Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Gute Beratung - Faire Kontrolle

Belastung und Beanspruchung

Jede Tätigkeit ist mit verschiedenen von außen auf den Menschen einwirkenden Belastungen verbunden:

  • physische Belastungen
  • psychische Belastungen
  • Umgebungsbelastungen

Belastungen werden (individuell unterschiedlich) als Beanspruchung wahrgenommen. Diese Wahrnehmung kann positiv sein, kann aber auch zu negativen Folgen führen. Entscheidend sind dabei die eigene Leistungsvoraussetzung sowie Umfang und Dauer der Einwirkung.

Eine beanspruchungsoptimierte Gestaltung der Arbeit kann dazu beitragen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Tätigkeit als anregend erleben, in der sie ihre Fähigkeiten optimal einsetzen können, durch die Technik dabei untertstützt werden und schlussendlich die Arbeit Freude bereitet.

Leistungsvoraussetzungen des Menschen

Leitsatz:

"Es geht nicht darum, Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter zu finden, die extreme Anforderungen erfüllen, sondern eine Aufgabe so zu gestalten, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese erfüllen können!"

Kein Mensch gleicht dem anderen. Alter, Geschlecht, Veranlagung, körperliches Wachstum und viele Eigenschaften mehr sind verschieden. Zu den wichtigsten Eigenschaften zählen:

  • Variabilität physischer und psychischer Eigenschaften
  • Einfluss des Lebensalters
  • Einfluss des Geschlechts
  • Einfluss der Tageszeit

Die physischen und psychischen Eigenschaften des Menschen, wie Körpergröße, Körperkraft oder bspw. auch die Reaktionsschnelligkeit, unterliegen einer statistischen Verteilung. Standard in der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung ist, dass Arbeitsplätze so eingerichtet werden, dass sie für 90 % der zu erwartenden Beschäftigten geeignet sind (Bereich zwischen dem 5. und dem 95. Perzentil). Bekanntestes Beispiel dafür ist die Verstellmöglichkeit von Tischen und Arbeitsstühlen. Für besonders kleine oder besonders große Menschen sind daher aber immer individuelle Sonderlösungen notwendig.

Altersabhängigkeit der Leistungsvoraussetzungen

Die Arbeit sollte dem Prozess des Alterns entsprechend gestaltet werden. Der Prozess des Alterns setzt bereits in der Jugend an, deshalb soll eine "alternsgerechte Arbeitsgestaltung" schon bei jungen Arbeitnehmerinnen Arbeitnehmern beginnen.

Weitere Informationen siehe "Alternsgerechte Arbeitsgestaltung"

Tagesgang der Leistungsbereitschaft

Physiologische Funktionen sind tageszeitabhängig. Gleiche Arbeiten werden daher zu verschiedenen Tageszeiten als unterschiedlich beanspruchend empfunden. Dies ist insbesondere bei der Schichtarbeit zu berücksichtigen. Die meist für Tagesschichten konzipierte Gestaltung des Arbeitsplatzes erweist sich oftmals als ungenügend für die Nacht.

Physische Belastung

Der traditionelle Begriff der körperlichen Belastung reicht für die heutigen Belastungssituationen nicht mehr aus. Folgende Schwerpunkte bestehen aus heutiger Sicht:

  • Handhabung von Lasten
  • erzwungene Körperhaltungen
  • häufig wiederkehrender Einsatz kleiner Muskelgruppen
  • Bewegung unter ungünstigen räumlichen Bedingungen
  • überhöhter Kraftaufwand

Körperliche Beanspruchungen betreffen hauptsächlich:

  • Skelettbeanspruchung
  • Kreislaufbeanspruchung
  • Muskelbeanspruchung

Diese Beanspruchungen treten immer gemeinsam auf und führen zum Teil zu Verschleißerscheinungen am Bewegungs- und Stützapparat, im übrigen zur Ermüdung.

Schwere körperliche Arbeit

Diese wird in der Regel über den erhöhten Energeieaufwand bei der Tätigkeit definiert. Neben der körperlichen Konstitution und Verfassung sind auch Klimaparameter (Lufttemperatur, Luftfeuchte) dabei von Bedeutung.

Handhaben von Lasten

Lastenhandhabung findet sich in den Betrieben oftmals dort, wo bestimmte Arbeitsvorgänge selten erfolgen oder maschinell nicht wirtschaftlich durchgeführt werden können. Die Handhabung erfolgt am häufigsten durch Ziehen,  Schieben, Heben, Tragen, Absetzen oder Halten.

Bei der Handhabung von Lasten werden das Muskell-Skelettsystem, das Herz-Kreislaufsystem und bei Frauen die Muskulatur des Beckenbodens besonders beansprucht.

Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ist die manuelle Lasthandhabung entsprechend zu berücksichtigen, um Unfälle und Schädigungen durch Überbelastung zu vermeiden.

Ebenfalls zu berücksichtigen ist die körperliche Eignung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
(siehe dazu § 6 ASchG sowie Bestimmungen über Jugendliche und werdende Mütter).

Ist die Vermeidung manueller Lasthandhabung nicht möglich, z.B. durch Automatisierung, so muss die Belastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Zurverfügungstellen von Lasthandhabungsmitteln (Fördermittel, Traghaken, Gurte, ...) oder durch organisatorische Maßnahmen auf ein gesundheitsgerechtes Ausmaß verringert werden.

§ 64 ASchG

Weitere Informationen siehe "Manuelle Lasthandhabung".

Psychische Belastung

Das früher eher durch schwere körperliche Arbeit und die schädigende Einwirkung von Arbeitsumweltfaktoren gekennzeichnete Belastungsspektrum in der Arbeitswelt hat sich durch Technologieeinsatz und neuer Arbeitsformen zu psychomentalen und psychosozialen Belastungen hin verschoben. So können nicht nur ungünstige Arbeitsplatzgestaltungen und unergonomische Arbeitsabläufe, sondern auch rasche Innovation, Zeitdruck, Konflikte und soziale Isolation am Arbeitsplatz zu Gesundheitsgefahren werden.

"Gefahren durch psychische Belastung bei der Arbeit, also arbeitsbedingte psychische Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen können entstehen, wenn die Arbeitsanforderungen und die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten nicht zusammenpassen.

Dieses Ungleichgewicht führt bei längerer Dauer zu kurz- und langfristigen Fehlbeanspruchungen."

Weitere Informationen siehe "Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen".

Letzte Änderung am: 07.02.2019

Unterseiten zu diesem ThemaFurther Information

Dokumente zu diesem ThemaPublications