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Vom Parkplatz Hochmais (1.850 m ü.d.M.) entwickelt sich die Straße in 2 großen Kehren bis zum unteren Lager Naßfeld (zirka 2.040 m ü.d.M.), das zu Beginn der Bausaison zirka 270 Mann beherbergte. Nach Maßgabe des Baufortschrittes in den höher gelegenen Baulosen wurde diese Lager dann nach und nach aufgelassen. Von dort führt die Trasse nach Durchbrechung der sogenannten Hexenküche, eines wildromantischen Trümmerfeldes, in 3 weiteren Kehren an die Steilhänge oberhalb des Lagers am Petersbrünndl (ca. 2.149 m ü.d.M., zirka 130 Mann) – das dann gegen Schluß der Bausaison ebenfalls aufgelassen wurde – überwindet, den Fuß der Edelweißwand auf der Lehnengewölben und erreicht schließlich das Baulager am Oberen Naßfeld (2.260 m ü. d. M., zirka 350 Mann). Dieses Hauptlager war mit einer Kulturbaracke, Sanitätsbaracke, Magazinbaracken, Waschbaracke, Werkstätten, Stallungen, einer Gendarmerie- und Schutzkorpsexpositur, einer großen Kantine und 2 Selbstversorgerküchen sowie einem Beamtenwohnhaus ausgestattet.
Die Licht-, Kraft- und teilweise auch Druckluftversorgung der Baustellen und Lager erfolgte durch eine Zentrale am Unteren Nassfeld mit 2 Dieselmotoren von zusammen 45 PS sowie 2 Kompressoren und 2 Generatoren von zusammen 35 PS. Eine einfache Seilbahn mit 2 Gehängen und 300 kg Tragkraft besorgte den Materialtransport vom Unteren zum Oberen Naßfeldlager. Von dort führt die Straße in freier Entwicklung und zahlreichen Kehren bis zum Parkplatz am Fuschertörl (2.300 m ü. d. M.). Hier beginnt der 1,6 km lange Fahrweg auf der Edelweißspitze (2.580 m ü. d. M.). Die Bauarbeiten an diesem Straßenstück, das 7 Ausweichstellen besitzt begannen am 6. August, und wurden derart forciert, dass trotz der keineswegs leichten Terrainverhältnisse am 23. September der allgemeine Verkehr aufgenommen werden konnte. Vom Fuschertörl aus durchquert die Trasse teilweise auf Lehengewölben den steilen Nordhang des Törlkopfes und erreicht knapp vor dem Törlgrat den höchsten Parkplatz der Nordrampe (2.458 m ü. d. M.). In einer scharfen Kehre nach Süden durchbricht sie dann den Törlgrat und senkt sich in weitausladender Schleife zur Fuscherlacke (2.260 m ü. d. M.), wo sich das letzte Baulager des nördlichen Bauabschnittes befand (200 Mann). Der Abfluß der Fuscherlacke wird mittels Staudammes mit Überlaufgerinne überquert und dadurch die bisher größtenteils sumpfige und unschöne Fuscherlacke zu einem kleinem See aufgestaut.
Die hygienischen und sanitären Verhältnisse in den Baulagern entsprachen den für die Südrampe bereits geschilderten mit dem einzigen Unterschied, dass in den Lagern der Nordrampe überall Trinkwasser in guter Qualität und ausreichender Menge vorhanden war. Auch die Arbeits- und Lohnverhältnisse waren als gleich zu bezeichnen. Glücklicherweise sind auch auf der Nordrampe tödliche oder auch nur besonders schwere Unfälle nicht zu verzeichnen gewesen, was wohl hauptsächlich auf die Verwendung von ausgewählten, durch die früheren Baujahre gut geschulten Leuten bei gefährlicheren Arbeiten zurückzuführen ist.
Es hat wohl früher kaum einen Straßenbau in Österreich gegeben, bei welchem ähnliche schwierige Verhältnisse im Hochgebirge zu bewältigen waren, wie beim Bau der Großglockner-Hochalpenstrasse. Die Anforderungen, die an die Fähigkeiten der Ingenieure, an die Leistungen und an die Zähigkeit der Mannschaft gestellt wurden, waren oft ungeheure. Die Organisation des Baues durch die Bauleitung der Großglockner-Hochalpenstrasse A. G. und deren Bauführer Oberbaurat Ing. Franz Wallack mußte bis ins letzte Detail wohl durchdacht werden, um allen möglichen Fällen vorausschauend zu begegnen, da bei der äußerst knappen Bauzeit alles bei der Hand sein mußte, um Stockungen zu vermeiden. Die Leute waren auch Dank der hervorragenden Führung mit einer Begeisterung und Ausdauer am Werke, die unvergleichlich war, ein jeder stolz darauf, daß er bei diesem großem Werke mitarbeiten konnte, das den alten Ruhm österreichischer Ingenieurskunst, zäher Ausdauer und hervorragender Leistung des Arbeiters wieder neu erstehen ließ.
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Letzte Änderung am: 27.4.2007