Arbeitsinspektion

Explosionsfähige Atmosphären

VEXAT - Verordnung explosionsfähige Atmosphären

Explosionsfähige Atmosphäre ist ein Gemisch aus Luft oder anderer oxidativer Atmosphäre und brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben, in dem sich der Verbrennungsvorgang nach erfolgter Entzündung auf das gesamte unverbrannte Gemisch überträgt.

Häufig wird der Begriff "Explosionsfähige Atmosphäre" mit Explosivstoffen ("Sprengstoffen") gleichgesetzt, es handelt sich aber um völlig unterschiedliche Begriffe.

Die Verordnung explosionsfähige Atmosphären (VEXAT) beinhaltet Bestimmungen wie ArbeitnehmerInnen vor den Auswirkungen von explosionsfähigen Atmosphären zu schützen sind.

Die VEXAT legt nicht nur eine Rangordnung des Explosionsschutzes fest - primärer, vor sekundärem, vor konstruktivem Explosionsschutz, sondern beinhaltet auch noch zahlreiche andere Bestimmungen unter Anderem zum Einteilen von Zonen, zum Erstellen von Explosionsschutzdokumenten, zur Unterweisung und Arbeitsfreigabe, aber auch zum Befahren von Behältern und ähnlichen Betriebseinrichtungen.

Die Inhalte der VEXAT sind wie folgt:

Allgemeine Bestimmungen

§ 1. Anwendungsbereich
§ 2. Begriffsbestimmungen (Definitionen, Bedeutungen)
§ 3. Explosionsfähige Atmosphären und explosionsgefährdete Bereiche
§ 4. Ermittlung und Beurteilung der Explosionsgefahren (Evaluierung)
§ 5. Explosionsschutzdokument
§ 6. Information, Unterweisung, Arbeitsfreigabe (Schulung, Überwachung der Schutzmaßnahmen)
§ 7. Prüfungen
§ 8. Messungen
§ 9. Gefahrenanalyse (Eignung von Einrichtungen)

Explosionsschutz-Maßnahmen

§ 10. Grundsätze des Explosionsschutzes (Maßnahmen und deren Rangfolge)
§ 11. Primärer Explosionsschutz: Verhindern der Entstehung von explosionsgefährdeten Bereichen
§ 12. Einstufen und Kennzeichnen explosionsgefährdeter Bereiche (Zonen)
§ 13. Bauliche Ausführung von explosionsgefährdeten Bereichen
§ 14. Sekundärer Explosionsschutz: Vermeiden von Zündquellen
§ 15. Anforderungen an elektrische Anlagen und an Gegenstände in explosionsgefährdeten Bereichen
§ 16. Vorsorge für Störungen
§ 17. Behälter und ähnliche Betriebseinrichtungen (z.B. Silos, Rohrleitungen)
§ 18. Untertagebauarbeiten
§ 19. Bohr- und Behandlungsarbeiten
§ 20. Konstruktiver Explosionsschutz: Begrenzung der Auswirkungen von Explosionen

Übergangs- und Schlussbestimmungen

§ 21. Übergangsbestimmungen (Anwendung von Bestimmungen für Altbestand)
§ 22. Schlussbestimmungen

Elektrische Anlagen und Gegenstände in explosionsgefährdeten Bereichen

Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen müssen die im Anhang der VEXAT angeführten Anforderungen erfüllen.

Es dürfen nur Arbeitsmittel (z.B. elektrische Geräte), Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung verwendet werden, die nach dem Stand der Technik dafür geeignet sind und bestimmungsgemäß verwendet werden.

Zu achten ist auf:

die Vermeidung wirksamer Zündquellen,
äußere Einflüsse, die den Explosionsschutz beeinträchtigen können
die Wirkung von Sicherheits-, Kontroll- und Regeleinrichtungen.
Werden Geräte und Schutzsysteme im Sinne der Explosionsschutzverordnung 1996 verwendet, müssen sie der Gruppe II entsprechen, und zwar

  • in Zone 0: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1G (G für Gase, Dämpfe, Nebel)
  • in Zone 1: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1G oder 2
  • in Zone 2: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1G, 2G oder 3G
  • in Zone 20: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1D (D für Staub/Luft-Gemische)
  • in Zone 21: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1D oder 2D
  • in Zone 22: Geräte und Schutzsysteme der Kategorie 1D, 2D oder 3D.

In medizinisch genutzten Räumen dürfen in explosionsgefährdeten Bereichen nur medizinische elektrische Geräte verwendet werden, die den Anforderungen folgender Klassen im Sinne der ÖVE EN 60601-1 (A1+A2 eingearbeitet) + A12 + A13:1996-03, „Medizinische elektrische Geräte, Allgemeine Festlegungen für die Sicherheit", entsprechen:

in Zone G: der Klasse "APG" (Anästhesiemittel-Prüfung der Klasse G),
in Zone M: der Klasse "APG" (Anästhesiemittel-Prüfung der Klasse G) oder der Klasse "AP" (Anästhesiemittel-Prüfung der Klasse M).

Wenn in medizinisch genutzten Räumen explosionsgefährdete Bereiche durch andere explosionsfähige Atmosphären als durch Anästhesiemittel oder medizinische Hautreinigungs- oder Desinfektionsmittel auftreten, müssen medizinische elektrische Geräte zusätzlich den Anforderungen der Gruppe II nach ExSV 1996 entsprechen.

Arbeitsmittel dürfen nur verwendet werden, wenn sie laut Herstellerangaben für den betreffenden Arbeitsstoff geeignet sind oder wenn

  • die Temperaturklasse des Gerätes oder Schutzsystems die Zündtemperatur der jeweiligen gas-, dampf- oder nebelförmigen explosionsfähigen Atmosphären nicht überschreitet oder
  • zwei Drittel der Zündtemperatur der jeweiligen explosionsfähigen Staubatmosphären nicht überschreitet oder
    für mögliche Staubablagerungen die um 75 °C verminderte Glimmtemperatur des jeweiligen Staubes nicht überschreitet, wobei die Schichtdicken 5 mm nicht überschreiten dürfen; ansonsten ist eine größere Verminderung als 75 °C nach Stand der Technik festzulegen und
  • die Geräteuntergruppe von Geräten oder Schutzsystemen der Zündschutzart „druckfeste Kapselung (d)" oder „Eigensicherheit (i)" so ausgewählt wird, dass je nach Art der Gase und Dämpfe, die die explosionsfähigen Atmosphären bilden können, die zünddurchschlagsichere Normspaltweite oder bei Eigensicherheit der Mindestzündstrom (Stand der Technik) nicht überschritten wird, und
  • in der vorliegenden Zone die Geräte oder Schutzsysteme mit Zündschutzarten ausgestattet sind, die den Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen entsprechen.

Geräte, Schutzsysteme oder medizinische elektrische Geräte, die anders klassifiziert sind, dürfen in explosionsgefährdeten Bereichen nur dann verwendet werden, wenn durch eine geeignete, fachkundige Person ( § 7 Abs. 5 VEXAT) schriftlich festgestellt wurde, dass sie eindeutig geeignet und sicher sind.

Geräte, Schutzsysteme oder medizinische elektrische Geräte, die nicht für die Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen klassifiziert sind oder für die keine eindeutige Eignung für die Zone festgestellt werden konnte, dürfen in explosionsgefährdeten Bereichen dann verwendet werden, wenn die Gefahrenanalyse (§ 9 VEXAT) ergeben hat, dass sie eindeutig geeignet und technisch sicher sind.

§ 15 VEXAT

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel, die in explosionsgefährdeten Bereichen verwendet werden, müssen vor der ersten Inbetriebnahme auf ihre Sicherheit überprüft werden; weiters auf ihren ordnungsgemäßen Zustand wiederkehrend:

  • längstens ein Jahr bei außergewöhnlichen Beanspruchung (z.B. mechanische Einwirkung, starke Verschmutzung, Chemikalien, Feuchtigkeit, Kälte, Hitze und in übertägigen Bergbauen;
  • längstens ein Monat in untertägigen Bergbauen;
  • im Übrigen längstens drei Jahre.

Werden Änderungen, Erweiterungen oder Umgestaltungen vorgenommen, die sich auf die Explosionssicherheit auswirken, sind die Prüfungen zu ergänzen.

Prüfungen sind von geeigneten, fachkundigen Personen durchzuführen (Kenntnisse, Berufserfahrung, Gewähr für eine gewissenhafte Erledigung, auch Betriebsangehörige) .

§ 7 VEXAT

Allgemeine Bestimmungen zu elektrischen Anlagen finden sich hier.

 

Explosionsschutz in kleineren und mittleren Unternehmen - Realisierungsgrad

Mit den Schwerpunktaktionen (SPA) Explosionsschutz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), durchgeführt 2006 und 2009, wurde der Realisierungsgrad in kleinen und mittleren Unternehmen anhand von KFZ-Lackierereien und Tischlereien erhoben.

Es wurden der kurz- und mittelfristige zeitliche Verlauf des Grades der Realisierung des Explosionsschutzes in KMU in bestimmten Branchen sowie der kurz- und mittelfristige zeitliche Verlauf der Wirkung von Information und Beratung durch die Arbeitsinspektion erhoben.

Die Berichte mit den Ergebnissen können in Deutsch und Englisch unter vii2@sozialministerium.at angefragt werden.

Letzte Änderung am: 03.02.2016

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