Sozialministerium - Arbeitsinspektion
Arbeitsinspektion

Verkehrswege - Fluchtwege - Notausgänge

Jede Arbeitsstätte muss über entsprechende Flucht- und Verkehrswege verfügen.

Fluchtwege müssen ein rasches Verlassen einer Arbeitsstätte in einem Gefahrenfall ermöglichen. 
Verkehrswege dienen dem in einer Arbeitsstätte üblichen Fußgänger- und Fahrzeugverkehr.

Verkehrswege und Ausgänge

Arbeitsstätten sind so zu gestalten, dass

  • aus jedem Arbeitsraum ein Ausgang direkt auf einen Fluchtweg führt und
  • aus folgenden Arbeitsräumen mindestens zwei Ausgänge,die hinreichend weit voneinander entfernt sind und nach Möglichkeit auf verschiedenen Seiten des Raumes liegen und direkt auf einen Fluchtweg führen:
    • Arbeitsräume mit einer Bodenfläche von mehr als 200 m², in denen mehr als 20 ArbeitnehmerInnen beschäftigt werden oder
    • Arbeitsräume mit einer Bodenfläche von mehr als 500 m².


Ausgänge sind so zu gestalten, dass sie auf ihrer tatsächlichen nutzbaren Gesamtbreite eine lichte Höhe von mindestens 2,0 m aufweisen.

Ausgänge müssen, sofern nicht die Bestimmungen über Notausgänge anzuwenden sind,
folgende nutzbare Mindestbreite aufweisen:

  • Ausgänge ohne Fahrzeugverkehr: 0,8 m
  • Ausgänge mit Fahrzeug- und Fußgängerverkehr: die maximale für den betreffenden Ausgang vorgesehene Fahrzeugbreite bzw. Breite der Ladung plus beidseits je 0,5 m
  • Wenn ein Ausgang überwiegend für den Fahrzeugverkehr bestimmt
    ist, ist
    • daneben ein eigener, als solcher gekennzeichneter Ausgang für den Fußgängerverkehr einzurichten oder
    • der Ausgang mit einem Geländer in einen für den Fahrzeugverkehr vorgesehenen Abschnitt und in einen mindestens 0,8 m breiten für den Fußgängerverkehr vorgesehenen und als solchen gekennzeichneten Abschnitt zu unterteilen.

Böden müssen tragfähig und sicher befestigt sein, Vertiefungen sind zu vermeiden oder unverschiebbar abzudecken. Stufen und Hindernisse sind zu vermeiden, oder in Ausnahmefällen deutlich zu kennzeichnen.

Die Beleuchtung am Verkehrsweg muss eine Beleuchtungsstärke von mindestens 30 Lux aufweisen.

Für Verkehrswege im Freien ist eine Ausnahme von der Beleuchtungsstärke 30 Lux möglich, wenn die in der ÖNORM EN 12464-2 angeführten Mindestbeleuchtungsstärken eingehalten werden. Informationen zur Ausnahme enthält der Erlass Verkehrswegbeleuchtung im Freien .

Rampen: Neigung höchstens 1:10
In Räumen mit mehr als 1000 m² sind Verkehrswege durch Bodenmarkierung zu kennzeichnen.

§ 2 AStV
§ 3 AStV
§ 21 ASchG

Fluchtwege

Bei Verlassen eines Arbeitsraumes oder nach höchstens 10 m (von jedem Punkt der Arbeitsstätte) muss ein Fluchtweg erreichbar sein.

Anforderungen an den Fluchtweg (bis zum Verlassen der Arbeitsstätte)

  • Die Mindestbreite muss:
    • bis zu 20 Personen 1,0 m
    • bis zu 120 Personen 1,2 m
    • für je weitere 10 Personen 0,1 m betragen

  • Gewendelte Stiegen sind nur zulässig, wenn:die Auftrittsbreite mindestens 20 cm beträgt, oder
    nicht mehr als 60 Personen auf die Stiege angewiesen sind.
  • Böden, Wände und Decken müssen:schwer brennbar und schwach qualmend sein.
  • Fluchtwege müssen:
    • jederzeit ungehindert benützbar sein und
    • dürfen nicht verstellt oder eingeengt werden.
  • Fluchtwege müssen eindeutig erkennbar sein.
  • Fluchtwege dürfen nicht von Gegenständen begrenzt werden, die leicht umgestoßen werden können.
  • Fluchtwege dürfen nicht durch Bereiche führen, in denen gefährliche Stoffe die Flucht behindern können.
  • Aufzüge, Fahrtreppen oder Fahrsteige können keine Fluchtwege sein.

Werden sinnes- oder bewegungsbehinderte ArbeitnehmerInnen beschäftigt, ist durch geeignete technische oder organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass diese den Eintritt einer Gefahr rechtzeitig wahrnehmen können und ihnen im Gefahrenfall das rasche und sichere Verlassen der Arbeitsstätte möglich ist.

Abmessungen von Fluchtwegen und Notausgängen bei mehrgeschossigen Gebäuden, § 18 Abs. 3 AStV ("Drei-Geschoße-Regel")

Spezialfall Fluchtwege über Außenstiegen - Witterungsschutz

Für außen liegende Stiegen, über die ein Fluchtweg führt, sind die Anforderungen des § 19 Abs. 5 AStV einzuhalten (Stiege nicht brennbar, Türen zu dieser brandhemmend und brandbeständige Wandscheibe, Fenster  brandhemmend, Witterungsschutz).

Türen vom Gebäude zur Außenstiege gelten als Endausgänge, da sie in einen sicheren, öffentlich zugänglichen Bereich im Freien führen (§ 17 Abs. 3 AStV). Ein allfällig vorhandener Witterungsschutz ändert nichts daran. Da außen liegende Stiegen bereits das „Freie“ darstellen, sind § 21 AStV (Gesicherte Fluchtbereiche) und § 19 Abs. 3 AStV (Fluchtwege in Gebäuden über Stiegen) nicht anzuwenden.

Weitere Informationen enthält der Erlass: Fluchtwege über Außenstiegen § 19 Abs. 5 AStV

§ 16 AStV
§ 17 AStV
§ 18 AStV
§ 19 AStV

Hinweis: Brandverhalten- Europäische Baustoffklassen

  • A1 = nicht brennbar
  • A2 = nicht brennbar
  • B,C = schwer entflammbar
  • D,E = normal entflammbar
  • F = leicht entflammbar
  • s1 = keine/kaum Rauchentwicklung
  • s2 = begrenzte Rauchentwicklung
  • d0 = kein Abtropfen
  • d1 = begrenztes Abtropfen

Notausgänge

Alle Ausgänge im Verlauf von Fluchtwegen sind Notausgänge.

Anforderungen an Notausgänge

Mindestbreite von Notausgängen:

  • bis zu 20 Personen 0,8 m
  • bis zu 40 Personen 0,9 m
  • bis zu 60 Personen 1,0 m
  • bis zu 120 Personen 1,2 m
  • für je weitere 10 Personen 0,1 m

Notausgänge:

  • müssen jederzeit leicht und ohne fremde Hilfsmittel zu öffnen sein,
  • dürfen nicht verstellt oder eingeengt sein,
  • müssen eindeutig erkennbar sein,
  • dürfen nicht von Gegenständen begrenzt werden, die leicht umgestoßen werden können,

Türen für mehr als 15 Personen müssen in Fluchtrichtung zu öffnen sein.

Automatische Türen sind nur zulässig, wenn sie:händisch leicht in Fluchtrichtung zu öffnen sind oder
bei Störung selbsttätig öffnen und geöffnet bleiben.

Drehtüren sind nicht zulässig.

§ 17 AStV
§ 18 AStV
§ 20 AStV

Letzte Änderung am: 10.02.2017