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Erkennen und Beurteilen von Arbeitsstoffen

Was sind gefährliche Arbeitsstoffe, wie sind diese zu kennzeichnen, wie schaut ein Arbeitsstoffverzeichnis aus und wie kann eine Arbeitsstoffevaluierung durchgeführt werden?

Was sind gefährliche Arbeitsstoffe?

Gefährliche Arbeitsstoffe sind alle Stoffe, die mindestens eine der folgenden Eigenschaften aufweisen:

Explosionsgefährlich (§ 40 Abs. 2 ASchG)

Brandgefährlich (§ 40 Abs. 3 ASchG)

Gesundheitsgefährdend (§ 40 Abs. 4, 4a, 4b und Abs. 7 ASchG)

Biologische Arbeitsstoffe der Gruppen 2, 3, 4 (§ 40 Abs. 5 ASchG).

Bei der Verwendung von gefährlichen Arbeitsstoffen ist jedenfalls ein Arbeitsstoffvereichnis anzulegen, eine Arbeitsstoffevaluierung durchzuführen und es sind geeignete Maßnahmen zu setzen.

Werden gefährliche Arbeitsstoffe gelagert, sind diese zu kennzeichnen.

Bei der Verwendung krebserzeugender Arbeitsstoffe ist ein Verzeichnis der exponierten ArbeitnehmerInnen zu führen.

Je nach Art des Arbeitsstoffes (z.B.Asbest, Flüssiggas, biologische Arbeitsstoffe) und der exponierten Personen (z. B. werdende und stillende Mütter, Jugendliche) können weitere Verordnungen und Bestimmungen zutreffen.

Kennzeichnung von Arbeitsstoffen

Gekaufte Arbeitsstoffe unterliegen meist In-Verkehr-Bringer Vorschriften und auch Kennzeichnungsvorschriften.

Europäische In-Verkehr-Bringer-Vorschriften für Chemikalien werden meistens unter dem Titel „REACH“ (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) zusammengefasst. REACH schreibt dabei Verfahren zum Sammeln und Beurteilen von Informationen über die Eigenschaften und schädlichen Wirkungen von Stoffen fest. Die Unternehmen müssen ihre Stoffe registrieren und dabei mit anderen Unternehmen, die den gleichen Stoff registrieren, zusammenarbeiten. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Die ECHA nimmt die einzelnen Registrierungen entgegen und bewertet sie hinsichtlich ihrer Konformität.

Wie Chemikalien zu kennzeichnen sind, legt EU-weit „CLP“ (Classification, Labelling and Packaging of Chemicals) fest. Fallweise wird auch das Kürzel „GHS“ (Globally Harmonized System of Classification, Labelling and Packaging of Chemicals) verwendet.

ArbeitgeberInnen müssen dafür sorgen, dass gefährliche Arbeitsstoffe entsprechend ihren Eigenschaften mit Angaben über die möglichen Gefahren, die mit ihrer Einwirkung verbunden sind, sowie über notwendige Sicherheitsmaßnahmen gut sichtbar gekennzeichnet sind. (§ 44 ASchG)

Wenn (zugekaufte) gemäß CLP-gekennzeichnete Arbeitsstoffe verwendet werden, kann davon ausgegangen werden, dass die Kennzeichnung der Arbeitsstoffe korrekt und ausreichend ist. Auch eine andere Kennzeichnung auf Grund anderer In-Verkehr-Bringer-Vorschriften wie für Kosmetika, Arzneimittel und Lebensmittel sind zulässig.

Wenn chemische (also nicht biologische) Arbeitsstoffe umgefüllt werden oder diese bei der Arbeit entstehen (z.B. zusammengemischt, neu produziert), sind die verwendeten Behälter inkl. Rohrleitungen zu kennzeichnen.

Beim Lagern größerer Mengen von Arbeitsstoffen kann es nötig sein den Raum, bzw. Schrank oder den Bereich in denen diese Arbeitsstoffe gelagert werden zu kennzeichnen.

Wie genau die Behälter- und Bereichskennzeichnung auszusehen hat, unter welchen Bedingungen die Behälterkennzeichnung entfallen kann ist im folgenden Erlass dargestellt.

Arbeitsstoffverzeichnis

Um die Evaluierung durchführen zu können ist ein Arbeitsstoffverzeichnis mit allen gefährlichen Arbeitsstoffen – egal ob gekauft oder bei der Arbeit entstehend – hilfreich, und auch gemäß § 2 DOK-VO bzw. gemäß §§ 40 und 41 ASchG notwendig. Anbei wird beispielhaft ein Arbeitsstoffverzeichnis basierend auf Excel zur Verfügung gestellt. Dieses Arbeitsstoffverzeichnis beinhaltet die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen, aber auch sinnvolle Ergänzungen. Ebenso zeigt es eine praktikable Möglichkeit Ergebnisse der Arbeitstoffevaluierung mit dem Arbeitstoffverzeichnis zu verbinden. 


Das Arbeitsstoffverzeichnis ist jedenfalls mehr als eine Sammlung an Sicherheitsdatenblätter. Nichtsdestotrotz können Sicherheitsdatenblätter die Grundlage für ein Arbeitsstofffverzeichnis bilden. Dabei dürfen bei der Arbeit entstehende Arbeitsstoffe, wie Abfälle (zB Lösemittelgemsiche), Abgase (Dieselmotoremissionen), Rauche (chirurgische Rauche), Stäube (Metall- oder Holzstaub) oder selbst hergestellte Arbeitsstoffe aber nicht übersehen werden.


Ein nützliches Tool um ein Arbeitsstoffverzeichnis einfach erstellen zu können wird von der AUVA hier angeboten.

Arbeitsstoffevaluierung

§ 4 ASchG verpflichtet ArbeitgeberInnen Gefahren zu Ermitteln und zu Beurteilen – auch in Hinsicht auf Arbeitsstoffe. Meist wird dieser Schritt als „Evaluierung“ bezeichnet. Die Evaluierung ist ein systematischer Prozess, deren Ziel es ist eine stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erzielen. Eine allgemeine Anleitung zur Evaluierung findet sich hier 

Um ArbeitnehmerInnen ausreichend vor gefährlichen Arbeitsstoffen schützen zu können, müssen geeignete Maßnahmen gesetzt werden. Diese Maßnahmen sind je nach Tätigkeit, Prozess, Art und Menge der verwendeten Arbeitsstoffe unterschiedlich. Wesentlich ist das Wissen welche gefährlichen Arbeitsstoffe eingesetzt werden und welche Gefahren von diesen ausgehen. Bei gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen ist es weiters wesentlich zu wissen welche ArbeitnehmerInnen in welchem Ausmaß exponiert (gegenüber dem Arbeitsstoff ausgesetzt) sind. Bei brand- und explosionsgefährlichen Arbeitsstoffen ist das Wissen ob diese in einer für ArbeitnehmerInnen gefährlichen Konzentration vorliegen essentiell. Die Evaluierung lässt sich in folgende Schritte unterteilen.

  • Erkennen der Gefahren
  • Einholen von Informationen über Gefahrenmerkmale
  • Einholen von Informationen über den Einsatz im Betrieb
  • Einholen von Informationen über die Einwirkung auf ArbeitnehmerInnen
  • Beurteilung
  • Maßnahmen zur Gefahrenverhütung

Ohne Vorwissen ist nicht klar ob passende Maßnahmen zur Gefahrenverhütung gesetzt wurden.

 Informationen über Arbeitsstoffe

Bei gekauften Arbeitsstoffen, sind Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblätter oder Beipacktexte eine wesentliche Informationsquelle. Einen ersten Anhaltspunkt ob der Arbeitsstoff gefährlich ist, gibt dabei das Gefahrensymbol (Piktogramm). H- und P- Sätze (Health – and Protection), geben bereits etwas detaillierter Auskunft über die Art der Gefahr, und eine erste Information über Maßnahmen bei der Verwendung. Diese Informationen sind im Sicherheitsdatenblatt konkretisiert. Für manche Arbeitsstoffe, zB für bestimmte Kosmetika, gibt es auch Gruppenmerkblätter, die umfassendere  Informationen bereitstellen.

Wenn Arbeitsstoffe insbesondere als Abgas oder Abfall im Produktionsprozess entstehen (Beispielsweise Dieselmotoremissionen, Schweißrauche, etc.) können häufig branchen- oder tätigkeitbezogene Informationsmaterialien hilfreich sein um die möglichen Gefahen und notwendigen Maßnahmen feststellen zu können.

 Ablauf der Evaluierung

Bei der Verwendung im Betrieb sind einige Fragen hilfreich um die Arbeitsstoffevaluierung durchzuführen. Die Fragestellung ist dabei sowohl auf gesundheitsgefährliche, als auch auf Brand- bzw. explosionsgefährliche Arbeitsstoffe anzuwenden.

  • Ist der Einsatz der Stoffe verboten/eingeschränkt erlaubt (z.B. Ersatzpflicht)?
  • Sind die am wenigsten gefährlichen Arbeitsstoffe für den Zweck im Einsatz? Kann der Arbeitsstoff durch einen weniger gefährlichen ersetzt werden, wie beispielsweise Reinigung durch Seifenlauge anstelle durch Lösemittel?
  • In welcher Form werden die Arbeitsstoffe eingesetzt (fest, flüssig, gasförmig)? Ist es möglich staubende Arbeitstoffe durch Lösungen zu ersetzen?
  • Ist es möglich dass Arbeitsverfahren durch ein weniger gefährliches zu ersetzen? Vor allem das Verwenden von geschlossenen Systemen, oder der Einsatz von Techniken die weniger Arbeitstoffe benötigen sind hier vorteilhaft.
  • Welche Mengen an gefährlichen Arbeitsstoffen werden eingesetzt? Können diese  Mengen die geringst möglichen?
  • Wie viele ArbeitnehmerInnen sind exponiert? Ist es möglich diese Zahl zu reduzieren, zB durch räumliche oder zeitliche Trennung einiger Arbeitsschritte in einem separaten Raum, in gut belüfteten Bereichen, oder zu bestimmten Zeiten?
  • Kann die Dauer der Exposition reduizert werden, z. B. indem einzelne Arbeitsschritte nur zu bestimmten Zeiten durchgeführt werden?
  • Wie und wo erfolgt die Lagerung der Arbeitsstoffe? Sind Gebindegrößen praktikabel? Wie werden Arbeitsstoffe umgefüllt? Wie erfolgt der innerbetriebliche Transport?
  • Können Teile oder Werkstücke die getrocknet werden in eigenen Räumen oder Bereichen untergebracht werden?
  • Welche Einsatzbedingungen bestehen (z.B. erhöhter Druck, erhöhte Temperatur)?
  • Wie werden die Arbeitsstoffe verwendet (geschlossenes System, offenen Gefäße)?
  • Entstehen gefährliche Gase oder Dämpfe? Falls ja, werden diese erfasst und gefahrlos beseitigt? Sind Absaugungen ausreichend und praktikabel: an das Wekstück angepasst, leicht nachführbar, beleuchtet, etc.? 
  • Kann es durch Gase/Dämpfe zu Sauerstoffmangel und zu Erstickungsgefahr kommen?
  • Werden Abfälle, Putztücher, etc. die mit Arbeitsstoffen verunreinigt sind und noch abdampfen können, möglichst zeitnah in verschließbare Behälter entsorgt und werden diese Behälter auch verschlossen? Sind diese Behälter entsprechend beschriftet?
  • Sind schriftliche Betriebsanweisungen, zB mit Angaben zum Umfüllen oder Msichen, direkt am Arbeitsplatz sinnvoll?

Auf Grund der Evaluierung müssen an den jeweiligen Arbeitsplatz bzw. an den Arbeitsprozess angepasste Maßnahmen festgelegt werden.  

Maßnahmen und Dokumentation

Aus der Evaluierung heraus ergeben sich Maßnahmen, baulicher, technischer und organisatorischer Natur. Diese können vom Ersatz des Arbeitsstoffs durch weniger gefährliche Arbeitsstoffe – auch durch Einsatz eines anderen Fertigungsprozesses, über Verwendung geschlossener System, bauliche Trennung, eine geringere Anzahl an ArbeitnehmerInnen die mit dem Arbeitsstoff umgehen, schriftliche Betriebsanweisungen und bessere Unterweisung bis hin zu zeitlicher Beschränkung des Einsatzes reichen. Der Einsatz persönlicher Schutzausrüstung (PSA) kann nach Ausschöpfung aller anderer Maßnahmen notwendig sein. Beim Einsatz von PSA ist darauf zu achten dass diese an die Erfordernisse des Arbeitsprozesses und der verwendeten Arbeitsstoffe angepasst ist. Bei Verwendung von Handschuhen sind Durchbruchszeiten (ab dem erstmaligen Verwenden) zu beachten.


Für einige Arbeitsstoffe, allgemein für krebserzeugende Arbeitsstoffe, dabei spezielle für Asbest und Holzstaub gibt es auf den Arbeitsstoff angepasste Vorschriften. Diese Arbeitsstoffe werden hier detaillier beschrieben (link!)


Das Ergebnis der Evaluierung muss nach § 5 ASchG im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumenten (SiGe Dokument) mit den Mindestinhalten gemäß DOK-V schriftlich festgehalten werden. Die Dokumentation kann auf Arbeitsplatz, die Tätigkeit, oder den Bereich bezogen werden.


Eine Verknüpfung zwischen Arbeitsstoffverzeichnis und Ergebnis der Evaluierung ist dabei zulässig. Wichtig ist hierbei den notwendigen Maßnahmen ausreichend Beachtung zu schenken.

Letzte Änderung am: 09.01.2020

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