurden einfach(er) strukturiert.
  • Eine Maschine hatte kaum mehr Kapazitäten frei, es kam immer wieder zu Wartezeiten und damit zu Stress für die Mitarbeitenden. Hier wurde erst an eine neue Maschine gedacht, dann schlug die Sicherheitsfachkraft vor, die Tätigkeiten an der Maschine zu analysieren und es stellte sich heraus, dass nicht mehr alle Arbeitsvorgänge notwendig waren und eingespart werden konnten. Nach einem mehrmonatigen Testlauf konnten 30% neue Kapazitäten und damit kein „Stau“ mehr geschaffen werden.
  • Es stellte sich heraus, dass immer wieder Qualitätsmanager in der Nacht während der Bereitschaft angerufen werden mussten, ob ein bestimmtes Produkt noch in Ordnung ist oder nicht mehr. Um die nächtlichen Störungen zu reduzieren und die Produktion nicht unnötig lange anzuhalten, wurde nach und nach eine Musterkollektion an Produkten, die OK oder Nicht-OK sind angelegt. Damit können nun die MitarbeiterInnen vor Ort bestimmte Fälle selbst entscheiden. Die Anzahl der Störungen der Nachtruhe und auch die damit verbundenen Produktionsstopps konnten beachtlich reduziert werden.
  • Die Tischhöhen wurden ergonomisch an die MitarbeiterInnen angepasst, es wurden zusätzliche Leuchten montiert und die Klimaanlage instandgesetzt.

Juni 2017 - Dachbaustelle

Am 15.3.2017 kam eine Beschwerde durch einen anonymen Anrufer ins Amt.
Bereits am 16.3.2017 führten wir eine Erhebung vor Ort durch. An der Dachbaustelle waren 2 Personen und ein Selbständiger tätig.

Die Absturzhöhe betrug ca. 3,5 bis 4m plus Standplatzhöhe, also kann man von einer Gesamthöhe von ca. 5,5 – 6 m ausgehen. Die Arbeiten wurden aufgrund unserer Intervention eingestellt und es wurde die Behebung der Probleme zugesichert. Konkret die Zusicherung eines Fanggerüstes mit PSA da über 45° Dachschräge. Die Fotos als Beweis wollte der Polier an uns schicken. Am nächsten Morgen gelangten die Foto vom Vortag tatsächlich bei uns ein und zeigen die Behebung der Probleme. Im Strafantrag (wird gestellt werden) wird das schnelle Reagieren mildernd gewertet, werden.

Somit kann man von einer unmittelbaren Unfallverhinderung sprechen, die bei dieser Höhe auch tödlich enden kann. Warum? Diese Höhe reicht gerade aus, dass sich der menschliche Körper im Fall zu drehen beginnt und die Wahrscheinlichkeit, dass die Person mit dem Kopf aufschlägt ist sehr groß.

Fotos vorher und nachher.

 vorher: gefährliche Dacharbeiten ohne Fangschutznachher: Dacharbeiten mit Fangschutz

Mai 2017 – Faire Erfassung der Arbeitszeiten

Fall 1

Die Arbeitsinspektion stellte in einem Betrieb fest, dass die Arbeitszeiten so erfasst wurden, dass sie – stets zu Ungunsten der ArbeitnehmerInnen – auf- bzw. abgerundet wurden. Obwohl sich die Arbeitgeberin dadurch oft gar nicht viel „ersparte“, führte diese Vorgangsweise zu erheblicher Unzufriedenheit unter den ArbeitnehmerInnen.

Die Arbeitsinspektion konnte durch ihre beratende Tätigkeit erreichen, dass diese Praxis abgestellt wurde. Nunmehr werden die Arbeitszeiten korrekt erfasst, wodurch sich auch das Arbeitsklima im Betrieb deutlich verbessert hat.

Fall 2

Beim Betriebsbesuch eines Wohnhauses für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wurde festgestellt, dass die Nachtdienststunden zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr nicht als Arbeitszeiten aufgezeichnet wurden und auch nicht als Arbeitszeiten gerechnet wurden; mit dem Argument, dass diese Zeiten Bereitschaftszeiten seien und nicht voll bezahlt wurden. Nach der Aufforderung den gesetzlichen Zustand herzustellen hat der Betrieb gemeldet, dass nunmehr die Zeiten der Nachtbereitschaft als Arbeitszeit gerechnet würden. Ca. 5 Jahre später lernte ich eine Mitarbeiterin im privaten Rahmen (wieder) kennen. Sie sagte zu mir: "Ich weiß genau wer du bist; wegen dir haben wir Gott sei Dank – damals zwei Mitarbeiterinnen mehr bekommen. – DANKE" Und das bei einem MitarbeiterInnenstand von um die 6 Personen.

April 2017 – Weniger ist oft mehr!

Ein Anruf genügt – und manchmal kann das Leben von ArbeitnehmerInnen leichter gemacht werden. Wie konkret kann man sich das vorstellen? Eine Firma wollte allen ihren Reinigungskräften Sicherheitsdatenblätter zu allen Reinigungsmitteln mit auf den Weg geben – schließlich gehören ArbeitnehmerInnen doch über die Gefahren von Arbeitsstoffen informiert. In einem klärenden Gespräch mit dem Arbeitsinspektorat kam der Aha-Effekt: es war nicht gefordert, dass alle ArbeitnehmerInnen möglichst viel Informationen erhalten, sondern dass Informationen möglichst verständlich sind und dass grundlegende Gefahren und – ebenso wichtig – die Möglichkeit sich davor zu schützen, kommuniziert werden.

Das Ergebnis dieses Informationsgesprächs ist beeindruckend: es konnten auf einer A4-Seite mit Bildern und etwas Text alle Gefahren und alle Schutzmaßnahmen (Tragen von Handschuhen, Verwendung von und Umgang mit Reinigungsmitteln, aber auch ergonomische Fragen) übersichtlich und gut verständlich dargestellt werden. Ebenso wurden im Zuge der Arbeitsstoffevaluierung viele Reinigungsmittel durch weniger gefährliche ersetzt. Was haben nun die ArbeitnehmerInnen davon? Nicht nur verwenden sie weniger gefährliche Arbeitsstoffe, sondern es genügt ein A4-Zettel für ihre schriftliche Arbeitsanweisung – anstelle möglicherweise einen dicken Ordner mit Sicherheitsdatenblättern mitnehmen zu müssen, wie der Arbeitgeber es ursprünglich wollte.

Letzte Änderung am: 29.10.2018

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