Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Asbest - FAQs

Was heißt gelegentliche Asbest-Exposition geringer Höhe gemäß § 22 GKV?

Der Begriff "gelegentlich" umfasst Tätigkeiten mit Asbest, die nicht regelmäßig durchgeführt werden und deren Zweck nicht ausschließlich auf den Umgang mit Asbest ausgerichtet ist. Dies sind Tätigkeiten wie kurze, nicht aufeinanderfolgende Wartungsarbeiten an nicht brüchigen Materialien, in denen Asbestfasern fest in einer Matrix gebunden sind und diese nicht beschädigt werden (z.B. bei Renovierungsarbeiten wird eine einzelne Asbestplatte entfernt und entsorgt; bei der Errichtung eines Gerüstes werden einzelne Verankerungslöcher in eine Asbestfassade gebohrt).

Von Asbestexposition geringer Höhe spricht man dann, wenn die Faserzahl 15 000/m³ nicht überschreitet, (siehe Asbest-Tabelle).

Welche besonderen Vorschriften gelten für gelegentliche Asbest-Exposition in geringer Höhe (max. 15 000 Asbestfasern/m³)?

Für ArbeitnehmerInnen, die nur einer gelegentlichen Asbest-Exposition geringer Höhe ausgesetzt sind, gelten die Sonderbestimmungen des 4. Abschnitt der GKV 2011. Allerdings entfallen die Meldung von Asbestarbeiten gemäß § 22 GKV, das Führen eines Verzeichnisses der ArbeitnehmerInnen gemäß § 47 ASchG und die Durchführung von Eignungs- und Folgeuntersuchungen gemäß VGÜ 2014. (siehe Asbest-Tabelle).

Wie stellt man fest, ob bei den geplanten Tätigkeiten weniger als 15 000 Asbestfasern/m³ frei werden?

Bei nachfolgenden Arbeiten oder der Anwendung der unten genannten Verfahren, kann davon ausgegangen werden, dass der Wert von 15 000 F/m³ unterschritten wird:

Wie kann ich Asbestarbeiten melden?

Im Portal der BUAK (Bauarbeiter Urlaubs- und Abfertigungskassa) steht eine elektronische Meldeplattform zur Verfügung. Eine Eintragung wird vom zuständigen Arbeitsinspektorat als Asbest-Meldung anerkannt, (siehe Asbest-Tabelle).

Was heißt Expositionsminimierung?

Die Menge des freiwerdenden Asbests, die Anzahl der exponierten ArbeitnehmerInnen sowie die Dauer der möglichen Einwirkung von Asbest auf ArbeitnehmerInnen sind auf das geringstmögliche Ausmaß zu beschränken.

Menge: so gering als möglich (Arbeitsverfahren und Arbeitsvorgänge sind so zu gestalten, dass ArbeitnehmerInnen keiner oder geringstmöglicher Exposition ausgesetzt sind, wie z.B. durch zerstörungsfreien Abbau, Verpacken am Abbauort, Anwendung saugender Verfahren, Nassverfahren, „Staubarmes Arbeiten").

ArbeitnehmerInnen: Arbeit und Aufenthalt im Asbestbereich ist auf das unbedingt nötige Ausmaß zu beschränken (z.B. nicht mit Asbestarbeiten beschäftigte Personen, andere HandwerkerInnen sind für die Dauer der Asbestexposition fernzuhalten).

Hinweis: Das Ergebnis der Expositionsminimierung ist im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument (SGD) festzuhalten. Über die Maßnahmen, die zur Expositionsminimierung führen, sind die ArbeitnehmerInnen nachweislich zu unterweisen.

Welche persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist für welche Asbestkonzentrationen erforderlich?

"Gelegentlich" und unter 15 000 F/m3: FFP2-Maske ist zu verwenden. Einwegschutzanzug - oder eine gleichwertige Maßnahme zur Vermeidung der Verschleppung und Akkumulation von Asbestfasern - wird empfohlen, da diese im Gegensatz zur Schutzkleidung nicht von den ArbeitgeberInnen gereinigt sondern nur geeignet entsorgt werden müssen.

Nicht "gelegentlich" und unter 15 000 F/m3: FFP2-Maske und Einweganzug oder eine gleichwertige Maßnahme zur Vermeidung der Verschleppung und Akkumulation von Asbestfasern sind verpflichtend, (siehe Leitfaden für den Umgang mit Asbestzement bei Dach- und Fassadenarbeiten).

Asbestfaserkonzentration zwischen 15 000 F/m3 und 100 000 F/m3: FFP3-Maske und Einwegschutzanzug oder eine gleichwertige Maßnahme zur Vermeidung der Verschleppung und Akkumulation von Asbestfasern sind verpflichtend.

Faserkonzentration größer 100 000 F/m3: Frischluftgeräte oder motorunterstützte Filtergeräte mit geeigneten Partikelfiltern unter Verwendung von Vollmasken und Schutzanzug. Im Regelfall ist diese Expositionssituation aber nur bei schwachgebundenem Asbest und für Spezialfirmen relevant.

Benötigt man neben Atemschutz und Schutzkleidung noch zusätzliche PSA bei Arbeiten mit Asbest?

Abhängig von der Tätigkeit kann zum Beispiel bei Arbeiten über Kopf eine Schutzbrille (Augenschutz) notwendig sein, um die Augen vor Verletzungen durch Stäube oder Körner zu schützen. Sind bei den Arbeiten mechanische Gefahren zu erwarten, müssen geeignete Schutzhandschuhe (Handschutz) zur Verfügung gestellt werden. Entsprechend dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und der Verordnung persönliche Schutzausrüstung (PSA-V) ist bei der Evaluierung festzulegen, welche PSA notwendig ist. Geeignete PSA ist zur Verfügung zu stellen und die ArbeitnehmerInnen sind zu informieren und zu unterweisen.

Wie müssen starkgebundene Asbestreste am Arbeitsplatz verpackt und gekennzeichnet werden?

Starkgebundene Asbestreste am Arbeitsplatz, wie ausgebaute Asbestzementprodukte, sind in staubdichten Behältern oder Big Bags zu verpacken oder in abgedeckten Mulden/Containern zu sammeln.

Behälter (z.B. Säcke, Mulden), die Asbest enthalten, müssen gemäß § 1 a KennV gekennzeichnet werden:

  • die eindeutige Bezeichnung als Asbest (z.B. "Asbest")

sowie

  • ein entsprechendes Piktogramm: Piktogramm GHS 08 Gesundheitsgefahr (GHS 08 - Gesundheitsgefahr)
  • eine Aufzählung der möglichen Gefahrenhinweise (z.B. H350 "Kann Krebs erzeugen")
  • eine Aufzählung der Sicherheitshinweise (z.B. P260: "Staub / Rauch / Gas / Nebel / Dampf / Aerosol nicht einatmen").

Kennzeichnung von Lagerbereichen gemäß § 1 b KennV:

Ist die Kennzeichnung der einzelnen Behälter, die in einer Mulde/einem Container gesammelt werden, nicht eindeutig erkennbar und wird die erhebliche Menge von 50 kg Asbestmaterial überschritten, ist zusätzlich der Lagerbereich mit dem Piktogramm "GHS 08 - Gesundheitsgefahr" zu kennzeichnen. Beispiel: Behälter mit Asbestmaterial wird gemeinsam mit anderen Abfällen in einer Mulde gesammelt und dort gelagert.

WICHTIG: Der Umgang mit schwachgebundenen Asbestprodukten ist ausschließlich Spezialfirmen mit spezieller Fachkunde vorbehalten. Diese haben auch für die fachgerechte Entsorgung (Verpackung, Kennzeichnung) der schwachgebundenen Asbestabfälle zu sorgen. 

Ist bei Fahrzeugreparaturen heute noch mit Asbestexposition zu rechnen?

In Fahrzeugen waren bis 1990 asbesthältige Reibbeläge üblich. Bremsen oder Kupplungen enthielten somit als Beimischung Asbest. Heute sollten keine Fahrzeuge mit solchen Bremsen mehr im Umlauf sein, da das Inverkehrbringen von Asbest seit 1990 verboten ist. Bei der Bestellung von Reibbelägen aus dem Internet können jedoch sogenannte "Originalbeläge" für Oldtimer wieder auftauchen. Vorsicht ist hier geboten, da diese "Originalbeläge" leider häufig asbesthältig sind.

Gibt es medizinische Möglichkeiten der Früherkennung von Asbesterkrankungen und der Risikominimierung?

Röntgenuntersuchungen können bereits den Beginn einer Lungenerkrankung (Asbestose) aufzeigen. Das Früherkennen von Lungen-, Kehlkopf- und des Rippen- oder Bauchfellkrebs durch eine Röntgenuntersuchung ist aber weiterhin schwierig, da bei einem positiven Röntgenbefund die Therapieoptionen meist schon eingeschränkt sind. Moderne Computertomographieverfahren können den Ausbruch einer Erkrankung früher feststellen, sind aber aufgrund der Strahlenbelastung nicht für regelmäßige Untersuchungen geeignet. Spezifische Bluttests (wie z.B. Calretinin) befinden sich erst im Entwicklungsstadium und sind noch nicht ausreichend evaluiert.

Bekannt ist, dass Zigarettenrauchen als Cofaktor das Krebsrisiko für den asbestbezogenen Lungenkrebs erheblich erhöhen kann, daher führt ein Rauchstopp immer zu einer Risikominimierung.

Wo erhält man Informationen und Beratung zum Thema Asbest?

  1. Arbeitsinspektion 
  2. Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA): Richtiger Umgang mit Asbest
    Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien
    Kontaktpersonen:
    DI. Ernest Stühlinger, Telefon: 05 93 93 - 20727, E-Mail: ernest.stuehlinger@auva.at
    Ing. Karl Hammerl, Telefon: 05 93 93 - 31858, E-Mail: karl.hammerl@auva.at
    Dr.in Kristina Horner, Telefon: 05 93 93 - 31820, E-Mail: kristina.horner@auva.at
    Dr. Gerhard Orsolits, Telefon: 05 93 93 - 20723, E-Mail: gerhard.orsolits@auva.at
    Im Rahmen der Verhütung von Arbeitsunfällen und der Bekämpfung von Berufskrankheiten beschäftigt sich die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) intensiv mit der Asbest-Problematik. Sie bietet unter anderem Beratungen und Publikationen zum Thema an. Ziel ist es, MitarbeiterInnen keiner Exposition mit Asbest auszusetzen.
  3. Österreichische Staub-(Silikose-)Bekämpfungsstelle (ÖSBS)
    Technische Abteilung
    Einödmayergasse 12, 8700 Leoben
    Telefon: 05 93 93 - 22390, E-Mail: oesbs-leoben@auva.at
    Die ÖSBS ist ein nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein mit sechzigjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Staubminderung und Staubbekämpfung. Sie beschäftigt sich heute mit den Auswirkungen der Stäube auf die Gesundheit und dem Schutz der Beschäftigten in gefährdeten Branchen und führt dabei Messungen zur Asbeststaub-Belastung durch.
  4. Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler und Bundesinnung der Bauhilfsgewerbe
    Schaumburgergasse 20/6, 1040 Wien
    Kontaktperson für beide Innungen: Darius Kerschbaumer
    Telefon: 01/505 69 60 - 222, Fax: 01/505 69 60 - 240, E-Mail: kerschbaumer@bigr4.at
  5. Arbeiterkammer
    Kontakt: Bundesarbeitskammer, Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit
    Prinz Eugen-Straße 20 - 22, 1040 Wien
    Telefon: 01/501 65 - 1208
  6. Österreichischer Gewerkschaftsbund
    ÖGB Sozialpolitik - Gesundheitspolitik
    Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien
    Kontaktperson: Dr.in Ingrid Reifinger
    Telefon: 01/534 44 - 39181, E-Mail: sozialpolitik@oegb.at
    Die Lösungswelt "Gesunde Arbeit" ist eine Initiative von AK, ÖGB und ÖGB-Verlag. Sie umfasst das vierteljährlich erscheinende Magazin "Gesunde Arbeit", den elektronischen Newsletter und die Website www.gesundearbeit.at, die laufend redaktionell betreut wird. Diese beinhaltet neben umfassenden Informationen zum Thema Gesundheit und Sicherheit in der Arbeit auch einen freien Zugang zur Online-Datenbank Gesetze und Verordnungen zum ArbeitnehmerInnenschutz sowie Studien, Musterbetriebsvereinbarungen, Broschüren zum kostenlosen Download und Buch- und Apptipps.
  7. Beratung für derzeit und ehemals Asbest-Exponierte:
    Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ)
    Kontakt via BBRZ-Hotline:
    Wien, NÖ und Burgenland Telefon: 0800 206 400
    OÖ und Salzburg Telefon: 0800 206 800
    Steiermark und Kärnten Telefon: 0800 206 300
    Tirol und Vorarlberg Telefon: 0512 365 603
  8. Umweltberatung
  9. Stadt Wien
Letzte Änderung am: 05.07.2018

Unterseiten zu diesem ThemaFurther Information

Dokumente zu diesem ThemaPublications