Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Notausgänge: Panikbeschläge, Sicherungssysteme

Panikbeschläge nach EN 179 und EN 1125

In der Einleitung zur Norm ÖNORM EN 1125 wird ausgeführt, dass es für öffentliche Gebäude und Orte mit Publikumsverkehr, Geschäften usw. wünschenswert erscheint, dass Notausgänge aus diesen Gebäuden mit Paniktürverschlüssen mit horizontaler Betätigungsstange ausgerüstet werden.

Die Beurteilung, ob für Gebäude mit großen Menschenansammlungen (Veranstaltungshallen, Kinos usw.) besondere Vorkehrungen für die Flucht im Gefahrenfall zu treffen sind, berührt in erster Linie den Kunden- bzw. Publikumsschutz. Sowohl die Notausgangsverschlüsse mit Drücker und Stoßplatte (ÖNORM EN 179) als auch die Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange (ÖNORM EN 1125) erfüllen die Anforderung des § 20 Abs. 1 Arbeitsstättenverordnung (AStV), BGBl. II Nr. 368/1998.

(Anmerkung: Die Normen sind beim Österreichischen Normungsinstitut erhältlich.)

Bestehende Notausgangstüren in Arbeitsstätten

Eine Nachrüstung bestehender Notausgänge mit Paniktürverschlüssen mit horizontaler Betätigungsstange ist aus der Sicht des ArbeitnehmerInnenschutzes nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Neu zu bewilligende Arbeitsstätten

Bei neu zu bewilligenden Arbeitsstätten ist im Einzelfall durch die Genehmigungsbehörde zu prüfen, ob durch flüchtende Personen (z.B. Kunden) eine Gefährdung von ArbeitnehmerInnen durch Blockieren von Notausgängen (im Panikfall) entstehen könnte. In solchen Fällen könnten Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange erforderlich sein.

Panikbeschlag an zweiflügeliger Notausgangstür

Notausgang - Sicherungssysteme

Entsprechend den Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung haben ArbeitgeberInnen dafür zu sorgen, dass Notausgänge jederzeit leicht und ohne fremde Hilfsmittel von innen auf die gesamte erforderliche nutzbare Mindestbreite geöffnet werden können.

Elektrische Sicherungssysteme für Notausgänge sind nicht als "fremdes Hilfsmittel" anzusehen, wenn sie bestimmte technische Anforderungen erfüllen, die die jederzeitige Benutzung des Notausganges sicherstellen.

Elektrische Sicherungssysteme von Notausgängen bewirken ein „Zuhalten" von Türen. Wird der Strom unterbrochen, so ist die Tür in entriegeltem Zustand und kann konventionell durch Betätigen eines Türgriffs geöffnet werden. Die Unterbrechung des Stroms kann auf mehrere in sicherheitstechnischer Sicht bedeutsame Weisen erfolgen:

  • Taster (Notauslösung) wird betätigt
  • Strom fällt aus (Ruhestromprinzip)
  • Brandmeldeanlage unterbricht Strom.

Elektrische Sicherungssysteme von Notausgängen müssen folgende Anforderungen erfüllen

  • Es muss zwingend das „Ruhestromprinzip" angewendet werden, das bewirkt, dass bei Unterbrechung der Stromversorgung die Verriegelung selbsttätig gelöst ist.
  • Unmittelbar nach Betätigen der Notauslösung muss die Tür entriegelt sein.
  • Der Taster für die Notauslösung (Öffnung) der Tür muss gut sichtbar, gekennzeichnet und in unmittelbarer Nähe des Drückers der Tür angebracht sein:Höhe zwischen 85 und 120 cm über dem Fußboden und
    horizontaler Abstand zwischen Türdrücker und Taster für die Notauslösung so, dass mit der einen Hand der Drücker und gleichzeitig mit der anderen Hand der Taster für die Notauslösung betätigt werden kann.
  • Bei Vorhandensein einer Gefahrenmeldeanlage (insbes. Brandmeldeanlage) muss diese mit der Steuerung der Verriegelung so verbunden sein, dass bei Auslösen eines Alarms die Verriegelung gelöst wird.
  • Die ArbeitnehmerInnen, die auf einen so gesicherten Notausgang im Fluchtfall angewiesen sind, sind in der Funktionsweise der Entriegelung des Notausganges zu unterweisen.
  • Für neu montierte elektrische Sicherungssysteme für Notausgänge ist vor der Inbetriebnahme eine Prüfung durch eine fachkundige Person durchzuführen. Diese Prüfung hat zu umfassen:
    • Ordnungsgemäße Montage der Betätigungseinrichtung für die Notauslösung (Anordnung, Kennzeichnung)
    • Funktion der Entriegelung bei Betätigung der Notauslösung
    • Ruhestromprinzip
    • Anschluss und Funktion bei Vorhandensein einer Gefahrenmeldeanlage

Für die Fachkunde der PrüferInnen ist ein Nachweis zu erbringen über Kenntnisse und Erfahrungen über Funktion, Montage und Inbetriebnahme von elektrischen Sicherungssystemen für Notausgänge. Üblicherweise wird dies durch einen Nachweis über eine Schulung der PrüferInnen bei den Herstellern von elektrischen Sicherungssystemen für Notausgänge erfolgen können. Bei MitarbeiterInnen von Herstellern von elektrischen Sicherungssystemen für Notausgänge ist dieser Nachweis nicht erforderlich.

Einsatz dieser Systeme

In Bereichen mit sehr großen Menschenansammlungen (z.B. Kinos, Diskotheken) sind derartige Systeme aus Sicht des ArbeitnehmerInnen-Schutzes nicht geeignet. In anderen Bereichen (ohne sehr große Menschenansammlungen) können diese Notausgang-Sicherungssysteme verwendet werden. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Kennzeichnung der Betätigungseinrichtungen zu legen.

Letzte Änderung am: 29.01.2016