Aus den Ländern Kärnten, Tirol und Vorarlberg

Bildrechte Stadtarchiv Dornbirn - WebereiAuszüge aus dem Jahresbericht 1884 des k.k. Gewerbeinspectors Josef Edler von Rosthorn (VIII. Aufsichtsbezirk, Amtssitz Bozen).

Ueberall, sowohl in Kärnten, als auch in Tirol und Vorarlberg hatte ich das Glück, trotz anfänglichen Misstrauens, nach Kurzem dem freundlichsten Entgegenkommen seitens der Grossindustriellen und Kleingewerbetreibenden zu begegnen und selbst in den nicht seltenen Fällen, in welchen die Ansichten der Betreffenden über die Notwendigkeit der von mir empfohlenen Massregeln von den meinigen abwichen, endigten die dies­bezüglichen Verhandlungen ausnahmslos mit einem freundlichen Einverständnisse.

Unter den besuchten Fabriken traf ich nur wenige, in denen ich in Bezug auf Luftraum, Luftwechsel und Licht wesentliche Gebrechen vorgefunden; dasselbe bin ich in der angenehmen Lage, bezüglich der seitens der Fabriksbesitzer beigestellten Arbeiterwohnungen sagen zu können.

Fast in allen inspicirten Schlafräumen betrug der Luftraum per Kopf 15m3 und darüber und ebenso waren auch die Fenster von hinreichender Zahl und Grosse.

Vom Kleingewerbe lässt sich dies im Allgemeinen leider nicht sagen, da daselbst nur zu häufig die Ausdehnung der Räumlichkeiten den Erfordernissen der Hygiene wenig entspricht.

Vielen Kleingewerbetreibenden macht es die Beschränktheit ihrer Mittel unmöglich, bessere Locale zu miethen und, wollte man ihnen in ihren gegenwärtigen etwaige Ventilationseinrichtungen octroyiren, so könnte man bei dem Umstände, dass weder in den Meistern noch in deren Gehilfen das Bewusstsein der Notwendigkeit lebhafteren Luftwechsels, und mit diesem der Wunsch nach solchem bisher erwacht ist, mit Sicher­heit darauf rechnen, die Luftzüge im Winter, wo das Bedürfniss künstlicher Luft­zuführung gerade am grössten ist, aus Brennmaterial-Ersparungsrücksichten, sorgfältig verstopft zu finden.

Behufs möglichst rascher Verbreitung richtiger Anschauungen beabsichtige ich einige befreundete Aerzte zur Abhaltung diesbezüglicher populär gehaltener Vorträge in mehreren Städten meines Amtsbezirkes zu bewegen.

Unter den Fabriken, welche ich bisher zu besichtigen Gelegenheit fand, stehen die Tiroler und Vorarlberger Textilfabriken hinsichtlich guter Luftbeschaffenheit ihrer Arbeitssäle in vorderster Linie. Die Heizungen, meist centrale Luft- sowie auch Dampfheizungen, sind gleichfalls rationell angelegt und in vielen Fabriken ist auch für Kühlung der Luft während des Sommers gesorgt.

Die Herren Hämmerle zu Dornbirn in Vorarlberg gehen in dieser Richtung so weit, dass sie eine ihrer Fabriken während der heissen Jahreszeit mittelst eines Aeolus mit angefeuchteter und um 5 bis 6 Grad unterhalb der Aussentemperatur im Schatten gekühlter Luft aufs Reichlichste ventiliren, während eine zweite sich von einer durch künstliche, längs des ganzen Umfanges des Gebäudes stattfindende Wasserverstäubung gekühlten Atmosphäre umgeben befindet, so dass das Betreten des Innern beider Fabriken das Gefühl ganz besonderer Behaglichkeit hervorruft.

Die in früherer Zeit ziemlich allgemein verbreitete Meinung, hohe Temperaturen seien zum Gelingen der Operationen des Spinnens und Webens erforderlich, wurde seitens aller Textilfabrikanten, die Besitzer der Schafwollenstofffabriken mit Inbegriffen, als Vorurtheil bezeichnet. Ich traf in keiner Textilfabrik eine Temperatur, die über 21° C. (17° R.) hinausging.

Bezüglich der Localitäten, in denen die Maschinenstickerei in Vorarlberg betrieben wird — es sollen sich gegenwärtig über 4000 Stickmaschinen daselbst befinden — liess sich bei keiner, die ich zu sehen Gelegenheit hatte, auch nur das Geringste aussetzen.

Als vor ungefähr 10 Jahren die Maschinenstickerei in Vorarlberg Eingang fand und dieser Industriezweig anfänglich äusserst reichlichen Erwerb brachte, wandte sich eine grosse Zahl der dortigen Bewohner demselben zu und brachte die ihnen seitens einiger Schweizer Firmen auf Credit gelieferten Maschinen aus Mangel geeigneter Localitäten in feuchten Kellern und anderen gesundheitswidrigen Räumen unter.

Seit jener Zeit bauten sich jedoch die Sticker aus ihrem Erwerbe ganz geräumige, gedielte und mit zahlreichen Fenstern versehene Arbeitslocale an ihre Wohnhäuser an, deren jedes eine oder zwei Maschinen in sich schliesst, so dass gegenwärtig höchstens 6 Personen in einem geräumigen Geschäftslocale beschäftigt sind.

Die schlechtesten Werkstätten und Wohnungen traf ich in der Büchsenmachergemeinde Ferlach in Kärnten an. Leider lässt sich jedoch daselbst nichts thun, denn Verbesserung wäre mit dem Neubau von ganz Ferlach identisch.

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Kontakt: uwe.stecher@arbeitsinspektion.gv.at
Letzte Änderung am: 9.2.2009