Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Software-Ergonomie im ArbeitnehmerInnenschutz

Bei der Konzipierung, Auswahl, Einführung und Änderung der Software sowie bei der Gestaltung von Tätigkeiten, bei denen Bildschirmgeräte zum Einsatz kommen, haben die Arbeitgeber folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Die Software muss der auszuführenden Tätigkeit angepasst sein.
  2. Die Software muss benutzerfreundlich sein und gegebenenfalls dem Kenntnis- und Erfahrungsstand der Benutzer angepasst werden können.
  3. Die Systeme müssen den Arbeitnehmern Angaben über die jeweiligen Abläufe bieten.
  4. Die Systeme müssen die Information in einem Format und in einem Tempo anzeigen, das den Benutzern angepasst ist.
  5. Die Grundsätze der Ergonomie sind insbesondere auf die Verarbeitung von Informationen durch den Menschen anzuwenden.

§ 68 Abs. 2 ASchG

Software-Ergonomie

Bei Software-Ergonomie geht es um die Anpassung technischer Systeme an den Menschen und nicht umgekehrt den Zwang der Menschen sich der Technik anzupassen. Die Software-Ergonomie befasst sich daher mit der Beschreibung und Bewertung der Kommunikationsschnittstellen zwischen Mensch und Maschine.

Die Interaktion und Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ist dynamisch (sie reagieren aufeinander) und sehr benutzerabhängig. Durch die dadurch resultierende Vielfalt an möglichen Interaktionssituationen sind die Anforderungen an ergonomische Software komplexer als bei anderen Arbeitsmitteln (wie z.B. an Kugelschreiber oder Drehbänke).

Menschen und Maschinen interpretieren Information unterschiedlich und jeder Mensch ganz individuell. Dies ist abhängig von

  • der Wahrnehmung (Sinnesorgane)
  • der Erkennung von Information
  • der Denkweise (Problemlösung, Entscheidungsfindung; auch abhängig von der Sprache und Intelligenz)
  • der Merkfähigkeit (wie lernt die Person und wie lang behält sie das Gelernte)
  • der Handlungsweise.

Weiter sind auch die Anforderungen und Erwartungshaltungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängen ab von

  • Verhalten
  • den Fertigkeiten
  • der Neigungen
  • dem Wissensstand
  • Alter
  • Tätigkeitsfeldern.

Beispiele:

  • Wie reagiert der/die BenutzerIn auf Systemfehler?
  • Wie viel Erfahrung/Wissen hat der/die BenutzerIn im Umgang mit ähnlicher und/oder anderer Software?
  • Wie ist der/die BenutzerIn Software grundsätzlich gegenüber eingestellt?
  • Welche Aufgaben soll der/die BenutzerIn mit der Software erfüllen, wie soll er/sie damit arbeiten?

Nutzen ergonomischer Software

Software, die leicht und effizient bedienbar und an die Bedürfnisse und Erwartungen der BenutzerInnen angepasst ist (sowohl psychisch als auch physisch), führt zu

  • einer Steigerung der Produktivität der BenutzerInnen
  • einer Steigerung der Gebrauchstauglichkeit der Software
  • einer Reduktion der Berührungsängste mit Software und somit zu einer Steigerung der Akzeptanz
  • einer Reduktion von psychischen Belastungen und Stress (weniger Ärger über das Arbeiten mit Software, geringerer Konzentrationsaufwand beim Bedienen der Software durch Vermeiden einer umständlichen Vorgehensweise oder Suchen)
  • einer Vermeidung vorzeitiger Ermüdung

Eigenschaften und Anforderungen an ergonomische Software

Kurz zusammengefasst muss ergonomische Software

  • gebrauchstauglich (für die vorgesehenen Tätigkeiten einsetzbar)
  • leicht zu erlernen
  • intuitiv zu benutzen
  • individuell anpassbar
  • fehlertolerant
  • durch Selbstbeschreibungsfähigkeiten verständlich

sein.

Die Eigenschaften/Anforderungen lassen sich in vier Bereiche unterteilen: die Benutzeroberfläche, die Dialogführung (Ein- und Ausgaben), das Fehlermanagement und die Gebrauchstauglichkeit.

Die Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche soll konsistent und visuell angenehm sein. Dabei ist beispielsweise die Farbgestaltung zu beachten, die auch durch die Kultur und die Medien beeinflusst ist. Weiter sollte man die Farbenblindheit bedenken.

Die Struktur/der Aufbau muss klar und eindeutig sein. Gruppierungen beispielsweise verbessern die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen. Dabei ist zu beachten, dass das menschliche Auge nur circa 30° scharf wahrnehmen kann. Außerhalb dieses sogenannten primären Sichtfeldes nimmt es nur noch unscharf grobe Konturen wahr und auch die Farbwahrnehmung ist geschwächt. Allerdings ist die Bewegungsempfindlichkeit in diesem äußeren Bereich erhöht.

Die Darstellungsform sollte je nach Wissensstand und Anforderungen anpassbar sein. Hier ist beispielsweise die Barrierefreiheit besonders zu beachten. Wenn die Software einen breiten Einsatzbereich hat, sollte sie auch für die verschiedenen Tätigkeitsfelder adaptierbar sein (z.B. individuell festlegbare Schnellverweise).

Die Dialogführung (Ein- und Ausgaben)

Bei der Dialogführung sollte sofort und klar auf die Aktionen der BenutzerInnen rückgemeldet werden. Kontextabhängige Erklärungen können die Dialogführung erleichtern.

BenutzerInnen sollten eine vollständige Funktionsübersicht haben. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese möglichst übersichtlich und kurz gehalten ist, da der Mensch nur zwischen 3 und 7 voneinander unabhängige Wissenseinheiten – sogenannte Chunks – im Kurzzeitgedächtnis behalten kann (z.B. nur 3-7 Hauptnavigationspunkte).

Die Dialoge sollten verständlich und an die Begriffswelt der BenutzerInnen angelehnt sein. Systemspezifische Ausdrücke sollten möglichst vermieden werden („Markenabhängige“ Bezeichnung für gängige Funktionen); Fachsprache darf verwendet werden, wenn es sich um das Fach der BenutzerInnen handelt.

Auch in der Dialogführung ist Konsistenz sehr wichtig, dadurch reagiert die Software für die BenutzerInnen erwartungskonform.

Fehlermanagement

Ein Teil des Fehlermanagements sollten verständliche und konstruktive Fehlermeldungen und Warnungen sein (z.B. eine Warnung vor irreversiblem Datenverlust mit Möglichkeit zum Fortsetzen oder Abbrechen der Aktion). Diese müssen auch höflich gestaltet sein. Weiter sollte es ein integriertes Hilfe-System geben.

Bei Auftritt eines Fehlers soll die Arbeit sinnvoll fortgesetzt werden können. Es sollte die Möglichkeit geben Schritte rückgängig zu machen bzw. wiederherzustellen. Wo es hilfreich/sinnvoll ist sollte es eine optionale automatische Korrektur geben.

Gebrauchstauglichkeit

Die Software muss die vorgesehenen Aufgaben erfüllen können mit möglichst geringem Aufwand auf der Benutzerseite. Die „Arbeitsaufteilung“ zwischen Mensch und Maschine und der Handlungsablauf müssen klar und möglichst einfach sein. Dies sollte möglichst gut in das übrige Arbeitssystem eingegliedert bzw. damit abgestimmt sein.

Auf Funktionen, die in der Praxis nicht eingesetzt werden, sollte verzichtet werden. Zu viele Funktionen können BenutzerInnen leicht überfordern (psychische Belastung). Sollte die Software mehrere grundsätzlich unterschiedliche Aufgabenbereiche abdecken können, muss sie für die verschiedenen Benutzergruppen angepasst werden können.

Letzte Änderung am: 29.06.2016

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