Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Anleitung zur Arbeitsstoffevaluierung

Die Arbeitsstoffevaluierung dient dazu, im jeweiligen Betrieb mögliche Risiken durch Arbeitsstoffe zu erkennen, einzuschätzen und erforderlichenfalls geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

Eine Sammlung von Sicherheitsdatenblättern stellt noch keine aussagekräftige Arbeitsstoffevaluierung dar!

Schritte einer Arbeitsstoffevaluierung werden sein:

  • Erkennen der Gefahren
  • Einholen von Informationen über Gefahrenmerkmale
  • Einholen von Informationen über den Einsatz im Betrieb
  • Einholen von Informationen über die Einwirkung auf die Beschäftigten
  • Beurteilung
  • Maßnahmen zur Gefahrenverhütung
  • Praxisbeispiel

Erkennen der Gefahren

  • Welche Arbeitsstoffe werden verwendet?
  • Welche sind gefährlich?

Sämtliche gefährlichen Arbeitsstoffe sind im Arbeitsstoffverzeichnis aufzulisten. Dafür kann folgendes, praktische Muster dienen: Arbeitsstoffverzeichnis.

Einholen von Informationen über Gefahrenmerkmale

  • Ist der Arbeitsstoff mit einem Gefahrensymbol gekennzeichnet?
  • Auf welche gesundheitsschädliche Wirkung weist die Kennzeichnung hin?
  • Welche H- und P-Sätze sind angegeben?
  • Gibt es aktuelle Sicherheitsdatenblätter, Expositionsszenarien?
  • Gibt es Beipacktexte, Gebrauchsanweisungen, Gruppenmerkblätter?
  • Gibt es Grenzwerte für den Stoff oder einzelne Inhaltsstoffe?
  • Können Fachleute herangezogen werden?

Einholen von Informationen über den Einsatz im Betrieb

  • Ist der Einsatz der Stoffe verboten/eingeschränkt erlaubt (z.B. Ersatzpflicht)?
  • Sind die am wenigsten gefährlichen Arbeitsstoffe für den Zweck im Einsatz?
  • Welche Mengen an gefährlichen Arbeitsstoffen werden eingesetzt?
  • Sind diese eingesetzten Mengen die geringst möglichen?
  • Wie und wo erfolgt die Lagerung?
  • In welcher Form werden die Arbeitsstoffe eingesetzt (fest, flüssig, gasförmig)?
  • Welche Einsatzbedingungen bestehen (z.B. erhöhter Druck, erhöhte Temperatur)?
  • Wie werden die Arbeitsstoffe verwendet (geschlossenes System, offenen Gefäße)?
  • Entstehen gefährliche Gase oder Dämpfe? Falls, werden diese erfasst und gefahrlos beseitigt?
  • Kann es durch Gase/Dämpfe zu Sauerstoffmangel und zu Erstickungsgefahr kommen?
  • Gibt es ausreichend Absaugungen und lüftungstechnische Einrichtungen?

Brand- und explosionsgefährliche Stoffe sind ebenfalls im Hinblick auf eine gefährliche Konzentration in die Arbeitsstoffevaluierung einzubeziehen!

Einholen von Informationen über die Einwirkung auf die Beschäftigten

  • Wie kommen die Beschäftigten mit dem Arbeitsstoff in Kontakt?
  • Kann der Arbeitsstoff eingeatmet werden?
  • Ist Hautkontakt möglich?
  • Welche Arbeitsplatzkonzentrationen sind vorhanden?
  • Werden die MAK-Werte sicher und dauerhaft und weitestmöglich unterschritten?
  • Liegen andere Beurteilungsmaßstäbe für die Exposition vor, z.B. DNELs, werden die zugehörigen Expositionsszenarien eingehalten?
  • Wie viele Beschäftigte sind wie oft und wie lange exponiert?
    Ist nur die unbedingt notwendige Anzahl von Beschäftigten exponiert?
  • Ist die Dauer der Einwirkung so kurz wie möglich?
    Sind besonders schutzbedürftige Personen (Jugendliche, Schwangere) exponiert?
  • Ist persönliche Schutzausrüstung vorhanden?
  • Ist diese funktionstüchtig und für die Art der Tätigkeit geeignet?
  • Sind Maßnahmen für den Störfall bekannt?
  • Werden Arbeitsstoffe verwendet, für die Untersuchungspflichten nach der Verordnung über die Gesundheitsüberwachung (VGÜ) bestehen?

Beurteilung

Dieser Schritt umfasst die Auswertung der eingeholten Informationen an Hand derer zu klären ist, ob Handlungsbedarf besteht. Handlungsbedarf besteht, wenn Gefahren für Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten nicht auszuschließen sind. Ist dies der Fall, so sind Maßnahmen zur Gefahrenverhütung zu setzen.

Maßnahmen zur Gefahrenverhütung

Bei der Verwendung von eindeutig krebserzeugenden, fortpflanzungsgefährdenden, erbgutschädigenden oder biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppen 2 - 4 muss, sofern ein Ersatzstoff vorhanden ist, der ein gleichwertiges Arbeitsergebnis liefert, dieser eingesetzt werden. Bei allen anderen gefährlichen Arbeitsstoffen sollte die Frage nach dem Ersatz stets die erste Frage sein, die man sich im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren stellt.
Zur Maßnahmensetzung stehen schließlich drei Wege offen:

  • Technische Maßnahmen (Optimierung der Arbeitsmittel und der Arbeitsumgebung, Gefahrenbekämpfung an der Entstehungsstelle ist die wichtigste technische Maßnahme!)
  • Organisatorische Maßnahmen (Arbeitsabläufe und Einsatz der Beschäftigten, so dass die Belastungen möglichst gering sind)
  • Personenbezogenen Maßnahmen (Persönliche Schutzausrüstung - sind nur nach Ausschöpfen aller technischen und organisatorischen Maßnahmen zulässig!)

Praxisbeispiel

Verwendung von Aceton als Reinigungsmittel

Letzte Änderung am: 29.07.2016

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