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Die fünfte Sitzung
In der fünften Sitzung werden die notwendigen Unfallerhebungsformulare ausgegeben und die Kursteilnehmer dahingehend instruiert, wie diese Formulare auszufüllen sind, um eine Vergleichsbasis zu haben. In dieser Weise wird das Material gewonnen, das für die Grundlagen der Unfallerhebung und Unfallverhütung von Bedeutung ist. Am Ende der fünften Stunde wird nochmals eine Zusammenfassung der Ziele des Unfallverhütungskurses gegeben.
Lateiner Unfallerhebungsbogen (pdf-1,4 MB)
In weiterer Verfolgung des Zieles der Methode Lateiner finden monatlich Besprechungen statt, bei denen die aufgetretenen Schwierigkeiten bzw. neue Vorschläge besprochen werden.
Die technische Durchführung des Kurses
Zur Veranstaltung des Kurses ist vor allem ein ruhiger, freundlicher Raum notwendig. Er soll womöglich so gelegen sein, daß die Kursteilnehmer durch äußere Einflüsse vom Kursgeschehen nicht abgelenkt werden. In diesem Räume sind für die Kursteilnehmer, deren Zahl zwölf bis fünfzehn nicht übersteigen soll, Tische und bequeme Sitzgelegenheiten bereitzustellen. Die Anordnung der Tische und der Sitzgelegenheiten ist so zu treffen, daß der Leiter des Kurses mit jedem Kursteilnehmer direkt diskutieren kann, da, wie schon einige Male hingewiesen, der ganze Kursus in der Form einer gelenkten Debatte vor sich geht. Es muß daher alles vermieden werden, was den Eindruck einer Schulklasse oder einer Dozierung erwecken könnte. Es wird daher sehr empfehlenswert sein, die Verwendung von Schultafeln, Kreide, Schwamm, Tüchern u. dgl. zu vermeiden. Für das notwendige Aufschreiben wird am vorteilhaftesten eine entsprechende Papierrolle verwendet. Die erforderliche Anzahl der vorgedruckten Notizbücher und Unfallerhebungsbogen, welche als Unterlage für die Teilnehmer gedacht sind, sind vorzubereiten. Selbstverständlich ist eine Garnitur der vorerwähnten Dominosteine in entsprechender Größe vorrätig zu halten, die so aufzubewahren sind, daß sie den Kursteilnehmern nicht von vornherein ersichtlich sind. Ferner ist ein Glas mit Pillen zum Demonstrieren der Gesetze der Wahrscheinlichkeit notwendig. Wenn möglich, soll das Rauchen erlaubt sein.
Der Kurs selbst wird in der Form einer gelenkten Diskussion geführt, d. h. es wird durch geschickte Fragestellung ein Problem aufgeworfen und durch Diskussion die Lösung des Problems herbeigeführt. Wie in jeder Gesellschaft, so auch hier, gibt es Leute, die gerne im Hintergrund bleiben möchten. Da es sich um einen verhältnismäßig kleinen Raum handelt, ist es dem Kursleiter möglich, auch diese Leute in die Debatte einzuschalten. Daß hiezu eine gewisse Praxis seitens des Kursleiters Voraussetzung ist, ist selbstverständlich. Gelingt es ihm aber, auch bei diesen Leuten das Verständnis zu wecken, ist ein hundertprozentiger Erfolg des Kurses gewährleistet. Gerade diese, an und für sich etwas verschlossenen Menschen, leisten Überdurchschnittliches, wenn sie in der richtigen Form in Schwung gebracht werden.
Bei diesem Kurs hat jeder Kursteilnehmer immer wieder die Möglichkeit seine Ansichten, Erfahrungen und Anregungen vorzubringen. Dadurch wird in ihm Schritt für Schritt das Bewußt-sein geweckt, daß auch er auf dem Gebiete der Unfallverhütung ein äußerst nützlicher Mitarbeiter ist, in dessen Händen letzten Endes die Gesundheit und das Leben seiner Kollegen liegt.
Ein weiterer Vorteil dieser gelenkten Diskussion ist darin gelegen, daß es hiedurch zu einem regen Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Kursteilnehmern kommt, der sich befruchtend auf das weitere Geschehen im Betriebe auswirkt. Anderseits wird dadurch die Methode sehr anpassungsfähig.
Eines ist jedoch auf alle Fälle zu vermeiden: es darf seitens des Kursleiters zu keinem bestimmten, vorhergegangenen Unfall konkret Stellung genommen werden. Würde man dies tun, könnte bei dem einen oder anderen Kursteilnehmer ein Schuldgefühl aufkommen. Es muß vielmehr bei den Teilnehmern der Eindruck erweckt werden, daß die gewonnenen Erkenntnisse auf Grund ihrer eigenen Überlegungen erreicht wurden, so daß sie „die Stützen des Kurses" waren.
Es bleibt zu hoffen, daß diese Methode vielleicht in einer modifizierten Art und Weise auch in Österreich jene Popularität bekommt, die sie im Westen Europas bereits besitzt, und daß dadurch ein weiterer Kreis von Mitarbeitern zum Wohle des arbeitenden Menschen und der Volkswirtschaft gewonnen wird.
Kontakt: uwe.stecher@arbeitsinspektion.gv.at
Letzte Änderung am: 27.4.2007