Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Erfolgsgeschichten der Arbeitsinspektion

Die Tätigkeit der Arbeitsinspektorate ist derzeit in aller Munde. Allerdings wird sie mitunter nur als angeblich "schikanöses" Beharren auf (vermeintlich) sinnlosen Vorschriften wahrgenommen. Doch was machen die ArbeitsinspektorInnen eigentlich wirklich – und was bewirken sie mit ihrer Arbeit? In dieser Rubrik wollen wir Ihnen wahre Geschichten aus dem Alltag der Arbeitsinspektorate erzählen. Im Mittelpunkt sollen nicht Zahlen und Fakten oder Vorschriften stehen, sondern was in konkreten Situationen für die ArbeitnehmerInnen erreicht werden konnte – und das bei oft nur geringem Aufwand für die ArbeitgeberInnen.

November 2017 - Raumtemperatur

Fall 1

Bei der Überprüfung einer Fahrradreparaturwerkstätte im Februar 2017 wurde festgestellt, dass die Raumtemperatur in den Arbeitsräumen zwischen 10°C und 17°C betrug. Die zehn ArbeitnehmerInnen haben mit Winterbekleidung gearbeitet. Der Arbeitgeber hat unmittelbar nach der Begehung elektrische Elektroradiatoren gekauft um eine ausreichende Raumtemperatur sicher zu stellen.

Fall 2

In einer LKW-Werkstätte gab es keine Heizung. Eine ehemals bestehende Heizung wurde abgebaut, warum weiß kein Mensch. Laut Wandthermometer war die Raumtemperatur bei 0°C. Laut Angaben der AN kam es vor, dass in der Werkstätte Glatteis herrschte. Die Mitarbeiter sahen aus wie dick verpackte Eisbären. Nach dem Besuch wurden vom Betrieb sofort Heizgeräte der örtlichen Feuerwehr ausgeborgt; (die Raumtemperatur im Gesamtraum stieg – vom Arbeitsinspektor gemessen – auf 15°C)  und mit der Genehmigungsbehörde Kontakt aufgenommen um zu klären welche Art der Heizung auch genehmigungsfähig ist. Das Verfahren ist im Laufen.

 

Oktober 2017 - Einkaufszentrum

Fall 1

In einem großen Wiener Einkaufszentrum werden in vielen Shops, in den Verkaufsräumen, die Fenster und Lichtkuppeln ins Freie zur Präsentation der Verkaufswaren verbaut, verklebt oder verstellt. Insbesondere internationale Konzerne wollen ihr Shopkonzept weltweit beibehalten. Ein Schwerpunkt der Arbeitsinspektion ist die Fenster und Lichtkuppeln als solche zu erhalten, damit die ArbeitnehmerInnen den Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren.

Auch laute Hintergrundmusik wird in einigen Betrieben als „Verkaufskonzept“ argumentiert. Die Arbeitsinspektion fordert die Betriebe auf, die vorhandenen Grenzwerte einzuhalten. Den ArbeitgeberInnen aber auch der Leitung des Einkaufszentrums ist es wichtig, dass alle ArbeitgeberInnen die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben.

Fall 2

In einem Shoppingzentrum gab es mehrere Beschweren wegen Zugluft bzw. zu niedrigen Temperaturen in Geschäftslokalen. Bei der Erhebung vor Ort wurde festgestellt, dass scheinbar die Heizlüftung nicht eingeschaltet war. Nach Gesprächen mit den Arbeitnehmern vor Ort wurde angegeben, dass die Heizlüftung seit Eröffnung des Geschäftslokales noch nie funktionierte, dies aber in den letzten milderen Wintern nicht weiter problematisch war. Bei weiterer Recherche in der Betriebsstätte stellte sich heraus, dass die Heizlüftung nicht angeschlossen war. Der Arbeitsinspektor suchte daraufhin die verantwortliche Haustechnik auf, um sie mit dem scheinbar offensichtlichen Mangel zu konfrontieren. Dort erfuhr er, dass dies kein „Mangel“ sei, sondern es möglich war die Geschäftslokale mit Lüftung und mit oder ohne extra Heizlüftung zu mieten  und einige Betreiber die Zusatzkosten sparen wollten. 

Mittels Aufforderungsschreiben wurden die Arbeitgeber aufgefordert die Heizlüftung in kürzester Zeit aktivieren zu lassen.

 

September 2017 - Ein Schutznetz für den Notfall

Für den Arbeitsinspektor bzw. die Arbeitsinspektorin ist es oft nicht einfach, zu belegen, dass die durch sein Wirken getroffenen Maßnahmen Leben und Gesundheit wirksam schützen. Nur sehr selten erhält man eine Rückmeldung, aus der eindeutig hervorgeht, eine Wirkung erzielt, bzw. einem Menschen das Leben gerettet zu haben. Einer dieser Fälle soll hier geschildert werden. Die Baustelle liegt zwar bereits wenige Jahre zurück, die dort vorhandene Situation hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Es handelte sich dabei um einen Neubau eines großen Bürokomplexes, bestehend aus zwei mehrgeschossigen Einzelgebäuden mit einem dazwischenliegenden Innenhof. Dieser sollte mit einer Stahl- Glaskonstruktion überdacht werden. Die Höhe dieses Atriumdaches hatte geschätzte 10 m oder mehr. Vor Beginn der Montagearbeiten wurde der für die Baustelle zuständige Arbeitsinspektor zu einer Sicherheitsbesprechung eingeladen, bei der es um die Festlegung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für die Errichtung dieser Dachkonstruktion ging. Es nahmen daran die Bauherrenvertreter, die örtliche Bauaufsicht, Vertreter des Bauunternehmens und die ausführenden Professionisten, das waren Stahlbau- und Glasmontageunternehmen teil. Beginnend von der Montage der Stahlkonstruktion wurden die vorgesehenen Schutzmaßnahmen erläutert. Schließlich stand das Thema der Montage der Glaselemente auf der Stahlkonstruktion an. Die üblichen Hilfsmittel, wie Hubarbeitsbühnen, waren wegen der Konstruktion des Stahltragwerkes als räumliches Fachwerk nicht möglich. Eine Einrüstung wäre unverhältnismäßig aufwändig gewesen. Das Glasmontageunternehmen vertrat überhaupt den Standpunkt, dass bei der Verlegung der Glaselemente eine schöne und sichere Standfläche vorhanden sei und daher eine weitere technische Schutzmaßnahme gegen Absturz nicht erforderlich sei. Der Arbeitsinspektor setzte aber durch, dass für diese Arbeit ein Personenschutznetz unter der Stahltragkonstruktion errichtet wird. Dies wurde schlussendlich von allen Beteiligten akzeptiert und umgesetzt.

Wenige Wochen später ging eine AUVA-Unfallmeldung im Amt ein. Es handelte sich dabei um diese Baustelle, Arbeitgeber des Verletzten war das besagte Glaserunternehmen. Im Unfallhergang war beschrieben “Beim Glasen danebengestiegen und während des Fallens ins Schutznetz noch auf einer Eisenstange aufgeschlagen“. Lediglich der Umstand, dass er beim Fallen auf die Stahltragkonstruktion des Glasdaches angestoßen war und auf Grund der dabei erlittenen Verletzung eine Unfallmeldung erstattet worden war, hat dazu geführt, dass der Arbeitsinspektor Kenntnis bekommen hat, dass die von ihm geforderte Schutzmaßnahme ein Menschenleben gerettet hat.

August 2017 - Brandschutz

Beim Bau eines Pflegeheims mit ca. 150 Betten wurden leider in den sehr großen Brandschutzschiebetoren die Gehtüren vergessen. Bei Brandalarm werden durch Brandschutzschiebetore verschiedene Trakte des Pflegeheims abgeschlossen. Andere ordnungsgemäße Fluchtwege aus den abgeschlossenen Trakten waren nicht vorhanden. Auf Grund dieses gefahrenträchtigen Zustandes mussten auch Strafanzeigen erstattet werden. Nach vielen Verhandlungen wurden letztlich alle acht Brandschutzschiebetore getauscht. Bei einem späteren Betriebsbesuch bedankte sich ein Arbeitnehmer ausdrücklich bei der Arbeitsinspektorin, da beim Ausbau der alten Tore auch Mängel an der die Tore umgebenden Mauer entdeckt wurden, die im Zuge des Umbaus saniert werden konnten. Wahrscheinlich hätten die umgebenden Mauern auf Grund dieser Mängel einem Brand gar nicht standgehalten und die Tore hätten nichts genutzt sondern wären einfach umgefallen.

Juli 2017 - psychische Belastungen

Nach der Beratung der Arbeitsinspektion, sowie der AUVA, überlegte der Betrieb die weitere Vorgangsweise in einer Steuergruppe. Ein abteilungsweises Vorgehen entsprechend den „Hot Spots“ der MitarbeiterInnenbefragung war beschlossen, dort wo sich in der MA-Befragung schon schlechtere Werte zeigten, wurde begonnen herauszufinden, ob es dort auch  Arbeitsbedingungen gibt, die gefährlich für die Gesundheit der Beschäftigten sind. Die MitarbeiterInnen wurden informiert, um was es bei der Evaluierung (auch im Gegensatz zur letzten MitarbeiterInnenbefragung) geht. Erwähnenswert ist auch, dass die Produktion sogar unterbrochen wurde, damit für jede Schicht ein Einführungsvortrag gehalten werden konnte.

Belastungen wurden konkret ermittelt und Vorschläge der MitarbeiterInnen zur Verbesserung in ABS-Gruppen (Messverfahren der AUVA) moderiert von der Arbeitsmedizinerin erarbeitet. Aufbauend auf den konkreten Benennungen, was die Arbeit so stört, unterbricht, nervt, dass es auf lange Sicht gesundheitsschädlich ist und den Vorschlägen der MitarbeiterInnen zur Verbesserung wurden Maßnahmen gemeinsam mit den Führungskräften festgelegt.

In Summe wurden so relativ einfach umzusetzende Maßnahmen erarbeitet, die in Summe ein gesünderes Arbeiten mit weniger Stress ermöglichen, z.B.:

  • Pieps Geräusche bei den Messmaschinen wurden deaktiviert (immer wenn es piepste mussten MitarbeiterInnen aufstehen und nachsehen ob es eine Störung ist, oder nur ein Pieps, der keinen Einfluss auf die Produktion hat). Nun piepst es nur noch, wenn die Maschine eine Störung hat, und somit wird die eigentliche Arbeit der MitarbeiterInnen nicht mehr ständig unterbrochen und die akustische Störung durch das häufige Piepsen fiel ebenso weg.
  • Durch eine Umgestaltung des Messraums wurden die Wege zu den Maschinen verkürzt.
  • Die Ordnungssysteme im Werkzeugbau wurden einfach(er) strukturiert.
  • Eine Maschine hatte kaum mehr Kapazitäten frei, es kam immer wieder zu Wartezeiten und damit zu Stress für die Mitarbeitenden. Hier wurde erst an eine neue Maschine gedacht, dann schlug die Sicherheitsfachkraft vor, die Tätigkeiten an der Maschine zu analysieren und es stellte sich heraus, dass nicht mehr alle Arbeitsvorgänge notwendig waren und eingespart werden konnten. Nach einem mehrmonatigen Testlauf konnten 30% neue Kapazitäten und damit kein „Stau“ mehr geschaffen werden.
  • Es stellte sich heraus, dass immer wieder Qualitätsmanager in der Nacht während der Bereitschaft angerufen werden mussten, ob ein bestimmtes Produkt noch in Ordnung ist oder nicht mehr. Um die nächtlichen Störungen zu reduzieren und die Produktion nicht unnötig lange anzuhalten, wurde nach und nach eine Musterkollektion an Produkten, die OK oder Nicht-OK sind angelegt. Damit können nun die MitarbeiterInnen vor Ort bestimmte Fälle selbst entscheiden. Die Anzahl der Störungen der Nachtruhe und auch die damit verbundenen Produktionsstopps konnten beachtlich reduziert werden.
  • Die Tischhöhen wurden ergonomisch an die MitarbeiterInnen angepasst, es wurden zusätzliche Leuchten montiert und die Klimaanlage instandgesetzt.

Juni 2017 - Dachbaustelle

Am 15.3.2017 kam eine Beschwerde durch einen anonymen Anrufer ins Amt.
Bereits am 16.3.2017 führten wir eine Erhebung vor Ort durch. An der Dachbaustelle waren 2 Personen und ein Selbständiger tätig.

Die Absturzhöhe betrug ca. 3,5 bis 4m plus Standplatzhöhe, also kann man von einer Gesamthöhe von ca. 5,5 – 6 m ausgehen. Die Arbeiten wurden aufgrund unserer Intervention eingestellt und es wurde die Behebung der Probleme zugesichert. Konkret die Zusicherung eines Fanggerüstes mit PSA da über 45° Dachschräge. Die Fotos als Beweis wollte der Polier an uns schicken. Am nächsten Morgen gelangten die Foto vom Vortag tatsächlich bei uns ein und zeigen die Behebung der Probleme. Im Strafantrag (wird gestellt werden) wird das schnelle Reagieren mildernd gewertet, werden.

Somit kann man von einer unmittelbaren Unfallverhinderung sprechen, die bei dieser Höhe auch tödlich enden kann. Warum? Diese Höhe reicht gerade aus, dass sich der menschliche Körper im Fall zu drehen beginnt und die Wahrscheinlichkeit, dass die Person mit dem Kopf aufschlägt ist sehr groß.

Fotos vorher und nachher.

 vorher: gefährliche Dacharbeiten ohne Fangschutznachher: Dacharbeiten mit Fangschutz

Mai 2017 – Faire Erfassung der Arbeitszeiten

Fall 1

Die Arbeitsinspektion stellte in einem Betrieb fest, dass die Arbeitszeiten so erfasst wurden, dass sie – stets zu Ungunsten der ArbeitnehmerInnen – auf- bzw. abgerundet wurden. Obwohl sich die Arbeitgeberin dadurch oft gar nicht viel „ersparte“, führte diese Vorgangsweise zu erheblicher Unzufriedenheit unter den ArbeitnehmerInnen.

Die Arbeitsinspektion konnte durch ihre beratende Tätigkeit erreichen, dass diese Praxis abgestellt wurde. Nunmehr werden die Arbeitszeiten korrekt erfasst, wodurch sich auch das Arbeitsklima im Betrieb deutlich verbessert hat.

Fall 2

Beim Betriebsbesuch eines Wohnhauses für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wurde festgestellt, dass die Nachtdienststunden zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr nicht als Arbeitszeiten aufgezeichnet wurden und auch nicht als Arbeitszeiten gerechnet wurden; mit dem Argument, dass diese Zeiten Bereitschaftszeiten seien und nicht voll bezahlt wurden. Nach der Aufforderung den gesetzlichen Zustand herzustellen hat der Betrieb gemeldet, dass nunmehr die Zeiten der Nachtbereitschaft als Arbeitszeit gerechnet würden. Ca. 5 Jahre später lernte ich eine Mitarbeiterin im privaten Rahmen (wieder) kennen. Sie sagte zu mir: "Ich weiß genau wer du bist; wegen dir haben wir Gott sei Dank – damals zwei Mitarbeiterinnen mehr bekommen. – DANKE" Und das bei einem MitarbeiterInnenstand von um die 6 Personen.

April 2017 – Weniger ist oft mehr!

Ein Anruf genügt – und manchmal kann das Leben von ArbeitnehmerInnen leichter gemacht werden. Wie konkret kann man sich das vorstellen? Eine Firma wollte allen ihren Reinigungskräften Sicherheitsdatenblätter zu allen Reinigungsmitteln mit auf den Weg geben – schließlich gehören ArbeitnehmerInnen doch über die Gefahren von Arbeitsstoffen informiert. In einem klärenden Gespräch mit dem Arbeitsinspektorat kam der Aha-Effekt: es war nicht gefordert, dass alle ArbeitnehmerInnen möglichst viel Informationen erhalten, sondern dass Informationen möglichst verständlich sind und dass grundlegende Gefahren und – ebenso wichtig – die Möglichkeit sich davor zu schützen, kommuniziert werden.

Das Ergebnis dieses Informationsgesprächs ist beeindruckend: es konnten auf einer A4-Seite mit Bildern und etwas Text alle Gefahren und alle Schutzmaßnahmen (Tragen von Handschuhen, Verwendung von und Umgang mit Reinigungsmitteln, aber auch ergonomische Fragen) übersichtlich und gut verständlich dargestellt werden. Ebenso wurden im Zuge der Arbeitsstoffevaluierung viele Reinigungsmittel durch weniger gefährliche ersetzt. Was haben nun die ArbeitnehmerInnen davon? Nicht nur verwenden sie weniger gefährliche Arbeitsstoffe, sondern es genügt ein A4-Zettel für ihre schriftliche Arbeitsanweisung – anstelle möglicherweise einen dicken Ordner mit Sicherheitsdatenblättern mitnehmen zu müssen, wie der Arbeitgeber es ursprünglich wollte.

Letzte Änderung am: 31.10.2017

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