Beratungsoffensive COVID-19

Im Zusammenhang mit der Verbreitung von SARS-COV-2 stehen Betriebe und Beschäftigte vor einer herausfordernden Situation. Dabei hat der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oberste Priorität. Die Arbeitsinspektion unterstützte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit einem Beratungsschwerpunkt bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen.

Hintergrund

Auch in Betrieben kann es zu COVID-19-Clusterbildungen kommen und es besteht ein präventiver Handlungsbedarf betreffend betrieblicher Schutzmaßnahmen. Gerade dort, wo  viele Menschen miteinander arbeiten, ist besondere Vorsicht geboten.  

Die Arbeitsinspektion bot ihre Expertise zur betrieblichen Prävention dabei den Unternehmen bei der Umsetzung der allgemeinen Gesundheitsschutzmaßnahmen als Unterstützung an.

Der Beratungsschwerpunkt wurde auch mit dem Gesundheitsministerium und den Landessanitätsdirektionen Wien und NÖ inhaltlich akkordiert. Die Land- und Forstwirtschaftsinspektion Oberösterreich hat das Konzept für die Beratungen der Betriebe aufgenommen und in deren Zuständigkeitsbereich ebenfalls Beratungen durchgeführt (Ergebnisse siehe Bericht). 

Ablauf und Inhalt

Im Rahmen dieses Schwerpunktes wurden 1010 Betriebe aus verschiedenen Wirtschaftsklassen (vor allem: Lebensmittel- und Getränkeherstellung, Abfallbeseitigung, Großhandel, Einzelhandel, Lagerei, Postdienste, Verlagswesen, Call Centers) besucht.

Die Auswahl der Wirtschaftsklassen folgte dem Gedanken, dass die typische Arbeitsweise in diesen Betrieben durch eine höhere Dichte von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen gekennzeichnet ist und auch ein höheres Ausmaß an Zusammenarbeit erfolgt.

Die Inhalte der Beratungsoffensive drehten sich neben den bekannten Hygiene- und Abstandsregeln vor allem um die Lüftung von Arbeitsräumen, die Notfallplanung, den Umgang mit Gemeinschaftsunterkünften und um Personaltransporte. Im Fokus waren auch die Unterweisung und Information der Belegschaft sowie überlassener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die privaten Wohn- und Lebensbedingungen von Beschäftigten konnten dabei nicht erfasst werden.

Ergebnisse

In 808 von 1010 der beratenen Betriebe (80%) wurden gar keine unmittelbaren Verbesserungspotentiale erkannt, der jeweilige Betrieb hat also durchwegs geeignete Maßnahmen in den einzelnen Themenbereichen ergriffen.

Wie sich die Verbesserungspotentiale auf die Wirtschaftsklassen aufteilen, können Sie dieser Tabelle entnehmen:

WKL Bezeichnung Anzahl Betriebe Betriebe mit Verbesserungspotential Quote in WKL
1000 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 267 44 16,5%
1100 Getränkeherstellung 35 8 22,9%
3800 Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen; Rückgewinnung 60 10 16,7%
4600 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 192 39 20,3%
4701 Einzelhandel 169 32 18,9%
5200 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr 84 17 20,2%
5300 Post-, Kurier- und Expressdienste 117 38 32,5%
5800 Verlagswesen 46 6 13,0%
8220 Call Centers 40 8 20,0%
Summe   1010 202 20,0%

Verbesserungspotentiale, welche sich gleichartig bei verschiedenen Unternehmen zeigten, bildeten die Ausnahme. Zumeist handelte es sich dabei um die Einhaltung des Mindestabstands in Zonen außerhalb des Kernarbeitsbereiches (Raucherbereiche, bei der Stechuhr, Begegnungszonen mit Externen).

Insgesamt wurde der Beratungsschwerpunkt COVID-19 von den Betrieben sehr gut angenommen. In vielen Betrieben sind gute Lösungen erarbeitet worden, um die Ansteckungsgefahr von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern minimieren zu können. 

Exemplarische Lösungen in Betrieben (Good-Practice):

Kontaktloses Türöffnen mittels Plastikhakens  

In einem Unternehmen wurden für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Haken aus Kunststoff zum kontaktlosen Öffnen der Türschnallen angefertigt.

Mobiler Kunststoff-Raumteiler  

Hier wurden auf den Besprechungstischen mobile Raumteiler aus Kunststoff aufgestellt, um keine Gesichtsmasken tragen zu müssen.

Trennelemente aus Folien bei Industriearbeitsplätzen An Industriearbeitsplätzen wurden Trennelemente aus Folien angebracht. Sie grenzen Arbeitsplätze voneinander ab, lassen sich bei Bedarf aber auch schnell versetzen.
Darstellung des Mindestabstand durch gebräuchliche Gebinde Der Abstand zu anderen Arbeitsplätzen war immer ein Thema. Manchmal wurde der Mindestabstand durch, im Unternehmen gebräuchliche, Gebinde erklärt und dargestellt
Temperaturmessungen bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern

Als organisatorische Maßnahme wurde in einigen Betrieben regelmäßig die Temperatur der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gemessen. Erhöhte Körpertemperaturen sollen so schnell erkannt werden können.

Zusätzlicher Wassertank an der Außenseite eines LKW zum Händewaschen Zusätzlicher Wassertank an der Außenseite eines LKW für hygienisch sauberes Wasser um sich jederzeit die Hände waschen zu können.
Beschränkung der maximal zulässigen Personenzahl im Aufzug Freiwillige Beschränkung der maximal zulässigen Personenanzahl im Aufzug.
Ausreichender Abstand von den Kundinnen und Kunden zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Ausreichender Abstand von den Kundinnen und Kunden zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Hinweis, dass nur einzelne Personen pro Haushalt den Familieneinkauf tätigen sollen Hinweis, dass nur einzelne Personen pro Haushalt den Familieneinkauf tätigen sollen.

Bericht - Beratungsoffensive COVID - 19

Eine Auflistung aller guten praktischen Beispiele finden Sie ebenso wie Statistiken und weiterführende Informationen im Abschlussbericht "Beratungsoffensive COVID-19".
Update 29.6.2020: Der Bericht wurde um die Informationen zur Beratungsoffensive der Land- und Forstwirtschaftsinspektion Oberösterreich ergänzt

Letzte Änderung am: 29.06.2020