Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Gute Beratung - Faire Kontrolle

Gesundheit im Betrieb

Der Schutz der Beschäftigten vor arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und daraus resultierenden Berufskrankheiten oder arbeitsbedingten Erkrankungen ist ein wichtiger Inhalt bei der Ermittlung, Beurteilung und Festlegung von Maßnahmen im Betrieb.

Die regelmäßige Gesundheitsüberwachung der Beschäftigten bei bestimmten Einwirkungen und Tätigkeiten ist eine gesetzliche Verpflichtung. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in die Ermittlung und Beurteilung von Gesundheitsgefahren zu integrieren.

ArbeitsmedizinerInnen beraten ArbeitgeberInnen, Belegschaftsvertretung und ArbeitnehmerInnen in allen Angelegenheiten des Gesundheitsschutzes, der auf die Arbeitsbedingungen bezogenen Gesundheitsförderung und der menschengerechten Arbeitsplatzgestaltung.

ArbeitgeberInnen können erforderlichenfalls weitere geeignete Fachleute, insbesondere ArbeitspsychologInnen, hinzuziehen und deren Tätigkeit erforderlichenfalls bis zu 25 % in die Präventionszeit einrechnen. Voraussetzung dafür ist, dass

  • eine Gefährdungs- und Belastungssituation besteht
  • ein Anlassfall gegeben ist
  • die Fachkompetenz der ArbeitsmedizinerInnen oder Sicherheitsfachkräfte nicht ausreicht
  • die hinzugezogenen Fachleute über die erforderliche Qualifikation verfügen

Gesundheit hat mehrere Dimensionen

Verschiedene Gesundheitsbegriffe haben im Lauf der letzten Jahrzehnte auf die Mehrdimensionalität von Gesundheit im Sinne eines nicht nur körperlichen, sondern auch eines psychischen und sozialen Wohlbefindens hingewiesen.

In ihrer Erklärung von 1946 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als einen "Zustand vollkommenen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen".

1987 folgte eine neue Definition, nämlich "Gesundheit ist die Fähigkeit und Motivation, ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen".

Im Jahre 2002 beschreibt der Sozialwissenschaftler Badura Gesundheit dermaßen:

"Gesundheit ist Voraussetzung und Ergebnis einer kontinuierlichen Auseinandersetzung des Menschen mit Bedingungen und Herausforderungen in Familie, Schule, Arbeitswelt und Freizeit. ... Am überzeugendsten erscheint eine Vorstellung von Gesundheit als Kompetenz oder Befähigung zu einer aktiven Lebensbewältigung, eine Fähigkeit zur Problemlösung und Gefühlsregulierung, durch die ein positives seelisches und körperliches Befinden und ein unterstützendes Netzwerk sozialer Beziehungen erhalten oder wiederhergestellt wird."

Die Arbeitswelt gehört zu den wichtigsten Lebensbereichen des Menschen, sie kann sehr entscheidend zur persönlichen Entfaltung und damit zur Gesundheit oder Krankheit beitragen.

Arbeitsbedingte psychosoziale Belastungen, gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung und die Schaffung einer alter(n)sgerechten Arbeitswelt, das sind heute wichtige Themen im betrieblichen Gesundheitsschutz.

Arbeitsbedingt erforderlicher Impfschutz

Bestimmte berufliche Tätigkeiten können mit einer besonderen Gefahrenexposition verbunden sein und für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein arbeitsbedingtes Risiko z.B. von Infektionskrankheiten mit sich bringen - etwa im Gesundheits- und Pflegebereich, bei der Kinderbetreuung, bei Spezialreinigungen oder in der Abfallwirtschaft. Meist sind Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B zielführend.

Ob die konkrete Tätigkeit tatsächlich ein arbeitsbedingtes Infektionsrisiko mit sich bringt und ein geeigneter Impfstoff zur Verfügung gestellt werden muss ist, wie alle anderen Risken am Arbeitsplatz, vorweg im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung nach § 4 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz - ASchG zu klären (Ermittlung und Beurteilung der Gefahren am Arbeitsplatz, Festlegung von Schutzmaßnahmen). Vorrangig müssen Arbeitsbedingungen aber so verbessert werden, dass ein Infektionsrisiko überhaupt ausgeschlossen wird und eine Impfung gar nicht erst erforderlich ist (Grundsätze der Gefahrenverhütung). Ist dies nicht möglich und ergibt die Evaluierung, dass durch eine arbeitsbedingt notwendige Impfung ein Schutz der Beschäftigten erreicht werden kann und die Impfrisiken minimal sind, sind die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber verpflichtet, diese Impfungen anzubieten und die Kosten dafür zu tragen, soweit nicht seitens des Sozialversicherungsträgers die Kosten übernommen werden. (§§ 4 und 5 ASchG, DOK-VO, § 7 ASchG, § 43 Abs. 4 ASchG)

Bei Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen gilt § 5 Abs. 4 der Verordnung biologische Arbeitsstoffe (VbA): Ergibt die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren, dass ein Risiko für die Sicherheit oder Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Grund der Exposition gegenüber biologischen Arbeitsstoffen besteht, gegen die es wirksame Impfstoffe gibt, müssen Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber den betreffenden Beschäftigten die Impfung anbieten und sicherstellen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Vor- und Nachteile der Impfung und der Nichtimpfung informiert werden. (§ 5 VbA, § 12 VbA)

Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer können nicht gezwungen werden, sich einer Impfung zu unterziehen. Sollten Beschäftigte die Impfung verweigern darf die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber die betreffenden Personen aber nicht mehr mit den vorgesehenen Tätigkeiten weiterbeschäftigen. Das ist auch eine arbeitsrechtliche Frage, die den Versetzungsschutz berührt. Zum Arbeitnehmereinsatz ist generell auch § 6 ASchG zu beachten: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen bei der Übertragung von Aufgaben an Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer deren Eignung in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit berücksichtigen, dabei ist insbesondere auf Konstitution und Körperkräfte, Alter und Qualifikation Rücksicht zu nehmen.

Von arbeitsbedingt erforderlichen Impfungen nach ASchG zu unterscheiden sind Impfverpflichtungen etwa auf landesrechtlicher Ebene zum Krankenanstalten-Hygienerecht (zB. verpflichtende Impfungen des Gesundheitspersonals in Krankenanstalten), welche den Schutz der Patientinnen/Patienten und die Einhaltung von Hygienestandards zum Ziel haben, nicht vorrangig den Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz. Hier können strengere Impfvorgaben bestehen, die über den Arbeitsschutz hinausgehen.

Leitlinie "Epilepsie am Arbeitsplatz"

Die Leitlinie "Epilepsie am Arbeitsplatz" hat das Ziel, die Eingliederung von Menschen mit Epilepsie am Arbeitsmarkt zu verbessern.

Die Leitlinie soll Ärztinnen/Ärzten, Beraterinnen/Beratern und anderen Fachkräften eine individuelle Beurteilung unter Berücksichtigung der Art und des Schweregrades der Epilepsie, der Arbeitsfähigkeit und die Risikoabschätzung von Tätigkeiten erleichtern.

Die Leitlinie wurde von VertreterInnen der Österreichischen Gesellschaft für Epileptologie, des Bundessozialamts, der Ärztekammer, der AUVA, des Arbeitsinspektorats, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer, des ÖGB, des AMS und der Epilepsie & Arbeit gemeinnützige Beratungs und Entwicklungs GmbH sowie der Epilepsie Interessensgemeinschaft erarbeitet.

Letzte Änderung am: 03.12.2019