Der "Health and Morals Act"

Kinder in englischer KohlegrubeMit dem Einsetzen der Industrialisierung begannen Fabriksbesitzer arme oder verwaiste Kinder zu beschäftigen. In England war Sir Robert Peel in Lancashire, Vater des späteren Premierministers Peel, einer der ersten. Die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken waren so schlecht, dass viele der Kinder an "Fieber" dahinsiechten. Peel wollte jedoch die Kinderarbeit nicht aufgeben, da seine Konkurrenz damit einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil erlangt hätte.

Ein anderer Fabriksbesitzer, Robert Owen galt als Philanthrop, der sehr um das Wohl seiner Arbeitnehmer besorgt war. Er weigerte sich Kinder unter zehn Jahren zu beschäftigen und richtete Schulen ein. Schließlich überzeugte er Peel den Älteren im Parlament den "1802 Health and Morals of Apprentices Act" (Gesundheits- und Sittlichkeitsgesetz für Auszubildende) durchzubringen.

Zwölfgängiger Mühlstuhl - um 1800Das Gesetz bezog sich auf Baumwoll- und Schafwollfabriken und auf die sogenannten Kirchspielslehrlinge, d.h. die Armenkinder, welche gewissenlose Armenverwaltungen sich dadurch vom Hals schafften, dass sie diese in die Fabriken schickten. Für sie wurde die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden festgesetzt und Nachtarbeit verboten. Jeder Lehrling sollte täglich in den ersten vier Jahren seiner Lehrzeit Unterricht erhalten und die Schulstunden sollten ihm als Arbeitszeit angerechnet werden. Weiters mussten die Fabriken entsprechende Belüftungen aufweisen, die Schlafräume mussten nach Geschlechtern getrennt werden, es durften nicht mehr als zwei Kinder in einem Bett liegen und Böden und Wände mussten regelmäßig gereinigt werden. Die Aufsicht wurde mittels Freiwilligenkomitees (Geistliche, ehemalige Fabrikanten, angesehen Persönlichkeiten) durchgeführt. Bei den ungenügenden Durchführungsbestimmungen blieb jedoch der Schutz eher illusorisch. Inzwischen entstanden viele mit Dampf betriebene Fabriken; in ihnen wurden auch andere Kinder und jugendliche Personen in großer Zahl und übermäßig beschäftigt. Nachdem auf Veranlassung Peels 1815 eine parlamentarische Enquette veranstaltet worden war, kam 1819 ein neues Gesetz zustande, dass sich nur auf die Baumwollspinnereien bezog. Zum ersten Mal wurde eine bestimmte Altersgrenze (9 Jahre) für Aufnahme in die Fabrik festgesetzt; die Arbeit der 9 bis 16 jährigen Kinder wurde auf 12 Stunden täglich beschränkt und die Nachtarbeit von Neuem verboten. Ein anderes Gesetz von 1825 kürzte die Arbeit am Samstag ab und regelte das Verfahren gegen Gesetzesübertretungen. Doch die Durchführung blieb ungegnügend. 1831 entstand ein neues Gesetz, welches Nachtarbeit für alle Personen zwischen 9 und 21 Jahren verbot und die Arbeitsdauer der Personen bis 18 auf zwölf Stunden pro Tag festsetzte. Obgleich in ihrer Wirksamkeit auf die Textilindustrie beschränkt, war es doch von hoher Bedeutung, weil es das erste Gesetz war, welches wenigstens zum Teil ausgeführt wurde. 1833 wurden zur Durchführung der Bestimmungen vier bezahlte Fabrikinspektoren bestellt.

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Letzte Änderung am: 12.6.2006