Sie befinden sich hier: Arbeitsschutz > Gender Mainstreaming > Gender Mainstreaming im Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
Gender Mainstreaming ist eine langfristige Strategie zur Gleichstellung, die sowohl Frauen als auch Männer und die Geschlechterverhältnisse in allen Angelegenheiten und allen Bereichen in den Blickpunkt stellt.
"Gender" bezeichnet das "soziale Geschlecht" – Vorstellungen und Erwartungshaltungen an Frauen und Männer (soziale Rollen, die veränderbar sind und dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen), im Unterschied zum biologischen Geschlecht. Auch am Arbeitsplatz sind oft traditionelle Rollenbilder und Eigenschaftszuschreibungen wirksam, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen und für Männer erschweren.
Allgemeine Informationen zu Gender Mainstreaming, Anwendungsmethoden und Umsetzung in Österreich sowie aktuelle Hinweise bietet das Webportal der interministeriellen Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming und die Website des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK).
Gender Mainstreaming im Arbeitsschutz ist eine Strategie zur Gewährleistung von
Gender Mainstreaming im betrieblichen Arbeitsschutz bedeutet auch, dass Arbeitgeber/innen und Personen mit Arbeitsschutzaufgaben (z.B. Sicherheitsfachkräfte, Arbeitsmediziner/innen) bei der Umsetzung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes und bei Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung Genderaspekte berücksichtigen und so einen für alle Beschäftigten qualitativ wirksameren Arbeitsschutz gewährleisten – vor allem durch eine gendergerechte Gefährdungsbeurteilung, die Belastungen und Risken für alle Beschäftigten mit einbezieht.
Frauen und Männer sind nach wie vor in bestimmten Branchen häufiger beschäftigt (geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation) und damit auch häufiger bestimmten branchentypischen Sicherheits- und Gesundheitsschutzrisken am Arbeitsplatz ausgesetzt. Manche Gefahren und Belastungen werden dabei unterschätzt oder sogar übersehen.
Oft sind auch am Arbeitsplatz traditionelle Rollenzuschreibungen wirksam, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen und für Männer erschweren und Handlungsmöglichkeiten einschränken.
Die Handlungsfelder und Beschäftigungsmöglichkeiten besonders für Frauen, aber auch für Männer, die nicht dem klassischen Rollenbild entsprechen, können durch Einbeziehung der Genderperspektive erweitert und damit tradierten Rollenzuschreibungen am Arbeitsplatz entgegengewirkt werden. Das gilt auch im Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.
Gleichzeitig wird der betriebliche Arbeitsschutzstandard für alle Beschäftigten wirksamer, wenn Arbeitsplätze und Arbeitsvorgänge gendergerecht für alle am Arbeitsplatz tätigen Menschen gestaltet werden und nicht, wie in der Vergangenheit meist üblich, am Maßstab eines männlichen Durchschnittsarbeitnehmers orientiert sind.
Genderrelevante Themen des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz sind vor allem
Mehr zu GM in Projekten, Good/Best Practices
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) hat ein Webportal zu geschlechtsspezifischen Fragen in der Arbeitswelt eingerichtet mit weiteren Informationen zur Berücksichtigung von Genderaspekten im Arbeitsschutz, z.B.
In Publikationen der Arbeitsinspektion zum Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz werden Genderfragen themenbezogen integriert, z.B.
In Projekten der österreichischen Arbeitsschutzstrategie 2007-2012 und Beiträgen der Arbeitsinspektion zu Europäischen Wochen werden ebenso Genderaspekte im Arbeitsschutz berücksichtigt - z.B. Gender Mainstreaming und Muskel-Skelett-Erkrankungen, Genderaspekte Orchestermusik/KODEX zur Lärmreduktion im Musik- und Unterhaltungssektor oder bei Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen.
Ergänzend zur Genderperspektive wird Diversity im ArbeitnehmerInnenschutz einbezogen um sichere und gesunde Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmer/innen zu gewährleisten - für Frauen, für Männer, ältere/jüngere Beschäftigte, Arbeitnehmer/innen mit Einschränkungen/Behinderungen, Beschäftigte mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen unabhängig von ethnischer Herkunft, Weltanschauung, Religion oder sexueller Orientierung, jeweils mit dem Fokus Gender. Die diskriminierungsfreie Einbeziehung relevanter Diversityfragen in den Sicherheits- und Gesundheitsschutz kann die Arbeitsbedingungen aller verbessern und zur Chancengleichheit am Arbeitsplatz beitragen.
Auch die Präventionsziele der österreichischen Arbeitsschutzstrategie 2007-2012 sollen unter Berücksichtigung von Gender- und Altersaspekten erreicht werden. So ist in der gemeinsamen Resolution zur Arbeitsschutzstrategie 2007 - 2012 (pdf-658 kB) die Prävention vor allem gegen Muskel-Skelett-Erkrankungen und Hauterkrankungen (mit Schwerpunkt Feuchtarbeit) unter besonderer Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Betriebskultur und Branche ein Schwerpunkt zur Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen und Berufskrankheiten. Die Bewußtseinsbildung und Stärkung der Prävention und verbesserte Hilfestellung bei Gewalt am Arbeitsplatz (interne und externe Gewalt) ist ebenso ein wichtiges Ziel.
Durch eine stärkere Berücksichtigung von Gender Mainstreaming und Diversity kann der Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz für alle Beschäftigten wirksamer gestaltet und gender- und diversitygerechte Arbeitsbedingungen für alle besser gewährleistet werden.
Die Arbeitsinspektion nimmt auf unterschiedliche Arbeitssituationen von weiblichen und männlichen Beschäftigten Bedacht, berücksichtigt geschlechtsspezifische Wirkungen von Arbeitsschutzmaßnahmen und bezieht diese in ihre Tätigkeit mit ein.
Die Arbeitsinspektion trägt durch die verstärkte Berücksichtigung der Genderperspektive in ihrer Beratungs- und Kontrolltätigkeit zur Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags, auf die Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes zu achten, auch unter Genderaspekten bei (Arbeitsinspektionsgesetz - § 3 ArbIG).
Genderfragen, zunehmend verbunden mit Diversityaspekten im Arbeitsschutz werden entsprechend der Mainstreaming-Strategie in Schwerpunktaktionen, Projekten und Publikationen der Arbeitsinspektion berücksichtigt – z.B. beim Sicherheits- und Gesundheitsschutz im Hotel- und Gastgewerbe oder Reinigungsgewerbe, bei manueller Lastenhandhabung, alter(n)sgerechter Arbeitsgestaltung oder der Prävention gegen arbeitsbedingte psychosoziale Belastungen, vor allem bei Stress und zur Hilfestellung gegen Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz.
In der österreichischen Arbeitsinspektion wurde die Gleichstellung der Geschlechter mit Hilfe des Gender Mainstreaming erstmals 2002 systematisch im Qualitätsmanagement-Prozess (Total Quality Management - EFQM) der Arbeitsinspektion thematisiert - ausgehend von den Ministerratsbeschlüssen der Bundesregierung zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in der Bundesverwaltung und der EU-Gemeinschaftsstrategie für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz. Im Leitbild der Arbeitsinspektion und Frauenförderungsplan des Ressorts ist Chancengleichheit wichtiges Ziel.
Zur Begleitung der Gender Mainstreaming-Implementierung in der Arbeitsinspektion und ihrer Beratungstätigkeit wurden eine Gender Mainstreaming-Arbeitsgruppe und ein Gender Mainstreaming-Netzwerk in der Arbeitsinspektion eingerichtet. Nach dem Top-Down-Prinzip absolvieren Führungskräfte und Multiplikator/innen der Arbeitsinspektorate GM-Implementierungsseminare in der Arbeitsinspektion. Die Genderperspektive wird so organisationsintern und in die extern wirksame Beratungstätigkeit der Arbeitsinspektion "step by step" integriert.
Informationsfolder der Arbeitsinspektion zu Gender Mainstreaming bei Implementierungsbeginn:
Weitere Informationen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in Arbeitsinspektion und Arbeitsschutz und zur Frauenerwerbsarbeit in der Geschichte der Arbeitsaufsicht.
Methoden und Instrumente zur Anwendung von Gender Mainstreaming sind bekannt aus Personalmanagement und Organisationsentwicklung. Die Tools werden um die Genderperspektive erweitert und organisationsspezifisch adaptiert - z.B. "6 Schritte zu Gender Mainstreaming", "4-R-Methode" oder "GM in Projekten". Die Methoden und Instrumente zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in die betriebliche Arbeitsschutzpraxis sind auch für Kleinunternehmen nützlich.
Mehr Informationen zu Methoden und Instrumenten u.a. in
Gender Mainstreaming führt auch durch kleine Schritte und kontinuierliche Weiterentwicklung zum Ziel: step by step-Strategie.
Kontakt:
VII3@bmask.gv.at
Letzte Änderung am: 26.9.2012
• Gender
"Gender" ist das "soziale Geschlecht" – jene Vorstellungen und Erwartungen, wie Frauen und Männer sein sollen oder angeblich "sind" (soziale Rollen in der Gesellschaft, "doing gender").
• Gender in der Gefahrenevaluierung (ASchG)
Die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Evaluierung von Gefahren und Belastungen (§ 4 ASchG) und bei der Festlegung der Schutz- und Präventionsmaßnahmen ist wesentlich, um die Arbeitsbedingungen vor allem für Frauen, aber auch für Männer kontinuierlich zu verbessern. Die Einbeziehung der Genderperspektive muss dazu auf allen betrieblichen Ebenene, bei allen Tätigkeiten und in allen Arbeitsschutzbereichen erfolgen.
• Implementierung von Gender Mainstreaming in der Arbeitsinspektion
Österreich hat sich national und international zur Umsetzung der Strategie des Gender Mainstreaming in allen Bereichen verpflichtet - Rechtsgrundlagen sind z.B. Artikel 7 des Bundes-Verfassungsgesetzes und die Ministerratsbeschlüsse der Bundesregierung über Gender Mainstreaming. Auch die Arbeitsinspektion als Teil der Bundesverwaltung implementiert Gender Mainstreaming organisationsintern und in ihre Tätigkeit.
• OSHA - Webportal Gender (Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) hat ein Webportal zu geschlechtsspezifischen Fragen und Gender in der Arbeitswelt eingerichtet und stellt auf ihrer Website Informationsunterlagen zur Unterstützung der Umsetzung von Gender Mainstreaming im Arbeitsschutz zur Verfügung:
• Gender und Diversity
Ein gender- und diversitygerechter ArbeitnehmerInnenschutz verbessert den Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz für alle, wirkt Arbeitsschutzdefiziten entgegen und unterstützt die Chancengleichheit bei sicheren und gesunden Arbeitsbedingungen.
• Gender und Diversity im ArbeitnehmerInnenschutz - die richtigen Fragen stellen
Um sichere und gesunde Arbeitsbedingungen für alle - für Frauen und für Männer, für Arbeitnehmer/innen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, Junge/Ältere, Beschäftigte mit Einschränkungen/Behinderungen u.v.m. gleichermaßen gerecht und wirksam zu gewährleisten, muss die Gender- und Diversityperspektive mit dieser Zielsetzung in allen betrieblichen Ebenen, Tätigkeiten und Arbeitsschutzbereichen integriert sein. Die Berücksichtigung von Gender- und Diversity kann die Arbeitsschutzstandards für alle verbessern und zur Chancengleichheit am Arbeitsplatz beitragen.
• Gender in Projekten, Good-Practices und Best-Practices
Genderfragen sollen in Projekten der österreichischen Arbeitsschutzstrategie 2007-2012 berücksichtigt werden, um den Sicherheits- und Gesundheitsschutz für alle Beschäftigten unabhängig von Geschlecht und Rollenzuschreibungen am Arbeitsplatz zu verbessern. Das gilt ganz allgemein, besonders aber auch für Projekte, Good-Practices und Best-Practices.