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Ungleich ungünstigere Luftbeschaffenheit fand ich in Webereien, Hanf- und Flachsspinnereien, in Hadernsortirsälen der Papier- und Kunstwollfabriken und in den Ausnehmerzimmern der Zündhölzchenfabriken. Als eine erfreuliche Ausnahme von dem bezüglich der Hadernsortirsäle Gesagten, glaube ich jene der Papierfabrik Steyrermühle anführen zu sollen. In Folge der hier bestehenden räumlichen Verhältnisse (in einem Raume von 2182m3 arbeiten nur 40 Personen, so dass per Kopf 54 m3 Luftraum kommt), sodann des Umstandes, dass nur sogenannte Landhadern verarbeitet werden, und diese vor der Sortirung durch einen Haderndrescher ausgeklopft werden, ist die Luftbeschaffenheit in diesen Arbeitsräumen eine gute.
Künstliche Ventilationsvorrichtungen zählen zu den Seltenheiten und sind nur in einzelnen bedeutenderen Etablissements zu finden.
In einer Baumwollweberei arbeiteten im ersten Stockwerke nahe an 100 Hilfsarbeiter und diente eine einzige Holzstiege als Passage, die ausserdem von den im zweiten Stockwerke beschäftigten Spulerinnen benützt werden musste. Die Anlage einer zweiten Stiege erfolgte erst nach erstatteter Anzeige an die k. k. Gewerbebehörde in Folge Auftrages derselben.
Hinsichtlich der Aborte ist zu bemerken, dass sich dieselben entweder im Fabriksgebäude selbst befinden und dann gewöhnlich ihren Eingang direct von den Werkstätten haben, oder dass sie ausserhalb des Gebäudes angelegt sind. Erstere meist in alten Fabriksanlagen vorkommende Anordnung hat eine schlechte Luftbeschaffenheit in den Arbeitsräumen zur Folge, umsomehr als die Ventilation dieser Orte oft mangelhaft, ohne Dunstschläuche, nur durch kleine Luftlöcher in der Mauer, bewerkstelligt ist. Von sehr guter Wirkung ist die in einzelnen Etablissements eingerichtete Wasserbespülung; ein Mangel hingegen, dass derartige Localitäten häufig jeder Beleuchtung entbehren.
Das Vorhandensein von Garderoben und Waschapparaten gehört zu den Seltenheiten, und doch sind derartige Einrichtungen in vielen Gewerbeunternehmungen eine Notwendigkeit.
Die Beleuchtung der Arbeitsräume erfolgt in den meisten Gewerbeunternehmungen mit Petroleumlampen und sind wegen Feuersicherheit oft Metallkörper in Verwendung.
In Fabriken, welche explosive Stoffe erzeugen oder verarbeiten, werden die Lampen von aussen angezündet und sind vom Arbeitsraume aus durch eingekittete Glastafeln abgeschlossen und unzugänglich gemacht.
Die Verwendung des Leuchtgases ist mit Ausnahme der in oder bei grösseren Städten liegenden Gewerbeunternehmungen nur einzelnen grossen Fabriksetablissements mit eigenen Gasanstalten ermöglicht. Die Anwendung der elektrischen Beleuchtung hat noch sehr geringe Verbreitung. Einzelne Werkstätten der Waffenfabrik in Steyr, die Zwirnerei von Math. Salcher's Söhne bei St. Pölten, die Kunstmühle in Wels sind bereits elektrisch beleuchtet und soll die neue im Bau begriffene Hanf- und Bindfadenfabrik bei Pöchlarn ebenfalls eine derartige Einrichtung erhalten.
Die Beschaffung der Beleuchtung seitens der Arbeiter ist nur in sehr wenigen Fabriken üblich.
Gegen Feuersgefahr sind Vorkehrungen am häufigsten in Fabriken der Textilbranche zu treffen. Bezüglich derartiger Einrichtungen verdient die Vöslauer Kammgarnspinnerei in erster Linie genannt zu werden. Durch sämmtliche Werkstätten dieser Fabrik ist eine Wasserleitung geführt und befindet sich in jedem Saal ein Feuerwechsel mit den erforderlichen Schläuchen. Die Leitungsrohre sowohl, wie die Wechsel sind durch rothen Anstrich kenntlich gemacht. In den Arbeitssälen hängen an bestimmten Stellen feuchte Kotzen und sind zum Zwecke der raschen Entleerung der Räume allenthalben Noththüren hergestellt, deren Schlüssel unter Glas und Rahmen nebenan aufgehängt sind.
Hier sowie in anderen grösseren Fabriksunternehmungen bestehen eigene Feuerwehren, deren Ausrüstung und Organisation oft alles Lob verdient.
In Filzhutfabriken gewinnen Apparate an Verbreitung, welche das Verunreinigen der Luft in den Werkstätten durch die sehr feinen Hasenhaare verhindern. Das Sortiren erfolgt in vollständig geschlossenen Kästen mit starken Ventilatoren und die Erzeugung des Filzes selbst auf sehr praktisch eingerichteten Fachmaschinen. Bei diesen werden die durch eine Längsspalte eines Holzkastens ausgeblasenen feinen Theilchen von einem unterhalb einer eng vergitterten Hutform wirkenden Exhaustor sofort angesaugt, legen sich in einer ganz dünnen Schichte auf diesem rotirenden Gitter an und werden unter Einwirkung eines feinen Wasserstrahles verfilzt.
(II. Aufsichtsbezirk, Amtssitz Linz)
Kontakt:
uwe.stecher@arbeitsinspektion.gv.at
Letzte Änderung am: 16.11.2006