Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Manuelle Lasthandhabung

Händisches Bewegen von Lasten, das Unfallgefahren oder Gefährdungen insbesondere des Bewegungs- und Stützapparates mit sich bringt, muss vermieden werden.

Händisches Bewegen von Lasten umfasst

  • Heben und Absetzen (Umsetzen), Halten (Abstützen) und Tragen
  • Schieben und Ziehen (inklusive Manövrieren)
  • Betätigen (Bewegen), z.B. von Stellteilen

Gesetzliches

Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ("Evaluierung") ist die manuelle Lasthandhabung entsprechend zu berücksichtigen, um Unfälle und Schädigungen zu vermeiden.

Ebenfalls zu berücksichtigen ist die körperliche Eignung der ArbeitnehmerInnen
(siehe zum Beispiel "§ 6 ASchG" sowie Bestimmungen über "Jugendliche" und "werdende Mütter").

Ist die Vermeidung manueller Lasthandhabung nicht möglich, z.B. durch Automatisierung, so muss die Belastung der ArbeitnehmerInnen durch zur Verfügung stellen von Lasthandhabungsmitteln (Fördermittel, Traghaken, Gurte, ...) oder durch organisatorische Maßnahmen auf ein gesundheitsgerechtes Ausmaß verringert werden.

§ 64 ASchG und § 62 AAV

Ermittlung, Bewertung und Beurteilung

Die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren und Belastungen bei manueller Lasthandhabung kann am Besten durch Aufteilung in zwei Teilbereiche erfolgen:

  • Ermittlung und Beurteilung möglicher Unfallgefahren
    Unfallgefahren bei mLH
  • Ermittlung (Bewertung) und Beurteilung der Gesundheitsgefährdung (Belastung) der ArbeitnehmerInnen

Stufenkonzept für die Ermittlung (Bewertung) und Beurteilung der Gesundheitsgefährdung (Belastung) von ArbeitnehmerInnen bei manueller Lasthandhabung:

Stufe 1 - Datensammlung, Gefahrenermittlung:

  • Prüfen, ob nicht schon die Unterlagen von HerstellerInnen eine Bewertung, Beurteilung und Risikoeinstufung für die Belastung von ArbeitnehmerInnen, die manuelle Lasthandhabungen im Zusammenhang mit Maschinen durchführen, enthalten, z.B. Risikoeinstufung gemäß ÖNORM EN 1005 Teil 1 bis 5 "Sicherheit von Maschinen - Menschliche körperliche Leistung" (Übersicht im "ON-Shop")
  • Gefahrenermittlung mittels Checkliste (pdf-172 kB).

Stufe 2 - Bewertung und Beurteilung für manuelle Lasthandhabung, bei deren Ermittlung gemäß Stufe 1 Gesundheitsgefahren nicht ausgeschlossen werden können:

Für das "selbstbestimmte" Heben, Halten und Tragen in stehenden, hockenden, knieenden oder gehenden Körperpositionen

Für das Schieben, Ziehen und Manipulieren in stehenden, hockenden, knieenden oder gehenden Körperpositionen

Für die manuelle Lasthandhabung im Sitzen

Für werdende und stillende Mütter

Stufe 3 - spezifische Bewertung und Beurteilung, falls für bestimmte manuelle Lasthandhabungen erforderlich:

  • gemäß ISO 11228 Part 1 to 3 "Ergonomics - Manual handling - Lifting and carrying, Pushing and pulling, Handling of low loads at high frequency" oder
  • gemäß ÖNORM EN 1005 Teil 1 bis 5 "Sicherheit von Maschinen - Menschliche körperliche Leistung"
    (Übersicht im "ON-Shop")
  • nach NIOSH-1993, EN 1005-2 mit Vergleich zur LMM-2001 mittels "Lastenrechner von ASER" (download)
  • für nicht selbstbestimmtes Halten: Haltezeit - Haltekraft
  • gemäß DIN 33411 Teil1 bis 5 "Körperkräfte des Menschen" (Übersicht im "ON-Shop").

Hinweis: Der Fachverband der Stein- und keramischen Industrie hat gemeinsam mit der Gewerkschaft Bau-Holz auf freiwilliger Basis vereinbart, nur mehr 25 kg Zementsäcke in Verkehr zu bringen.

Kampagnen der Arbeitsinspektion

Von der Arbeitsinspektion werden seit 2000 Kampagnen zu Muskel- und Skeletterkrankungen mit Schwerpunkt manuelle Lasthandhabung durchgeführt. Dies sind die Kampagne 2000 zur Beurteilung manueller Lasthandhabung und drei Kampagnen 2007 und 2008 unter dem Motto "Pack's leichter an".

Kampagne 2000 zur Beurteilung manueller Lasthandhabung

Ziel des Projektes 2000 war, einfache Modelle zur "quantitativen" Beurteilung manueller Lasthandhabung anhand arbeitswissenschaftlicher Daten so zu modifizieren, dass sie die qualitativen Festlegungen der EU-Lasthandhabungsrichtlinie 90/269/EWG möglichst vollständig und belastungsrelevant wiedergeben:

Europäische Woche 2007 "Pack's leichter an"

Das Europäische Woche 2007 war Muskel- und Skeletterkrankungen unter dem Motto "Pack's leichter an" gewidmet:

EU-SLIC-Kampagnen 2007 und 2008 "Pack's leichter an"

Im Jahr 2007 und 2008 wurden europaweite Informations- und Inspektionskampagne zur Prävention der Erkrankungen der Lendenwirbelsäule in den Bereichen Transport- und Gesundheitswesen sowie Einzelhandel und Bauwesen unter dem Motto "Pack's leichter an" durchgeführt. Im Folgenden die nationalen Publikationen zu diesen Kampagnen:

Kosten und Ausfallzeiten arbeitsbedingter Erkrankungen

Allein durch Verringerung von hohen Belastungen infolge "Arbeitsschwere/manuelle Lasthandhabung" sind etwas mehr als 10 % der Ausfallzeiten durch Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) potentiell verhinderbar (Quelle: Bödeker, Friedel, Röttger, Schröer; "Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen", Forschungsbericht Fb 946, 2. Auflage, Wirtschaftsverlag NW, Dortmund/Berlin 2002; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA).

Etwa 20,7 % aller Krankenstandstage sind auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen. Davon sind ca. 38 % arbeitsbedingt. Dieser etwa 8 %-Anteil an arbeitsbedingten Ausfallzeiten durch Muskel- und Skelett-Erkrankungen verursacht direkte betriebswirtschaftliche Kosten (Entgeltfort- und Krankengeldzahlungen) in der Höhe von ca. 200 Mio. € ("detaillierte Kostenabschätzung für MSE").

Weitere Informationen

Letzte Änderung am: 21.11.2017