Erste Eindrücke - Fortsetzung 2

Bildrechte Stadtarchiv Dornbirn - MangelsaalMan kann häufig durch einfache und billige Massnahmen Verletzungen ernstlicher Art vorbeugen; es fehlen jedoch nicht selten die notwendigsten Schutzvorkehrungen und wird deren Mangel zumeist mit der Aeusserung „es sei hier noch nichts geschehen" zu begründen versucht.

Dies gilt namentlich von den Geländern, deren mit einem geringen Geldaufwande verbundene Anbringung an Treppen, Passagen, Gallerien, Bühnen, Laufbrücken, Treppen-, Fussboden-, Fahrstuhlöffnungen, Bassins, Bottichen etc. etc. so manchen schweren Unglücksfällen vorgebeugt hätte.

Seltener, als die Umwehrung der Schwungräder der Motoren mangelt die Umwehrung oder Verkapselung der rückwärtigen Kolbenstange der Dampfmaschine.

Auch fand ich häufig gut gesicherte Transmissions- und Treibriemen, Selbstöler, Leitern mit eisernen Spitzen und Haken, und ebenso wenden manche Gewerbeunter­nehmer der Entfernung oder Sicherung von vorstehenden Keilen und Schraubenköpfen ihre Aufmerksamkeit zu.

Riemenaufleger sind dagegen als Seltenheit zu bezeichnen, ebenso Instructionen für die Bedienung der Transmissionen. Namentlich wird in letzterer Beziehung für eine entsprechende Kleidung der Maschinenarbeiter keine Sorge getragen.

Ungeschützte Zahngetriebe an der Einlaufseite finden sich besonders an den Metall- und Holzbearbeitungsmaschinen, sowie an den Walzenstühlen in Mahlmühlen.

Oft sind aber die Schutzvorrichtungen vorhanden, dieselben werden jedoch von den Arbeitern manchmal entfernt und absichtlich oder aus Vergesslichkeit liegen gelassen. So z. B. fand ich in einer Kunstmühle die Walzenstuhlräder unbedeckt; die Schutzhaube lag irgendwo in einem Winkel, trotzdem der Obermüller vor zwei Jahren in Folge der Quetschung durch diese Räder zwei Finger eingebüsst hatte.

Schutzvorrichtungen an Kreissägen bemerkte ich nur in zwei Etablissements, unter diesen in der Papier- und Pappenfabrik „H. Greifenhagen" in Schröbersdorf, welche die C. Hoffman'sche Vorrichtung für Kreissägen eingeführt und auch für die Sicherung der übrigen Maschinen vorgesorgt hat.

Vorrichtungen behufs Verminderung des bei dem Arbeitsprocesse sich entwickeln­den Staubes finden sich nur hie und da.

Erwähnenswerth ist in dieser Beziehung die Bleistiften- und Pastellenfabrik „L. & C. Hardtmuth" in Budweis, in welcher unterhalb der Drehtrommeln der mittelst eines Blechhelmes gehörig verdeckten Nutenschneidmaschinen angebrachte Exhaustoren die Staubabfälle direct ins Freie abführen.

Schutzbrillen kommen selten, Respiratoren nirgends zur Verwendung.

Als bedauerlich ist das Arbeiten der männlichen mit den weiblichen Arbeitern in einem Locale namentlich da zu bezeichnen, wo die hohe Temperatur der Arbeitsräume die beiden Geschlechter zwingt, sich fast aller Kleidung zu entäussern.

(III. Aufsichtsbezirk, Amtssitz Budweis)

Zum Schlüsse kann ich auch das trefflich organisirte Feuerwehrwesen, welches ich in einigen Fabriken getroffen habe, wegen der Bedeutung, welches dasselbe auch für die Arbeiter hat, wenigstens nicht unerwähnt lassen und führe zu diesem Ende einige Fabriken an.

In dem Fabriksetablissement des Österreichischen Vereines für chemi­sche und metallurgische Production in Aussig ist ein wohlorganisirtes, uniformirtes Feuerwehrcorps von 220 Mann aus den Fabriksarbeitern zusammengestellt, welches mit allen nöthigen Requisiten und Feuerlöschapparaten ausgerüstet und im Feuerwehrdienste vollkommen eingeübt ist. Im Falle eines Feuerausbruches ist beim ersten Feuersignal ein jeder Mann dieses Corps dienstbereit.

In der Zuckerfabrik der Firma „Schoeller & Comp." in Czakowitz ist eben­falls eine gut organisirte und adjustirte, mit allen nöthigen Feuerlöschapparaten ver­sehene Feuerwehr errichtet. Dieselbe ist aus stabilen Fabriksarbeitern zusammengestellt. Auch dieses Corps leistete schon in vielen Fällen treffliche Dienste.

(IV. Aufsichtsbezirk, Amtssitz Prag)

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Kontakt: uwe.stecher@arbeitsinspektion.gv.at
Letzte Änderung am: 16.11.2006