Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Häufig gestellte Fragen zur VGÜ 2014

Was ist die Aufgabe der ArbeitgeberInnen bei der Ermittlung und Beurteilung im Sinne der VGÜ 2014?

ArbeitgeberInnen haben auf Grundlage der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren einschließlich der Ergebnisse von Messungen und Bewertungen und in den Fällen des § 49 Abs. 1 ASchG unter der Voraussetzung, dass die Gefahr des Entstehens einer Berufskrankheit besteht, festzulegen, ob eine Untersuchung im Sinne dieser Verordnung für einen bestimmten Arbeitsbereich, Arbeitsplatz oder einen bestimmten Arbeitsvorgang erforderlich ist (§ 6a Abs. 1 VGÜ 2014). ArbeitgeberInnen sollten vor der Entscheidung, ob eine Eignungs- oder Folgeuntersuchung durchzuführen ist, die Beratung und Unterstützung durch die Präventivfachkräfte, insbesondere durch den/die ArbeitsmedizinerIn, in Anspruch nehmen (§ 81 Abs. 3 Z 9 und 10 ASchG). ArbeitgeberInnen müssen auch die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren und die Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente hinsichtlich aller Arbeitsbereiche, für welche VGÜ-Untersuchungen in Betracht kommen, überprüfen und anpassen (§ 6a Abs. 1 VGÜ 2014).

Welche Aufgaben haben die ArbeitgeberInnen gegenüber den untersuchenden ArbeitsmedizinerInnen?

ArbeitgeberInnen müssen den untersuchenden Ärztinnen/Ärzten Zugang zu den Arbeitsplätzen der zu untersuchenden ArbeitnehmerInnen gewähren und alle erforderlichen Informationen über die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Dem/der untersuchenden Arzt/Ärztin ist Einsicht in das gemäß § 6a Abs. 1 VGÜ 2014 angepasste Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument zu gewähren.

Wann ist die Ermittlung und Beurteilung durch die ArbeitgeberInnen anzupassen und zu überprüfen?

Bei Feststellung einer Gesundheitsbeeinträchtigung, die nach Auffassung des/der untersuchenden ArbeitsmedizinerIn auf Einwirkungen am Arbeitsplatz zurückzuführen ist, ist die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren für den betreffenden Arbeitsbereich zu überprüfen. Dies ist jedenfalls erforderlich, wenn die Beurteilung der gesundheitlichen Eignung gemäß § 52 ASchG auf „nicht geeignet" oder „geeignet mit Verkürzung des Zeitabstandes bis zur Folgeuntersuchung" lautet, aber auch, wenn eine solche Gesundheitsbeeinträchtigung im Zuge einer sonstigen besonderen Untersuchung nach § 51 ASchG festgestellt wird, da gemäß § 4 Abs. 5 Z 2 und Z 3 ASchG eine Überprüfung und Anpassung der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren sowie der Festlegung von Schutzmaßnahmen auch bei Auftreten von Erkrankungen oder sonstigen Umständen, die auf eine Gefahr für die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen schließen lassen, erforderlich ist.

Was sind die Aufgaben der untersuchenden ArbeitsmedizinerIn bei der Ermittlung und Beurteilung im Sinne der VGÜ 2014?

Untersuchungen im Sinne der VGÜ sind vorrangig von gemäß § 79 ASchG bestellten ArbeitsmedizinerInnen, also jenen, die den Betrieb betreuen, durchzuführen.
Die untersuchenden ArbeitsmedizinerInnen haben sich Kenntnis von den konkreten Arbeitsbedingungen des/der zu untersuchenden Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin zu verschaffen. Dies kann durch Besichtigung des jeweiligen Arbeitsplatzes und/oder durch Einholung der zur Beurteilung und Beratung erforderlichen Informationen über den Arbeitsplatz erfolgen.
Dem/der untersuchenden Arzt/Ärztin ist Einsicht in das gemäß § 6a Abs. 1 angepasste Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument zu gewähren.
Personenbezogene Befunddaten unterliegen der Verschwiegenheitspflicht gem. § 54 Ärztegesetz und dürfen deshalb den ArbeitgeberInnen nicht mitgeteilt werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind den Beschäftigten durch die ermächtigten ArbeitsmedizinerInnen auf Verlangen zu erläutern.

Wie verhält es sich mit bereits vor dem Inkrafttreten der VGÜ 2014 festgelegten Untersuchungsintervallen?

Der Geltungsbeginn der neuen Untersuchungszeitabstände nach Anlage 1 der VGÜ 2014 ist grundsätzlich der 1. März 2014 (in Kraft treten der VGÜ-Novelle), weil keine Übergangsregelung vorgesehen ist. In jedem Fall müssen bei nunmehr auf Grundlage der VGÜ 2014 vorgenommenen Untersuchungen die nun geltenden Intervalle laut Anlage 1 für Folgeuntersuchungen zugrunde gelegt werden. Mit den Ärzten und Ärztinnen der Arbeitsinspektionsärztlichen Dienste und der AUVA wurde bereits vor in Kraft treten der VGÜ-Neuregelungen vereinbart, dass - wie bereits anlässlich der VGÜ-Novelle 2008 - die neuen Untersuchungsabstände erst für Untersuchungen gelten sollen, die nach dem 1. März 2014 (neu) durchgeführt werden. Damit ist auch eine Übergangszeit für die untersuchenden Ärzte und Ärztinnen und Betriebe möglich.
Beispiel einer Untersuchung wegen Toluolexposition:
Letzte Untersuchungen 1.2.14 (Blut und Harn), wann ist der nächste Untersuchungstermin erforderlich, was sind dann die Inhalte der Untersuchung? Es kann der bereits geplante Termin nach dem Intervall der VGÜ 2008, d.h. nach 6 Monaten, wahrgenommen werden, daher ist der nächste Termin der 1.8.2014. Der Untersuchungsumfang entspricht der VGÜ 2014, daher ist sowohl eine Blut- als auch Harnuntersuchung durchzuführen. Ab dem 1.8.2014 gilt dann das einjährige neue Intervall.

Können ArbeitsmedizinerInnen Intervalle verkürzen, wenn sie der Meinung sind die Intervalle wären aus arbeitsmedizinischer Sicht zu lang?

ArbeitsmedizinerInnen können das nicht alleine entscheiden, da prinzipiell für Eignungs- und Folgeuntersuchungen die Intervalle der Anlage 1 zur VGÜ 2014 gelten. Eine Intervallverkürzung ist nur im Einzelfall (z.B. erhöhtes Expositionsrisiko aufgrund eines notwendigen Arbeitsverfahrens) und nur mit Bescheid des/der Arbeitsinspektionsarztes/-ärztin gemäß § 53 Abs. 6 ASchG mit einer entsprechenden Begründung möglich.

Warum ist das durchschnittliche tägliche Expositionsausmaß von maximal der Hälfte des MAK-Werts (als Tagesmittelwert) für die Untersuchungspflicht relevant?

Der halbe MAK-Wert ist eine Kenngröße, die im Betrieb regelmäßig erhoben werden muss, weil sie gemäß der Grenzwerteverordnung (GKV 2011) über das Messintervall von Kontrollmessungen entscheidet. Der halbe MAK-Wert entspricht wegen der zulässigen Kurzzeitbelastungen der 1-Stunden-Regel. In wenigen Fällen sehr hoher (rechtlich zulässiger) Kurzzeit-Expositionen können im Gegensatz zur VGÜ 2008 Untersuchungen auch bei 1-stündiger oder kürzerer Exposition angebracht sein, falls durch die hohe Kurzzeitexposition das tägliche Expositionsausmaß die Hälfte des MAK-Wertes übersteigen sollte.

Können mit „H" gekennzeichnete Stoffe (hautresorptiv) auf Grund einer Bewertung von der Untersuchungspflicht ausgenommen werden?

Mit "H" gekennzeichnete Arbeitsstoffe sind solche, die die äußere Haut leicht zu durchdringen vermögen und bei deren Verwendung die Gefahr der Aufnahme durch die Haut daher wesentlich größer sein kann als durch Einatmung.
Die Bewertungen gem. § 2 Abs. 5 VGÜ 2014 beziehen sich auf die Konzentration in der Atemluft und auf MAK-und TRK-Werte und diese sind für hautresorptive Arbeitsstoffe nicht relevant.

Was ist eine repräsentative Messung?

Gemäß § 2 Abs. 3 Z 2, Abs. 4 Z 2 und Abs. 5 der VGÜ 2014 erfordert die Anwendung der Ausnahmekriterien „durchschnittliches tägliches Expositionsausmaß maximal der Hälfte des MAK-Werts (als Tagesmittelwert)" bzw. „durchschnittliches tägliches Expositionsausmaß maximal 1/20 des TRK-Werts (als Tagesmittelwert)" die Durchführung von repräsentativen Messungen oder Bewertungen nach dem Stand der Technik für die betroffenen Arbeitsplätze/Arbeitsbereiche.
Die Ergebnisse von Messungen oder Bewertungen müssen für die Exposition der ArbeitnehmerInnen bezogen auf den jeweiligen Arbeitsplatz/Arbeitsbereich und den dort vorliegenden Bedingungen repräsentativ sein (§ 46 ASchG, § 28 f GKV 2011). Sowohl Messungen als auch Bewertungen (§ 2 Abs. 5 VGÜ 2014) sind von fachkundigen Personen nach Stand der Technik durchzuführen und sie sind eindeutig und nachvollziehbar zu dokumentieren (§ 31 GKV).

Ergibt sich eine Verpflichtung zu repräsentativen Messungen für den/die ArbeitgeberIn aus der VGÜ 2014?

Aus der VGÜ 2014 ergibt sich keine Verpflichtung für Messungen, diese ergibt sich jedoch aus der GKV 2011.
Wenn kein repräsentatives Messergebnis oder keine entsprechende Bewertung vorliegt, entfallen die durch das Kriterium des „durchschnittlichen täglichen Expositionsausmaßes von maximal der Hälfte des MAK-Werts" bzw. des „durchschnittlich täglichen Expositionsausmaßes von maximal 1/20 des TRK-Werts (als Tagesmittelwert)" geschaffenen Ausnahmen. In diesen Fällen ist hinsichtlich des Arbeitsbereiches/des Arbeitsplatzes oder des Arbeitsvorganges zu ermitteln und zu beurteilen (§ 4 und § 41 ASchG), ob die Gefahr des Entstehens einer Berufskrankheit besteht und für einen bestimmten Arbeitsbereich, Arbeitsplatz oder einen bestimmten Arbeitsvorgang eine verpflichtende Gesundheitsüberwachung erforderlich ist.

Was sind Referenzwerte der jeweiligen Arbeitsstoffe für Erwachsene?

Biologische Arbeitsstoff-Referenzwerte (BAR) beschreiben die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Referenzpopulation aus nicht beruflich gegenüber dem Arbeitsstoff exponierten Personen im erwerbsfähigen Alter bestehende Hintergrundbelastung mit diesem Arbeitsstoff.
Der BAR/Referenzwert ist ein individueller, biologischer Wert. ArbeitsmedizinerInnen können nach Vorliegen entsprechender Daten dem Betrieb rückmelden, wenn weitere Untersuchungen nach dreimaliger Unterschreitung eines Referenzwertes für eine/n bestimmte/n ArbeitnehmerIn nicht mehr erforderlich sind.
Krebserzeugende Stoffe für die derzeit BAR Werte zur Verfügung stehen, die gemäß den Bestimmungen der VGÜ für die Beurteilung der Notwendigkeit ärztlicher Untersuchungen relevant sind, gibt es für Arsen, Cadmium, Chrom und Nickel.
Informationen zu derzeit geltenden BAR-Werten finden Sie unter Referenzwerte und Leitlinien.

Entfällt die Hartmetall-Untersuchung, und damit das Lungenröntgen, bei nachweislicher Cobalt-Exposition?

Eine Untersuchung auf Einwirkung von Hartmetallstaub (incl. Lungenröntgen) entfällt, wenn die Ermittlung und Beurteilung der Untersuchungspflicht ergibt, dass eine Untersuchung auf Einwirkung von Cobalt erforderlich ist.

Was untersuche ich bei Schweißrauchexponierten, wenn die Ermittlung und Beurteilung ergibt, dass auch eine Exposition gegenüber Nickel bzw. Chrom besteht?

Bei der Eignungsuntersuchung soll neben der Untersuchung wegen Einwirkung von Nickel bzw. Chrom auch die Schweißrauchuntersuchung (incl. Lungenröntgen) durchgeführt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt noch unklar ist, ob NUR eine Schweißrauchexposition (ohne Nickel, Chrom) oder NUR eine Nickel-, Chrom-Exposition (ohne Schweißrauch allgemein) gegeben sein wird. Wenn die Ermittlung und Beurteilung für einen bestimmten Arbeitsbereich, Arbeitsplatz oder einen bestimmten Arbeitsvorgang ergibt, dass alle drei angeführten Expositionen möglich sein werden, ist bei der Eignungsuntersuchung hinsichtlich aller möglichen Expositionen zu untersuchen (d.h. Schweißrauch und Chrom, Nickel). Dies soll auch in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumenten klar ersichtlich und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Bei den Folgeuntersuchungen ist bei gleichzeitiger Exposition dann nur auf Chrom, Nickel zu untersuchen, weil dann der Umfang der Schweißrauchuntersuchung in die Nickel, Chrom-Untersuchung integriert ist.

Letzte Änderung am: 03.02.2016