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"Für die Frauen ist zu Hause nur Schichtwechsel"(Zitat einer Arbeiterin aus dem Handbuch der Frauenarbeit, 1930)
Käthe Leichter war unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Otto Bauer in der Staatskommisssion für Sozialisierung (ab 1919). Ab 1925 arbeitete sie am Aufbau des Frauenreferats in der Wiener Arbeiterkammer. Sie gestaltete zahlreiche Veröffentlichungen, ua. des Österreichischen Metall- und Bergarbeiters und einige selbständige Publikationen, ua."Frauenarbeit und Arbeiterinnenschutz in Österreich" (1927).
Im nach wie vor zu den Standardwerken zählenden "Handbuch der Frauenarbeit in Österreich", Hrsg. Kammer f. Arbeiter u. Angestellte Wien, 1930, schreibt sie zur weiblichen Gewerbeinspektion:
"Die unerhörten Verhältnisse der Textilindustrie in England führten in den Jahren um 1840 zu den ersten Arbeiterschutzmaßnahmen für Kinder und Frauen. (...) (Anmerkung: Siehe dazu auch "Health and Morals Act") Erst als der Wirkungskreis der Fabriksinspektion sich auf alle mit Motor arbeitenden Betriebe erstreckte, gleichzeitig aber auch jede Frauen und Jugendliche beschäftigende Anlage als unter das Fabriksgesetz fallend, angesehen wurde, führte dieser erweiterte Wirkungskreis zu einer Teilung der Arbeitsgebiete: 1893 erfolgte die Anstellung weiblicher Fabriksinspektoren, denen die "mit der eigentlichen Domäne der Ingenieure weniger zusammenhängenden Fragen der Frauen- und Kinderarbeit" mit der Begründung übertragen wurden, "daß die in diesen Fragen enthaltenen ziemlich verwirrten Probleme am besten zentral und von Frauen bearbeitet würden." Die Beamtinnen bildeten ein Ressort für sich im Ministerium des Inneren und hatten jährlich über ihre Arbeit zu berichten." (...)
In Deutschland stellte der Leipziger Frauenverein im Jahr 1894 als erster die Forderung nach Einstellung weiblicher Beamten. (...)
Die österreichische Gewerbeinspektion wurde erst 1883, also verhältnismäßig spät ins Leben gerufen, zu einer Zeit hochentwickelter Industrie in zurückgebliebenen Industrieanlagen, die eine ständige Gefahrenquelle in sich bargen. (…)
Die Summe der ersten Erfahrungen der Gewerbeinspektoren wurde im Jahr 1905 in der Verordnung zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Hilfsarbeiter niedergelegt, die die baulichen, technischen und hygienischen Regelungen für alle Betriebe festsetzt, wodurch der Aufgabenbereich der Institution sich über das gesamte Gewerbe ausdehnte.(…)
1906 folgte zunächst die Einstellung der ersten weiblichen Beamtin in Wien. Dann brachte das Jahr 1907 durch die Novellierung des Genossenschafts- und Lehrlingswesens abermals eine Erweiterung des Wirkungskreises der Gewerbeinspektion. Die neuerliche Interpellation Dr. Viktor Adlers im Jahre 1908 um Einführung neuer Beamtentypen: Frauen für Frauenarbeit und Betriebspraktiker für einzelne Industriegruppen drang nun durch und führte im Jahre 1909 zur Ernennung von vier weiteren Frauen." (…)
(Nach dem 1. Weltkrieg:) Die Mitarbeit der Frauen wurde als fester Programmpunkt in der Genfer Konferenz über die Arbeitsaufsicht aufgenommen. In der vom internationalen Arbeitsamt herausgegebenen Arbeit über die Arbeitsaufsicht im Jahre 1923 ist das Zahlenverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Beamten angegeben:
England: 165 männliche und 34 weibliche Beamte
Deutschland: 505 männliche und 79 weibliche Beamte
Österreich: 52 männliche und 9 weibliche Beamte. "
Siehe weiters zum Thema Frauenarbeit aus historischer Sicht: Bericht des ersten Zentralgewerbeinspektors Dr. F. Migerka "Text über Frauenarbeit in Fabriken" aus dem Jahr 1873.
1938 wurde Käthe Leichter durch den Verrat eines Spitzels von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie am 17. 3. 1942 ermordet wurde.
Einen Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu erreichen, stellt die Strategie des Gender Mainstreaming dar. Für nähere Informationen zum Thema Gender Mainstreaming hier klicken.
Kontakt: uwe.stecher@arbeitsinspektion.gv.at
Letzte Änderung am: 8.6.2007