Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Erfolgsgeschichten der Arbeitsinspektion

Die Tätigkeit der Arbeitsinspektorate ist derzeit in aller Munde. Allerdings wird sie mitunter nur als angeblich "schikanöses" Beharren auf (vermeintlich) sinnlosen Vorschriften wahrgenommen. Doch was machen die ArbeitsinspektorInnen eigentlich wirklich – und was bewirken sie mit ihrer Arbeit? In dieser Rubrik wollen wir Ihnen wahre Geschichten aus dem Alltag der Arbeitsinspektorate erzählen. Im Mittelpunkt sollen nicht Zahlen und Fakten oder Vorschriften stehen, sondern was in konkreten Situationen für die ArbeitnehmerInnen erreicht werden konnte – und das bei oft nur geringem Aufwand für die ArbeitgeberInnen.

Juli 2017 - psychische Belastungen

Nach der Beratung der Arbeitsinspektion, sowie der AUVA, überlegte der Betrieb die weitere Vorgangsweise in einer Steuergruppe. Ein abteilungsweises Vorgehen entsprechend den „Hot Spots“ der MitarbeiterInnenbefragung war beschlossen, dort wo sich in der MA-Befragung schon schlechtere Werte zeigten, wurde begonnen herauszufinden, ob es dort auch  Arbeitsbedingungen gibt, die gefährlich für die Gesundheit der Beschäftigten sind. Die MitarbeiterInnen wurden informiert, um was es bei der Evaluierung (auch im Gegensatz zur letzten MitarbeiterInnenbefragung) geht. Erwähnenswert ist auch, dass die Produktion sogar unterbrochen wurde, damit für jede Schicht ein Einführungsvortrag gehalten werden konnte.

Belastungen wurden konkret ermittelt und Vorschläge der MitarbeiterInnen zur Verbesserung in ABS-Gruppen (Messverfahren der AUVA) moderiert von der Arbeitsmedizinerin erarbeitet. Aufbauend auf den konkreten Benennungen, was die Arbeit so stört, unterbricht, nervt, dass es auf lange Sicht gesundheitsschädlich ist und den Vorschlägen der MitarbeiterInnen zur Verbesserung wurden Maßnahmen gemeinsam mit den Führungskräften festgelegt.

In Summe wurden so relativ einfach umzusetzende Maßnahmen erarbeitet, die in Summe ein gesünderes Arbeiten mit weniger Stress ermöglichen, z.B.:

  • Pieps Geräusche bei den Messmaschinen wurden deaktiviert (immer wenn es piepste mussten MitarbeiterInnen aufstehen und nachsehen ob es eine Störung ist, oder nur ein Pieps, der keinen Einfluss auf die Produktion hat). Nun piepst es nur noch, wenn die Maschine eine Störung hat, und somit wird die eigentliche Arbeit der MitarbeiterInnen nicht mehr ständig unterbrochen und die akustische Störung durch das häufige Piepsen fiel ebenso weg.
  • Durch eine Umgestaltung des Messraums wurden die Wege zu den Maschinen verkürzt.
  • Die Ordnungssysteme im Werkzeugbau wurden einfach(er) strukturiert.
  • Eine Maschine hatte kaum mehr Kapazitäten frei, es kam immer wieder zu Wartezeiten und damit zu Stress für die Mitarbeitenden. Hier wurde erst an eine neue Maschine gedacht, dann schlug die Sicherheitsfachkraft vor, die Tätigkeiten an der Maschine zu analysieren und es stellte sich heraus, dass nicht mehr alle Arbeitsvorgänge notwendig waren und eingespart werden konnten. Nach einem mehrmonatigen Testlauf konnten 30% neue Kapazitäten und damit kein „Stau“ mehr geschaffen werden.
  • Es stellte sich heraus, dass immer wieder Qualitätsmanager in der Nacht während der Bereitschaft angerufen werden mussten, ob ein bestimmtes Produkt noch in Ordnung ist oder nicht mehr. Um die nächtlichen Störungen zu reduzieren und die Produktion nicht unnötig lange anzuhalten, wurde nach und nach eine Musterkollektion an Produkten, die OK oder Nicht-OK sind angelegt. Damit können nun die MitarbeiterInnen vor Ort bestimmte Fälle selbst entscheiden. Die Anzahl der Störungen der Nachtruhe und auch die damit verbundenen Produktionsstopps konnten beachtlich reduziert werden.
  • Die Tischhöhen wurden ergonomisch an die MitarbeiterInnen angepasst, es wurden zusätzliche Leutchen montiert und die Klimaanlage instandgesetzt.

Juni 2017 - Dachbaustelle

Am 15.3.2017 kam eine Beschwerde durch einen anonymen Anrufer ins Amt.
Bereits am 16.3.2017 führten wir eine Erhebung vor Ort durch. An der Dachbaustelle waren 2 Personen und ein Selbständiger tätig.

Die Absturzhöhe betrug ca. 3,5 bis 4m plus Standplatzhöhe, also kann man von einer Gesamthöhe von ca. 5,5 – 6 m ausgehen. Die Arbeiten wurden aufgrund unserer Intervention eingestellt und es wurde die Behebung der Probleme zugesichert. Konkret die Zusicherung eines Fanggerüstes mit PSA da über 45° Dachschräge. Die Fotos als Beweis wollte der Polier an uns schicken. Am nächsten Morgen gelangten die Foto vom Vortag tatsächlich bei uns ein und zeigen die Behebung der Probleme. Im Strafantrag (wird gestellt werden) wird das schnelle Reagieren mildernd gewertet, werden.

Somit kann man von einer unmittelbaren Unfallverhinderung sprechen, die bei dieser Höhe auch tödlich enden kann. Warum? Diese Höhe reicht gerade aus, dass sich der menschliche Körper im Fall zu drehen beginnt und die Wahrscheinlichkeit, dass die Person mit dem Kopf aufschlägt ist sehr groß.

Fotos vorher und nachher.

 

Mai 2017 – Faire Erfassung der Arbeitszeiten

Fall 1

Die Arbeitsinspektion stellte in einem Betrieb fest, dass die Arbeitszeiten so erfasst wurden, dass sie – stets zu Ungunsten der ArbeitnehmerInnen – auf- bzw. abgerundet wurden. Obwohl sich die Arbeitgeberin dadurch oft gar nicht viel „ersparte“, führte diese Vorgangsweise zu erheblicher Unzufriedenheit unter den ArbeitnehmerInnen.

Die Arbeitsinspektion konnte durch ihre beratende Tätigkeit erreichen, dass diese Praxis abgestellt wurde. Nunmehr werden die Arbeitszeiten korrekt erfasst, wodurch sich auch das Arbeitsklima im Betrieb deutlich verbessert hat.

Fall 2

Beim Betriebsbesuch eines Wohnhauses für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wurde festgestellt, dass die Nachtdienststunden zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr nicht als Arbeitszeiten aufgezeichnet wurden und auch nicht als Arbeitszeiten gerechnet wurden; mit dem Argument, dass diese Zeiten Bereitschaftszeiten seien und nicht voll bezahlt wurden. Nach der Aufforderung den gesetzlichen Zustand herzustellen hat der Betrieb gemeldet, dass nunmehr die Zeiten der Nachtbereitschaft als Arbeitszeit gerechnet würden. Ca. 5 Jahre später lernte ich eine Mitarbeiterin im privaten Rahmen (wieder) kennen. Sie sagte zu mir: "Ich weiß genau wer du bist; wegen dir haben wir Gott sei Dank – damals zwei Mitarbeiterinnen mehr bekommen. – DANKE" Und das bei einem MitarbeiterInnenstand von um die 6 Personen.

April 2017 – Weniger ist oft mehr!

Ein Anruf genügt – und manchmal kann das Leben von ArbeitnehmerInnen leichter gemacht werden. Wie konkret kann man sich das vorstellen? Eine Firma wollte allen ihren Reinigungskräften Sicherheitsdatenblätter zu allen Reinigungsmitteln mit auf den Weg geben – schließlich gehören ArbeitnehmerInnen doch über die Gefahren von Arbeitsstoffen informiert. In einem klärenden Gespräch mit dem Arbeitsinspektorat kam der Aha-Effekt: es war nicht gefordert, dass alle ArbeitnehmerInnen möglichst viel Informationen erhalten, sondern dass Informationen möglichst verständlich sind und dass grundlegende Gefahren und – ebenso wichtig – die Möglichkeit sich davor zu schützen, kommuniziert werden.

Das Ergebnis dieses Informationsgesprächs ist beeindruckend: es konnten auf einer A4-Seite mit Bildern und etwas Text alle Gefahren und alle Schutzmaßnahmen (Tragen von Handschuhen, Verwendung von und Umgang mit Reinigungsmitteln, aber auch ergonomische Fragen) übersichtlich und gut verständlich dargestellt werden. Ebenso wurden im Zuge der Arbeitsstoffevaluierung viele Reinigungsmittel durch weniger gefährliche ersetzt. Was haben nun die ArbeitnehmerInnen davon? Nicht nur verwenden sie weniger gefährliche Arbeitsstoffe, sondern es genügt ein A4-Zettel für ihre schriftliche Arbeitsanweisung – anstelle möglicherweise einen dicken Ordner mit Sicherheitsdatenblättern mitnehmen zu müssen, wie der Arbeitgeber es ursprünglich wollte.

Letzte Änderung am: 29.06.2017

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