Sozialministerium - Arbeitsinspektion
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Gefahren die von Arbeitsstoffen ausgehen

Unterteilung der Gefahren

Die Gefahren die von Arbeitsstoffen ausgehen, können in Gesundheitsgefahren, sowie in Brand- und Explosionsgefahren unterteilt werden.

Zusätzliche Gefährdungen können von heißen oder kalten Arbeitsstoffen, sowie von Schüttgütern (Versinken, Verschüttet werden) ausgehen. Bei Befahren von Behältern sind weitere Bestimmungen anzuwenden, die hier zu finden sind. 

Gesundheitsgefahren

Welche Arbeitsstoffe als gesundheitsgefährdend gelten, legt das ASchG in § 40 fest. Die Definitionen im ASchG sind mit der Novelle 2015 an das System zur Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Gemischen in der CLP-Verordnung (Verordnung (EG) NR. 1272/2008) angepasst worden.

Die aktuellen Gefahrenklassen sind:

  1. Akute Toxizität
    Schädliche Wirkungen die auftreten, wenn Stoffe oder Gemische, in einer Einzeldosis oder innerhalb von 24 Stunden in mehreren Dosen oral oder dermal verabreicht oder 4 Stunden lang eingeatmet wird. Beispiele: Stickstoffdioxid, Blausäure, Chlor, Lindan.
  2. Ätz-/Reizwirkung auf die Haut
    Ätzwirkung: Erzeugung einer irreversiblen Hautschädigung durch Applikation einer eines Stoffes für eine Dauer von bis zu 4 Stunden. Beispiel Natriumhydroxid wasserfrei.
    Reizwirkung: Erzeugung einer reversiblen Hautschädigung durch Applikation eines Stoffes für eine Dauer von bis zu 4 Stunden. Beispiele: Aceton, Natriumcarbonat
  3. Schwere Augenschädigung/Augenreizung
    Schwere Augenschädigung: Erzeugung von Gewebsschäden im Auge oder eine schwerwiegende Veränderung des Sehvermögens. Beispiele: starke Säuren und Laugen
    Augenreizung: Erzeugung von Veränderungen am Auge, die innerhalb von 21 Tagen vollständig reversibel sind. Beispiele: verschiedene verdünnte Säuren und Laugen.
  4. Sensibilisierung der Atemwege oder der Haut
    Inhalationsallergen: Stoff der beim Einatmen einen Überempfindlichkeit der Atemwege verursacht. Beispiele: Isocyanate, Cobalt.
    Hautallergen: ein Stoff, der bei Hautkontakt eine allergische Reaktion auslöst. Beispiele: Nickelverbindungen.
  5. Kanzerogenität (krebserzeugende Wirkung)
    Stoffe oder Gemische, die durch Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut Krebs verursachen oder die Krebshäufigkeit erhöhen können. Beispiele: Asbest, Benzol.
  6. Keimzellmutagenität (erbgutverändernde Wirkung)
    Stoffe oder Gemische, die durch Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut  eine Änderung des genetischen Materials bewirken können, wodurch vererbbare Schäden verursacht werden können. Beispiel Acrylamid.
  7. Reproduktionstoxizität (fortpflanzungsgefährdende Wirkung)
    Stoffe oder Gemische, die durch Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut nicht vererbbare Schäden der Leibesfrucht hervorrufen oder die Häufigkeit dieser Schäden (fruchtschädigend) erhöhen können, zur Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Entwicklung der Nachkommenschaft nach der Geburt oder zur Beeinträchtigung der männlichen oder weiblichen Fortpflanzungsfunktionen führen können. Beispiele: Blei, Dimethylformamid.
  8. Spezifische Zielorgantoxizität (einmalige Exposition)
    Eindeutige Auswirkungen auf die Gesundheit, die die Körperfunktionen beeinträchtigen können (reversibel oder irreversibel) sofern sie nicht ausdrücklich durch die bereits aufgezählten Wirkungen oder durch die Aspirationsgefahr erfasst sind. Beispiel: Methanol (schädigt den Sehnerv).
  9. Spezifische Zielorgantoxizität (mehrmalige Exposition)
    Eindeutige Auswirkungen auf die Gesundheit, die die Körperfunktionen beeinträchtigen können (reversibel oder irreversibel) nach wiederholter Exposition, sofern sie nicht ausdrücklich durch die bereits aufgezählten Wirkungen oder durch die Aspirationsgefahr erfasst sind. Beispiele: Toluol, Isopentanol, Schwefelkohlenstoff.
  10. Aspirationstoxizität
    Schwerwiegende akute Wirkungen wie Pneumonien, Lungenschädigung bis zum Tod durch Aspiration. Beispiele: Kohlenwasserstoffgemische, Terpentin.

Als gesundheitsgefährdend gelten gemäß ASchG auch Arbeitsstoffe mit den Eigenschaften:

Fibrogen - Schwebstoffe, die durch Einatmen Erkrankungen der Lunge, die mit einer Bindegewebsbildung einhergehen, hervorrufen können (Beispiele Quarzstaub, Asbest);

Biologisch inert - Stäube, die weder giftig noch fibrogen wirken, die keine spezifischen Krankheitserscheinungen hervorrufen, allerdings eine Beeinträchtigung der Funktionen der Atmungsorgane verursachen können, wie Eisenoxidfeinstaub; oder

Radioaktiv - Stoffe, die zufolge spontaner Kernprozesse ionisierende Strahlen aussenden.

Als gesundheitsgefährdend gelten weiters auch "Gase unter Druck" oder "Auf Metalle korrosiv wirkende Stoffe oder Gemische".

Brand- und Explosionsgefahr

Brand und Explosionsgefahr können bei der Verwendung brennbarer Arbeitsstoffe entstehen.

Dabei sind neben der vorhandenen Menge und der Konzentration der Arbeitsstoffe auch physikalische Eigenschaften, wie der Flammpunkt ein Einflussfaktor.

Neben den Bestimmungen des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) und der Allgemeinen Arbetinehmerschutzverrodnung (AAV) können weitere Verordnungen anzuwenden sein.

Für Bau und Bergbau sind die Bauarbeiterschutzverordnung (link!) bzw. die allgemeine Bergpolizeiverordnung (link!) anzuwenden.

Für die Verwendung bestimmter brennbarer Arbeitsstoffe gibt es spezifische Verordnungen, welche auch gewerberechtliche Bestimmungen enthalten.

Verordnung über brennbare Flüssigkeiten  – VbF 

Aerosolpackungslagerungsverordnung – APLV  und deren kommentierte Fassung 

Flüssiggasverordnung 2002 – FGV

Wie Behälter, Lagerräume oder Lagerungen für brennbare Arbeitsstoffe zu kennzeichnen sind, ist im § 44 des ASchG und der Kennzeichnungsverordnung (KennV) festgelegt. Nähere Informationen finden sich auch unter "Kennzeichnung von Arbeitsstoffen". Ebenso ist dort festgelegt, dass bei der Lagerung von gefährlichen Arbeitsstoffen ArbeitgeberInnen dafür zu sorgen haben, dass auf Grund der jeweiligen gefährlichen Eigenschaften dieser Stoffe gebotenen Schutzmaßnahmen getroffen werden und vorhersehbare Gefahren für die ArbeitnehmerInnen vermieden werden 

 

Lagerung von Gasflaschen

Bei der Lagerung von Gasflaschen ist der § 65 AAV anzuwenden.

Gasflaschen dürfen nicht geworfen oder gestürzt werden.

Gasflaschen sind auch im entleerten Zustand gegen Umfallen zu sichern.

Volle Gasflaschen sind vor gefahrbringender Erwärmung oder starkem Frost zu schützen.

Bei Feuerarbeiten sind Gasflaschen außerhalb des Feuerbereichs aufzubewahren.

Anforderungen an Lageräume für Behälter, die giftige, ätzende explosionsgefährliche oder brandgefährliche Arbeitsstoffe, verdichtete, verflüssigte oder unter Druck gelöste Gase dieser Art oder nicht atembare Gase enthalten:

Lageräume sind so anlegen, dass Fluchtwege, Notausgänge, Notausstiege, Stiegen, Gänge oder Verkehrswege nicht unbenützbar werden -  eventuell sind Pufferraum vorzusehen.

Wenn die gelagerten Gase schwerer als Luft sind, darf der Lagerraum nicht tiefer als angrenzendes Gelände liegen. Eine Kennzeichnung des Lagers ist notwendig.

Das Lager muss gegen unbefugten Zutritt gesichert sein.

Es herrscht Ess-, Trink- und Rauchverbot.

Explosionsfähige Atmosphären

Brennbare Arbeitsstoffe können auch explosionsfähige Atmosphären bilden. Wie dann vorzugehen ist und wie diese vermieden werden können, ist in der Verordnung explosionsfähige Atmosphären (VEXAT) geregelt.

 

Letzte Änderung am: 14.01.2020

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