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Biologische Arbeitsstoffe

Biologische Arbeitsstoffe können einzellige oder mehrzellige Organismen sein.

Man unterscheidet

  1. Bakterien (z.B. Staphylokokken, Streptokokken, Tuberkulose-Erreger
  2. Prionen (z.B.Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)
  3. Viren (z.B. Hepatitisviren, Herpesviren)
  4. Humanendoparasiten (z.B. Band- und Spulwürmer, Malaria-Erreger)
  5. Pilze (z.B. Schimmelpilze)

Keine biologischen Arbeitsstoffe sind Tiere (ausgenommen Endoparasiten) und Pflanzen, organische Stäube (Holzstäube, Futtermittelstäube), Ektoparasiten, wie Milben und Zecken, freie Nukleinsäuren und Plasmide (Bestandteile von Zellen), Stoffwechselprodukte sowie sonstige Produkte pflanzlichen oder tierischen Ursprungs (Tierhaare, Federn, Lebensmittel und -bestandteile).

Warum sind biologische Arbeitsstoffe gefährlich?

Von Mikroorganismen (auch genetisch veränderten), Zellkulturen, Viren, Sporen und unkonventionellen Agenzien (Prionen) können Infektionskrankheiten, Allergien oder toxische (giftige) Wirkungen hervorgerufen werden.

Aufgrund des Infektionsrisikos werden 4 Risikogruppen unterschieden:

  • Stoffe der Risikogruppe 1: rufen im allgemeinen beim Menschen keine Krankheiten hervor
    Beispiele: Methanbakterien, Bifidobakterien in der Molkerei, Essigsäurebakterien.
  • Stoffe der Risikogruppe 2: können beim Menschen Krankheiten hervorrufen und eine Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen.
    Beispiele: Legionellen, Tetanuserreger, Polioviren
  • Stoffe der Risikogruppe 3: können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen und eine ernste Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen.
    Beispiele: Milzbranderreger, Tuberkuloseerreger, AIDS-Erreger
  • Stoffe der Risikogruppe 4: können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen und eine ernste Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen. Die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist dabei groß, normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.
    Beispiele: Ebola-Viren, Lassa-Viren

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben im Rahmen der Evaluierung die biologischen Arbeitsstoffe entsprechend ihrem Infektionspotential den Risikogruppen zuzuordnen (§ 40 Abs. 4 ASchG). Stoffe der Risikogruppe 2 bis 4 gelten als gefährlich, Stoffe der Risikogruppe 1 gelten grundsätzlich als nicht gefährlich. Da bei der Einstufung das allergene und/oder toxische Potential der Stoffe unberücksichtigt bleibt, ist bei der Verwendung von Stoffen der Risikogruppe 1 dennoch zu prüfen, ob sie gesundheitsgefährdend sein können.

Die Aufnahme biologischer Aufnahme kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

  • über die Atemwege
  • über die Haut und Schleimhäute
  • über den Verdauungstrakt

Die Übertragung der Erreger kann über die Luft (Tröpfcheninfektion), über Kontakt mit kontaminierten Flächen oder Gegenständen (Schmierinfektion) bzw. die Aufnahme verunreinigter Nahrungsmittel erfolgen.

Wann gilt die Verordnung biologischer Arbeitsstoffe?

Die Verordnung über biologische Arbeitsstoffe ist nur anwendbar, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Stoffen oder an Einrichtungen tätig werden müssen, die biologische Arbeitsstoffe enthalten könnten.

Die Feststellung, ob eine Verwendung biologischer Arbeitsstoffe erfolgt, ist in der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren nach § 41 ASchG zu treffen.

Bei beabsichtigter Verwendung ist die Verwendung des biologischen Arbeitsstoffes der eigentliche Zweck der Tätigkeit (z.B. in Forschungslabors).

Bei unbeabsichtigter Verwendung ist der Kontakt mit den biologischen Arbeitsstoffen ein Nebeneffekt der eigentlich im Vordergrund stehenden Aufgaben (z.B. in der Abfallwirtschaft oder im Gesundheitswesen).

Aus der Feststellung, ob eine beabsichtigte oder eine unbeabsichtigte Verwendung mit biologischen Arbeitsstoffen vorliegt, leiten sich für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber unterschiedliche Maßnahmen der Gefahrenverhütung ab.

Bei der Ermittlung und Beurteilung von Gefahren sind besonders schutzbedürftige Personengruppen wie z.B.: Jugendliche oder werdende bzw. stillende Mütter zu berücksichtigen.

Weitergehende Informationen finden Sie in der Broschüre Biologische Arbeitsstoffe - Einstufung, Schutzmaßnahmen, Branchenbeispiele.

Arten biologischer Arbeitsstoffe

Mikroorganismen

Mikororganismen sind unterschiedliche Organismen, die durch ihre geringe Größe charakterisiert sind. Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit sind sie in der Lage, sich in allen Bereichen der Umwelt erfolgreich anzusiedeln. Sie produzieren etwa 75 Prozent der gesamten Biomasse der Erde und sind von großer Bedeutung für die biologischen Stoff- und Energiekreisläufe.

Trotzdem stellen Mikroorganismen auch im 21. Jahrhundert als Verursacher von Erkrankungen von Mensch, Tier und Pflanzen ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

Viren, Bakterien, Pilze und Humanendoparasiten können schwere, auch chronische Erkrankungen hervorrufen, die zum Tod führen können.

Bakterien

Bakterien sind einzellige Lebewesen mit unterschiedlicher Gestalt ohne Zellkern, Kernmembran oder Mitochondrien. Die Zellwand bestimmt die Größe und die äußere Form des Bakteriums. Im Gegensatz zu Pilzen sind Bakterien beweglich.

Das Wachstumsoptimum medizinisch bedeutsamer Bakterien liegt zwischen 18° - 45° Celsius. Minimal- bzw. Maximalbereiche reichen von 2° bzw. 50° Celsius.

Die meisten Arten bevorzugen einen pH - Wert im Neutralbereich um pH 7, Lactobazillen haben ein Optimum bei pH 5, Cholera Vibrionen bei pH 9.

Die meisten medizinisch bedeutsamen Bakterien können sowohl bei Anwesenheit als auch bei Fehlen von Luftsauerstoff wachsen (Energiegewinnung durch Atmung wie durch Gärung).

Bakterien spielen im Arbeitsschutz v.a. als Infektionserreger und Toxinproduzenten (Endo- und Exotoxine) eine wichtige Rolle.

Die Vermehrung der Bakterien erfolgt durch Querteilung. Die Generationszeit (Zeit der Verdoppelung) reicht von einigen Minuten (Clostridiumarten) bis zu etlichen Stunden (Mycobacterium tuberculosis).

Viren

Viren sind kleine infektiöse Partikel, die aus Nukleinsäuren (RNA, DNA), Proteinen (Eiweiße) und gegebenenfalls auch Lipiden (Fetten) bestehen.

Das Capsid (Proteinhülle) bestimmt die Form des Virus. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und werden durch die infizierte Wirtszelle vermehrt. Sie sind demnach intrazelluläre Schmarotzer. Viren können außerhalb der Wirtszelle nur kurz überleben und sich nicht selbstständig vermehren. Die Infektionsgefährlichkeit außerhalb einer anderen lebenden Zelle oder eines Organismus ist daher von relativ kurzer Dauer.

DNA

Die Desoxyribonukleinsäure ist eine Nukleinsäure in Form einer rechtsgängigen Doppelhelix.

Sie enthält die genetische Information für die biologische Entwicklung in Zellen und einigen Viren. Im internationalen und im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird die Desoxyribonukleinsäure mit der englischen Abkürzung DNA (desoxyribonucleic acid) bezeichnet, im deutschen Sprachraum auch mit DNS.

Parasiten

Parasiten sind Organismen (Pflanzen oder Tiere), die temporär oder dauerhaft auf Kosten anderer Lebewesen – so genannter Wirte – zur Befriedigung von Bedürfnissen (Nahrung, Fortpflanzung usw.) leben.

Sie halten sich dauernd am (Ektoparasiten) oder im (Endoparasiten) Körper des Wirtes auf und leben von dessen Körpersubstanz oder von der aufgenommenen Nahrung, ohne ihren Wirt zu töten. Der Wirtsorganismus hat keinen Nutzen von ihnen, er wird mehr oder weniger stark geschädigt. Pflanzliche Parasiten sind zum Beispiel Mistel und Sommerwurz, zu den tierischen Parasiten gehören Bandwürmer, Blutegel und Flöhe.

Parasiten, wie z.B. Würmer oder Insekten, sind die größten Krankheitserreger gegen die das Immunsystem vorgehen muss. Würmer können mikroskopisch klein, aber auch mehrere Meter lang sein.

Sie werden meistens von Tieren auf den Menschen übertragen. Infektionsquellen sind Nahrungsmittel, die mit Wurmeiern oder tierischem Kot, der Wurmeier enthält, verunreinigt sind, z.B. mit Klärschlamm gedüngtes Gemüse.

Ein anderer Übertragungsweg ist der Verzehr von infiziertem Fleisch, z.B. Schweinefleisch, das Trichinen enthält.

Endo- oder Innenparasiten leben im Inneren ihres Wirtes. Sie besiedeln Hohlräume, das Blut oder auch das Gewebe verschiedener Organe. Extrazelluläre Endoparasiten leben außerhalb von Zellen (z.B. Band- und Spulwürmer).

Intrazelluläre Endoparasiten leben vorwiegend innerhalb von Wirtszellen, sind daher aber den Mikroorganismen zuzurechnen.

Viele Endoparasiten halten sich während ihres Lebenszyklus sowohl extra- als auch intrazellulär auf.

Pilze

Pilze zählen zu den am weitesten verbreiteten Organismen der Erde.

Sie besiedeln die verschiedensten organischen oder anorganischen Substrate und sind wegen ihrer stoffwechselphysiologischen Möglichkeiten maßgeblich an der Stoffumsetzung beteiligt. Sie bilden mit 96 % den zahlenmäßig größten Anteil der biologischen Partikel in der Luft. Die medizinisch bedeutsamen Pilze (abgesehen von den Giftpilzen) sind unter den Mikromyzeten (Fruchtkörper nur mittels Lupe oder Mikroskop erkennbar).

Die Vermehrung und Ausbreitung erfolgt durch Sporen oder vegetativ durch Ausbreitung (Myzelien bzw. Mykorrhizen).

Manchen Stoffwechselprodukten (Penicillium, Saccharomyces cerevisiae, Candida kefyr und weiteren) wird heilende (Penicillin) oder zumindest gesundheitsfördernde Wirkung (in Kefyr, Bier, Wein) zugesprochen. Andere Pilze gelten als Erreger von Infektionskrankheiten (Cryptococcus, Aspergillus) oder als Verursacher von Allergien (Penicillium, Aspergillus, Cladosporium).

Cladosporium scheint in Nordeuropa der häufigste Auslöser für Schimmelpilzallergien zu sein. Seine klinische Relevanz ist ausgeprägt. Das Vorliegen einer Sensibilisierung mit Cladosporium wird mit einem höheren Risiko für akute Asthmaanfälle in Zusammenhang gebracht und scheint mit dem Schweregrad des Asthmas zu korrelieren.

Einige Pilze sind durch die Bildung von Giftstoffen (Toxinen, den sog. Mykotoxinen) wie beispielsweise Aflatoxin und Ochratoxin (durch Aspergillus und andere Gattungen) charakterisiert.

Die Einteilung der Pilze ist unterschiedlich. Das DHS-System (Dermatophyten-Hefen-Schimmelpilze) wurde für den medizinischen Bedarf aufgestellt.

Zellkulturen

Zellkulturen sind isolierte einzelne Zellen, die in Laboratorien unter bestimmten Bedingungen gezüchtet und vermehrt werden.

Sie stammen aus Pflanzen, Tieren oder Menschen und werden in der Pharmaindustrie, der Lebensmittelindustrie, als Ersatz für Tierversuche, zur Impfstoffproduktion u. ä. eingesetzt.

Zellkulturen können mit Krankheitserregern oder Toxinen des Spenderorganismus behaftet sein oder auch Allergien hervorrufen.

Unkonventionelle Agenzien

Unkonventionelle Agenzien, z.B. Prionen (kleine Eiweiße), sind jene Krankheitserreger die transmissible spongiforme Enzephalopathien, wie die Rinderseuche BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie) und ähnliche Krankheiten bei Menschen (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) oder Tieren (Scrapie bei Schafen und Ziegen) auslösen.

Bei all diesen Erkrankungen wird das Gehirn schwammartig zersetzt.

Prionen sind sehr widerstandsfähig. So widerstehen sie fast allen Desinfektionsmitteln, großer Hitze und haben sogar nach Austrocknung noch eine geringe Restinfektiosität.

Verwendungsarten biologischer Arbeitsstoffe

Unterschieden wird zwischen beabsichtigter und unbeabsichtigter Verwendung.

Im Zuge der Evaluierung ist zu ermitteln, ob eine beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung vorliegt.

Beabsichtigte Verwendung

Bei der beabsichtigten Verwendung ist das Arbeiten mit einem biologischen Arbeitsstoff der eigentliche Zweck der Tätigkeit (§ 1 Abs. 3 VbA, § 40 Abs. 4 ASchG).

Es ist bekannt, dass

  • biologische Arbeitsstoffe vorhanden sind,
  • wo sie im Arbeitsprozess vorkommen und
  • um welche Arbeitsstoffe es sich handelt.

Bereiche mit beabsichtigter Verwendung:

  • Wissenschaftliche Forschung im Bereich der Mikrobiologie, Biochemie, Medizin
  • Laboratorien, wie z.B. mikrobiologische Analyse, bakteriologisch-serologische Diagnose, Forschung
  • Lebensmittelindustrie, wie Herstellung von Joghurt oder Käse, mikrobielle Produktion von Zusatzstoffen aller Art
  • Pharmaindustrie, wie Impfstoffherstellung, Erzeugung diverser Medikamente

In die Ermittlung und Beurteilung sind folgende Kriterien aufzunehmen:

  1. Die Risikogruppe der biologischen Arbeitsstoffe
  2. Mögliche Infektionswege
  3. Die aufgrund der entstehenden Stoffwechselprodukte oder des Vorhandenseins des Organismus selbst möglichen Allergenen oder toxischen Wirkungen.
  4. Art und Häufigkeit der Tätigkeit
  5. Bereits aufgetretene Erkrankungen oder möglicherweise auf die Verwendung des biologischen Arbeitsstoffes zurückzuführende Erkrankungen.

Unbeabsichtigte Verwendung

Bei unbeabsichtigter Verwendung fehlt meist die (genaue) Kenntnis über die Identität der verwendeten biologischen Arbeitsstoffe. Sofern dennoch die Zuordnung zu einer Risikogruppe möglich ist, besteht die Verpflichtung diese Zuordnung vorzunehmen.

Für die Beurteilung der Gefährdungen und Risiken für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der unbeabsichtigten Verwendung ist weiters auf Erfahrungen mit vergleichbaren Tätigkeiten, den Stand von Wissenschaft und Technik sowie auf bereits bekannt gewordene Erkrankungen von Arbeitnehmerinnen  und Arbeitnehmer zurückzugreifen (z.B. Hepatitis- oder TBC-Infektionen bei Pflegepersonal, Hunde- und Fuchsbandwürmer bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft) und es sind entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen.

Bei der unbeabsichtigten Verwendung liegt der Zweck der Tätigkeit nicht in der Nutzung eines biologischen Arbeitsstoffes (§ 1 Abs. 4 VbA, § 41 ASchG).

Es kann aber aufgrund der verwendeten Materialien, der Arbeitsumgebung oder Verunreinigung zu einer Exposition kommen.

Bereiche mit unbeabsichtigter Verwendung:

  • Abfallwirtschaft, wie Hausmülldeponien, Kanalarbeiten, Kläranlagen, Müllsortierung, Krankenhausabfälle
  • Gesundheitswesen, wie Arztpraxen, Infektionsstationen, Krankenhauswäscherei
  • Holzindustrie, Sägewerke, wie verschimmeltes Holz
  • Landwirtschaft, wie Arbeiten mit Getreide oder Heu
  • Lederverarbeitung
  • Restaurationsarbeiten, wie von Bildern, Büchern, Möbel
  • Umgang mit Tieren bzw. mit Erzeugnissen tierischen Ursprungs wie Tierkörperverwertungsanlagen, Schlachthaus
  • Verwendung von Kühlschmiermitteln
  • Wartung/Reinigung von Klimaanlagen, Luftbefeuchter und ähnliches
  • Biofilter, wie Wechseln des Materials

Maßnahmen zur Gefahrenverhütung

Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ("Evaluierung") müssen zur Gefahrenverhütung Maßnahmen bei beabsichtigter und unbeabsichtigter Verwendung biologischer Arbeitsstoffe festgelegt werden.

Schutzmaßnahmen, die bei der Verwendung biologischer Arbeitsstoffe zu treffen sind, finden sich allgemein im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) bzw. in ausführlicherer Form in der Verordnung biologische Arbeitsstoffe (VbA).

Maßnahmen bei beabsichtigter Verwendung:

  • Verpflichtung zum Ersatz bzw. Verwendung im geschlossenen System
  • Besondere Hygienevorschriften
  • Besondere Desinfektions- und Reinigungsvorschriften
  • Schutz-/Arbeitskleidung
  • Anbieten von Schutzimpfungen
  • Zusätzliche Schutzmaßnahmen (baulicher oder technischer Natur)
  • Bereichskennzeichnung
  • Meldepflicht an das Arbeitsinspektorat
  • Information der ArbeitnehmerInnen Schriftliche Anweisungen
  • Anbieten von ärztlichen Untersuchungen

Maßnahmen bei unbeabsichtigter Verwendung:

  • Besondere Hygienevorschriften
  • Besondere Desinfektions- und Reinigungsvorschriften
  • Schutz-/Arbeitskleidung
  • Anbieten von Schutzimpfungen
  • Besondere Unterweisungspflicht
  • Schriftliche Anweisungen bei Bedarf
  • Anbieten von ärztlichen Untersuchungen

Nadelstichverletzungen

Nadelstichverletzungen sind gefährlich, häufig, teuer und vermeidbar!

Stich- und Schnittverletzungen stellen eine der größten Gefahren für Beschäftigte im Gesundheitswesen dar.

Im März 2010 hat der Rat der Europäischen Union daher die Richtlinie 2010/32/EU zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor beschlossen, die mit Juni 2010 in Kraft getreten ist.

Die Umsetzung in österreichisches Recht erfolgte mit der Nadelstichverordnung - NastV, die am 11. Mai 2013 in Kraft getreten ist.

Weitere Informationen zur NastV enthalten die Erlässe Informationen zur Nadelstichverordnung - NastV und Nadelstichverordnung im Pflegebereich.

Die EU-Richtlinie gilt für alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Krankenhaus- und Gesundheitsbereich und regelt u. a. folgende Pflichten:

  • Festlegung und Umsetzung sicherer Verfahren für den Umgang mit scharfen/spitzen medizinischen Instrumenten und kontaminierten Abfällen und für deren Entsorgung und Einführung sachgerechter Entsorgungsverfahren sowie deutlich gekennzeichneter und technisch sicherer Behälter für die Entsorgung scharfer/spitzer medizinischer Instrumente und Injektionsgeräte.
  • Vermeidung unnötiger Verwendungen scharfer/spitzer Instrumente durch Änderung der Verfahren auf der Grundlage der Ergebnisse der Risikobewertung sowie Bereitstellung medizinischer Instrumente mit integrierten Sicherheits- und Schutzmechanismen.
  • Verbot des Wiederaufsetzens der Schutzkappe auf die gebrauchte Nadel (Verbot des RECAPPING).

Ziel ist also die Sicherheit und den Gesundheitsschutz für Beschäftige im Gesundheitswesen durch eine integrierte Herangehensweise zur Bewertung und Vermeidung von Risiken zu verbessern und die Zahl an Stich- und Schnittverletzungen (insbesondere die Zahl der Nadelstichverletzungen) durch den Einsatz sicherer Instrumente zu reduzieren.

Nadelstichverletzungen bzw. Verletzungen durch spitze/scharfe Instrumente bringen für die Betroffenen das Risiko einer Übertragung von Infektionskrankheiten wie Hepatitis B, Hepatitis C, HIV mit sich.

Häufigkeit von Nadelstichverletzungen

Nadelstichverletzungen müssen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) gemeldet werden, wenn die Arbeitsunfähigkeit mehr als drei Tage beträgt. Es wird angenommen, dass 80 bis 90 % nicht gemeldet werden. Damit bleibt unklar, wie viele Nadelstichverletzungen es in Österreich gibt.

Letzte Änderung am: 14.01.2020

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